Am 17. Februar wird Athletik-Trainer Till Vogt zum Zuschauen verdammt sein. Sein Schützling, der Snowboardcross-Fahrer Tim Watter, wird an diesem Tag aus dem Start-Gate der Boardercross-Piste an den Olympischen Spielen preschen. Vogt wird dabei machtlos auf seinem Sofa in Allschwil sitzen und seine Daumen drücken. «Gespannt und mit Freude werde ich die Rennen am Fernseher verfolgen», sagt Till Vogt. Auch er leistete seinen Part zur Olympia-Qualifikation: Im Sommer und anfangs Herbst arbeitete er intensiv an der Athletik aller Schweizer Snowboardcrosser.

Die Zusammenarbeit mit Athlet Tim Watter aus Affoltern am Albis geht über die Zusammenzüge mit dem Nationalteam hinaus. Seit über drei Jahren betreut Till Vogt den Snowboardcrosser im Rahmen von «Vogt Training». Der Trainings-Plan wurde seit Beginn auf Sotschi ausgelegt. Aufgrund einer Knie-OP, die Watter letztes Jahr über sich ergehen lassen musste, war die Teilnahme lange unsicher. Nun hat sich der Olympia-Traum des Athleten und des Trainers tatsächlich erfüllt.

In der letzten Vorbereitungsphase kann der Athletik-Trainer auf Altbewährtes zurückgreifen. Dem Vierjahresplan sei Dank: In den ersten zwei Jahren wird experimentiert, im dritten werden die Trainings-Werkzeuge gefestigt und in der Olympia-Saison wird nur noch jenes Werkzeug verwendet, von dem man weiss, dass es funktioniert. «Es ist ein Prozess, in dem Sportler und Trainer lernen, dieselbe Sprache zu sprechen», beschreibt es Fallschirmspringer Vogt.

Olympia-Piste eine Herausforderung

Bescheiden sagt Till Vogt, dass er nur einen kleinen Teil des grossen Puzzles für den Erfolg des Athleten darstellt. «Mein Training bietet nur die Grundlage für schnelles Snowboard-Fahren, die grössten Fortschritte erfolgen auf dem Schnee», sagt der Allschwiler. Das Training eines Boardercrossers ist speziell, da es sich um den Kampf Mann gegen Mann handelt. Demzufolge ist die Stabilität ein essenzieller Punkt im Fähigkeitenkatalog eines Boardercrossers. Für schnelle Starts muss zudem die Muskulatur des Oberkörpers gestärkt werden.

Hinzu kommt, dass die Piste in Sotschi mit 90 Sekunden Fahrzeit eine der längsten im Rennkalender ist. Fahren mit übersäuerten Beinen gehört dazu. Diesen Anforderungen wurde man gerecht: «Mit dem Rudergerät oder der Langhantel wird der Körper vorbelastet und blaue Beine simuliert – anschliessend muss Tim koordinativ höchstanspruchsvolle Parcours durchlaufen», erklärt der Athletik-Coach. Diese Übung muss der 22-Jährige bis zu zehn Mal täglich absolvieren.

Telefondraht nach Sotschi

Während sich Tim Watter in Russland befindet, wird Vogt in telefonischem Kontakt mit seinem Schützling stehen. Wichtig dabei ist, dass der Boardercrosser seinen Körper genau spürt und so die optimalen abschliessenden Einheiten gefunden werden. Da die beiden nun dieselbe Sprache sprechen, wird Watter am 17. Februar in athletischer Höchstform auflaufen. Eine Olympiamedaille, wie unter den Zielen auf Watters Homepage aufgelistet, scheint deshalb kein Ding der Unmöglichkeit.