Der Weichensteller

Für Luca Engler und den RTV Basel stehen wichtige Wochen an. Es geht um nicht weniger als den Verbleib in der Handball-NLA.

Julian Förnbacher
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Es sind düstere Zeiten, die der RTV Basel derzeit durchlebt. In den ersten elf Runden der Handball-NLA kassierten die Basler zehn Niederlagen, sitzen mit lediglich einem Punkt tief im Tabellenkeller. Doch noch ist nicht aller Tage Abend für das Team von Christian Meier. Die Basler empfangen am Samstagabend den TV Endingen zum Kellerduell. Mit einem Sieg könnte man die rote Laterne an die Aargauer übergeben. Eine Woche später folgt das ebenfalls wegweisende Gastspiel bei GC Amicitia Zürich. Gewinnt der RTV diese beiden Spiele, kann er die Abstiegszone verlassen und sogar an den Playoff-Plätzen schnuppern. Verliert er sie jedoch, verdunkeln sich die Wolken.

Die Mannschaft steht am Scheideweg. «Das Spiel gegen Endingen wird enorm wichtig. Wir müssen unbedingt gewinnen, dann könnte sich der Knoten endlich lösen», sagt Luca Engler. Der 26-Jährige Rückraumspieler aus Birsfelden kehrte auf diese Saison hin nach Stationen bei GC Amicitia und Kriens-Luzern nach Basel zurück und soll mit seiner Erfahrung zu einem Gesicht des neuen RTV werden. Jung, hungrig und vor allem regional will sich dieser präsentieren.

Mit der Verpflichtung von Christian Meier, der sich im Nachwuchsbereich ein grosses Renommee erarbeitet hat und mit der Juniorenabteilung der HSG Nordwestschweiz, die bereits mehrfach Schweizer Meister wurde, sind die Voraussetzungen für ein solches Konzept in Basel optimal. Doch momentan läuft es beim Realturnverein aber noch nicht nach Wunsch. «Wir wollen den Handball in Basel auf ein neues Level hieven. Dabei möchte ich eine Rolle spielen», sagt Engler.

Der Hoffnungsträger im Verletzungspech

Als Hoffnungsträger und Königstransfer geholt, ereilte Luca Engler erstmals in seiner Karriere das Verletzungspech. Der Linkshänder brach sich im Februar Mittelhandknochen und Finger, musste operiert werden. Im Juni durfte er zurück ins Training. Zwei Tage später brach er sich das Handgelenk. Statt dem RTV wie gewünscht als Leader zu helfen, läuft Engler seitdem einem Trainingsrückstand hinterher, zudem zwickt plötzlich der Rücken. «Die letzten acht Monate waren schon hart. Manchmal kommt man dann auch etwas ins Grübeln über das Wieso und Warum. Aber ich bin kein Typ, der viel hadert. Die Zeit kann man sowieso nicht zurückdrehen», sagt Engler.

In dieser Saison beisst er auf die Zähne, hat nur ein Spiel verpasst. «Ich kann die Schmerzen ausblenden. Schlimm wird es meistens erst, wenn das Adrenalin nach dem Spiel nachlässt», sagt er. Diese Kämpfermentalität soll ihm und dem Team in diesen wichtigen Wochen helfen, den Blick nach vorne zu richten. Und sie ist auch ein Grund, warum man Engler im Verein so schätzt: «Seine Art auf und neben dem Feld ist einzigartig. Er ist einer der talentiertesten Linkshänder der Region. Wir wollten ihn schon vor fünf Jahren, als er noch in Birsfelden spielte. Jetzt hat es zum Glück geklappt», so RTV-Teammanager Oliver Haevel.

Zwischen Klassenzimmer und Trainingsplatz

Englers Weg führte ihn von seinen Anfängen beim TV Birsfelden durch die Handball-Schweiz und sogar in den Kreis des Nationalteams. «Ich musste für den Handball immer auf viel verzichten. Ich konnte zum Beispiel nie in die Ferien fahren, weil das Training eben vorging. Aber der Sport ist meine Passion. Und es ist ja nicht so, als würde man nichts zurückbekommen», erinnert sich Engler.

Einmal durfte er sich als Belohnung das Nati-Dress überstreifen, spielte an der Seite von Stars wie Andy Schmid. Nun also der Schritt zurück nach Basel. Wobei, als Rückschritt will Engler seinen Wechsel zum abstiegsgefährdeten Club nicht verstehen: «Der RTV ist ein Traditionsverein und ich bin stolz, hier spielen zu dürfen. Zudem half mir der Transfer dabei, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen.»

Tagsüber Klassenlehrer, Abends Handballer

Wie die meisten Schweizer Handballer ist Engler kein Profi. Unlängst schloss er sein Studium ab und unterrichtet jetzt, an der Sek Bäumlihof als Klassenlehrer Mathematik und Sport. «Ich habe zum Start gleich das volle Programm bekommen», scherzt er. Die Arbeit mit den Schülern helfe ihm, auch auf dem Platz in seiner Rolle als Leader und Vorbild zu reifen: «Das erwartet der Trainer auch von mir. Und ich selbst habe auch diesen Anspruch.»

Dem konnte Engler bisher aufgrund seiner Verletzungen noch nicht ganz gerecht werden. «Wenn er komplett fit ist, ist er eine Riesenstütze für uns. Er kann helfen, die knappen Spiele doch noch zu gewinnen», sagt RTV-Goalie André Willimann.

Für den RTV und Luca Engler gilt es nun, die Weichen zu stellen. Der Rückkehrer ist guter Dinge: «Unsere ganz Jungen werden Training für Training besser und lernen, auch in der NLA Verantwortung zu übernehmen. Wir wissen alle, dass wir jetzt liefern müssen, geben 110 Prozent Einsatz und wollen endlich mit dem Punkten anfangen. Denn Verlieren macht schlicht keinen Spass.»