Wenn sich zwei Brüder in einem Cupfinal gegenüberstehen, darf eines nicht fehlen: eine Wette. «Es muss etwas sein, das wehtut», sagt Emre Findik vom FC Pratteln. Am Samstag, 17.30 Uhr, trifft der 22-Jährige im Basler Cupfinal auf seinen fünf Jahre älteren Bruder. «Ja, etwas Heftiges», entgegnet Ugur – das g im Namen des 27-Jährigen spricht man nicht aus.

«Ferien bezahlen zum Beispiel.» Emre lächelt, während er überlegt. Dann sagt er, ohne das Grinsen auf dem Gesicht zu verlieren: «Da Pratteln eh gewinnt, sollte es etwas richtig Teures sein.» – «Ibiza!», entgegnet Ugur knapp. «Okay, machen wir.» Ein kräftiger Handschlag besiegelt die Wette.

Ugur und Emre sind in Rheinfelden geboren und in Pratteln aufgewachsen. Die Verwandtschaft ist unübersehbar. Frisur und Bart gleichen sich. Nur bei den Augen scheinen die beiden Brüder völlig unterschiedliches Genmaterial bekommen zu haben. «Emres dunkelbraune Knopfaugen kommen vom Vater, meine blauen Augen von der Mutter», erklärt Ugur.

Profikarrieren in der Türkei

Nicht weit vom Elternhaus entfernt lernen sie beim FCP das Fussballspielen. Ugur hat Talent. 2011 wird er von einem türkischen Scout entdeckt. Als dieser dem 19-Jährigen nach dem Spiel erklärt, dass er ihn in die zweite türkische Liga zu Burcaspor lotsen will, glaubt Ugur erst nicht, was er hört. Eine Woche später klingelt aber sein Telefon: «Es ist alles geklärt. Du kannst runterkommen.» Ugur lässt sich nicht zweimal bitten.

Der Traum vom Profifussball lebt. Zu Beginn läuft noch alles nach Plan, doch eine Verletzung und ein Trainerwechsel später ist er plötzlich aussen vor. Ugur probiert sein Glück noch bei zwei anderen türkischen Vereinen, ehe er 2014 das Abenteuer Profifussball beendet und zurück in die Schweiz kommt.

Sein Bruder Emre war 13, als Ugur die Familie in Richtung Türkei verliess. «Damals habe ich das noch nicht geschnallt. Ich war stolz, wollte denselben Weg gehen wie er», sagt Emre heute. Die drei Jahre ohne seinen Bruder haben nichts an ihrer Beziehung verändert. Den Profitraum hat Emre ungefähr gleichzeitig wie Ugur beendet: «Als ich eine Ausbildung gemacht hatte, hatte der Fussball nicht mehr erste Priorität.»

Einer putzt, der andere kocht

Jetzt sind beide in der Region glücklich geworden. «Pratteln ist alles für uns», sagt Ugur. Seit Dezember haben die beiden Brüder fünf Minuten vom Stadion entfernt ihre eigene WG. Die Haushaltsaufgaben sind klar verteilt. Emre putzt, Ugur macht die Wäsche und kocht. «Ein guter Deal», wie beide betonen. Auch beruflich gibt es die Findiks nur im Doppelpack. Beide arbeiten bei der gleichen Firma als Kundenberater, das sogar im gleichen Team.

Für den Fussball trennen sich die beiden. Emre hat noch nie den Verein gewechselt. Beim FC Pratteln ist er vom Junior zum Stammspieler der 1. Mannschaft in der 2. Liga gereift. Ugur hat schon für diverse Vereine gespielt und zieht jetzt im Mittelfeld von Concordia Basel die Fäden. Der Cupfinal ist das vierte Bruderduell. In der Meisterschaft gewann in dieser Saison immer der ältere Bruder.

Congeli beendete die 2.-Liga-Saison auf dem 2. Rang und verpasste das Ziel Aufstieg. Pratteln wurde Achter. Die beiden Direktduelle gingen klar an den Stadtklub. Doch Emre ist mit elf Saisontoren im Vergleich zu zwei Treffern von Ugur der torgefährlichere Bruder. Im Halbfinal traf Emre in der Verlängerung gegen Reinach, während Ugur im Penaltyschiessen gegen Möhlin scheiterte. Auch Vater und Mutter drücken dem Kleinen die Daumen. Dazu kommt, dass Pratteln den Cupfinal im eigenen Stadion bestreiten darf.

Bald im gleichen Verein?

Aus diesen Gründen will Ugur Congelis Favoritenrolle nicht unbedingt annehmen. Um Emre? Typisch kleiner Bruder nutzt er die Gelegenheit und behauptet frech: «Wir sind der Favorit. Ich glaube, wir behalten den Kessel in Pratteln.» Auch wenn er anschliessend sagt: «Spass beiseite», spürt man, dass Emre seine Worte doch ein bisschen ernst meint.

Emre hat den Basler Cup bereits einmal gewonnen. Als Pratteln vor drei Jahren siegreich war, gehörte er schon zur Mannschaft. Im letzten Jahr holte sich Concordia Basel mit Ugur den Titel, der auch zur Teilnahme am Schweizer Cup berechtigt. Diesen Samstag heisst das Duell zwischen Pratteln und Congeli dann auch Jugend gegen Erfahrung. Pratteln hat im Vergleich zu Congeli das deutlich jüngere Team.

Der Cupfinal wird Ugurs letztes Spiel für Concordia Basel sein. Der Verein plant nicht mehr mit ihm, seine Zukunft ist noch ungeklärt. Auch Pratteln wäre Möglichkeit. Dann könnte Ugur zum ersten Mal gemeinsam mit seinem Bruder Emre im selben Team spielen.