Spitzenkampf
Der verlorene Spitzenkampf - rot-blauer Ärger über Schiri Amhof

Statt 16 Punkte Vorsprung auf GC gibt's eine Niederlage gegen den ersten Verfolger. 2:3 verliert der FCB gegen ein vor allem in der ersten Halbzeit besseres GC. Der bittere Nachgeschmack: der erste Treffer war ein Offside-, der zweite ein Eigentor.

Sebastian Wendel (Text), Céline Feller (Liveticker)
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Die Zürcher jubeln über die 0:2-Führung.
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Der Basler Manuel Akanji in Aktion.
Bilder Basel - GC
Der Basler Torhüter Tomas Vaclikrechts, muss sich zum zweiten Mal geschlagen geben.
Der Zürcher Caio, vorne, freut sich über sein Tor.
Der Basler Breel Embolo, Mitte, in Aktion.
Zdravko Kuzmanovic (Basel) gegen Kim Kaellström (GCZ).
Alexandre Barthe (GCZ) gegen Breel Embolo (Basel).
GCs Mergim Brahimi (links) gegen Basels Jean-Paul Boetius (mitte), und GCs Yoric Ravet (rechts).

Die Zürcher jubeln über die 0:2-Führung.

Keystone

Es ist ein Bernhard Heusler, wie man ihn noch nie gesehen hat: Ausser sich vor Wut eilt der FCB-Präsident durch die Senftube in Richtung Garderobe, flucht vor sich hin. Eine Viertelstunde später hat sich Heusler immer noch nicht beruhigt, ein Statement lehnt er ab. «Es ist besser, wenn ich ruhig bleibe.» Er dreht dann nochmals um und sagt mit gequältem Lächeln: «Landesweit heisst es, der FC Basel werde von den Schiedsrichtern bevorteilt. Was bitte war dann heute los?»

Der FC Basel hat trotz der 2:3-Niederlage gegen GC in der Tabelle zehn Punkte Vorsprung auf die Hoppers. Spannender ist die Meisterschaft wegen des rot-blauen Ausrutschers noch lange nicht. Warum also regt sich Heusler derart auf? Einerseits liegt der Schlusspfiff erst wenige Minuten zurück, das Adrenalin pumpt auch noch in den Präsidentenadern. Andererseits sieht Heusler den Moment gekommen, sich zu wehren gegen die landesweite Meinung, der FCB habe einen Schiedsrichter-Bonus.

Wenn Heusler etwas nicht ausstehen kann, dann ist es unsachliche und unbegründete Kritik gegen seinen Klub. Es hat ihm auch nicht gefallen, als der Boulevard kürzlich eine Debatte darüber lancierte, wie man die Super League spannender machen könnte. «Wir werden uns nie für unsere Siege entschuldigen», sagt Heusler immer wieder, die Erfolge des FCB sieht er generell zu wenig gewürdigt.

Kommen wir zum Spiel: Es sind mehr als eine Handvoll Szenen, in denen sich der FC Basel von Schiedsrichter Sascha Amhof benachteiligt fühlt. Bei drei davon ist der Fall klar: Beim 1:0 von GC (19.) steht Torschütze Yoric Ravet im Abseits. In der 30. Minute landet der Kopfball von Breel Embolo am ausgestreckten Arm von Alexandre Barthe, statt Penalty zu pfeifen, lässt Amhof weiterlaufen. Endgültig zum schlechtesten Mann auf dem Platz macht sich Amhof in der 93. Minute: Alban Pnishi tritt Embolo im Strafraum mit voller Wucht in die Wade. Was macht Amhof? Er sieht ein Foul des Baslers! GC kommt zu einem Entlastungsfreistoss und freut sich Sekunden später über den Sieg.

Amhofs Eingeständnis

Nach dem Spiel bleibt Amhof lange in seiner Garderobe, bevor er sich im Kabinengang erst gemeinsam mit Inspizient Daniel Wermelinger die strittigen Szenen anschaut und dann Stellung bezieht. Zum Abseitstor sagt er: «Wir sind ein Team, wir entscheiden gemeinsam. In der Szene habe ich mich auf meinen Assistenten verlassen.» Zum nicht gegebenen Handspenalty sagt Amhof nichts, dafür zeigt er Grösse im Kommentar zum Foul an Embolo: «Klar, rückblickend gesehen habe ich falsch entschieden. Ich war mir nicht 100 Prozent sicher, dass es Penalty ist, darum habe ich nicht gepfiffen.»

FCB-Trainer Urs Fischer vermied es, die Leistung des Unparteiischen im Detail zu kommentieren. Doch der Satz «Manchmal ist es besser, zu schweigen, heute ist so ein Tag.» liess tief blicken: Fischer war bitter enttäuscht, dass die Aufholjagd seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit nicht belohnt wurde.

Wie das Spiel ohne die Fehler ausgegangen wäre, bleibt reine Spekulation. Fakt ist jedoch, dass der harmlose Auftritt in der ersten Halbzeit einen gewichtigen Anteil hatte daran, dass Rot-Blau zum ersten Mal seit dem 26. April (1:2) wieder zuhause verlor. Phasenweise musste sich das Heimteam dominieren lassen, ein seltenes Bild im St. Jakob-Park. GC kam auf eine Art und Weise zu Torchancen, die Urs Fischer zu denken geben muss. Genauso verwunderte es, dass der FCB nach vorne völlig harmlos blieb.

Dies wurde besser nach dem Seitenwechsel. Basel drückte GC, angefeuert von einem fantastischen Publikum, in die Defensive. Der Lohn war nach einer Stunde das 1:2 von Davide Callà, der am Tag seiner Vertragsverlängerung eine Safari-Vorlage ins leere Tor schob. Und in der 74. Minute das 2:2 durch einen Abstauber von Embolo. Es lag sogar die Basler Führung in der Luft, bis diese jedoch auf der anderen Seite fiel.

Wie schon jene zum 1:0 und 2:0 ein glückliches Tor: Nach Dabburs Schuss aus 20 Metern touchierte der Ball beide Pfosten, ehe er sich doch für den Weg hinter die Linie entschied. Dass sich zu den Schiedsrichter-Fehlern auch noch Pech gesellte, war an diesem Nachmittag sogar für den FC Basel zu viel.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

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