Marcel Koller übernimmt beim FC Basel eine Herkulesaufgabe. International überwintern soll er, Meister werden, Cupsieger. Dazu muss er einen verunsicherten Riesen wieder aufrichten, die Realität wieder in Einklang bringen mit dem Selbstverständnis des Klubs, einem Klub, der sich von seinen Anhängern zuletzt immer mehr entfremdete.

Aber Koller ist 57-jährig, der Mann hat viel gesehen. Als er die österreichische Nationalelf übernahm, hatte sie grosses Potenzial, aber sie litt unter dem Liebesentzug des Volkes. «Wir haben die Menschen wieder ins gleiche Boot holen müssen», sagte er im Herbst 2015 gegenüber der «NZZ». Wie das geht? «Die Leute müssen einen anfassen können, man muss offen sein. Sie müssen sehen, dass wir nicht Stars sind, sondern normale Menschen.»

Der Schweizer Marcel Koller trainierte die Österreichische Nationalmannschaft – gut gelaunt

Der Schweizer Marcel Koller trainierte die Österreichische Nationalmannschaft – gut gelaunt

In Österreich ist ihm dies beispielhaft gelungen. Obschon er zu Beginn mit Kritik überhäuft wurde. Herbert Prohaska, Österreichs fussballerisches Gewissen und Jahrhundertfussballer, sagte nach Kollers Ernennung zum Nationaltrainer: «Da läuft irgendetwas verkehrt. Trainer wie ihn haben wir genügend hier.» Und so tönte es aus allen Ecken.

«Ich bin heute ein Fan von Koller»

Doch Koller gelang es, die Österreicher für sich zu gewinnen. Mit Charme, mit Sturheit, harter Arbeit und der erstmaligen Qualifikation (auf sportlichem Weg) für die Europameisterschaft 2016. Ohne eine einzige Niederlage. Es kam so weit, dass Koller an Österreichs «Galanacht des Sports» mit dem «Special Award» ausgezeichnet wurde. Als erster Nicht-Österreicher. Prohaska hielt die Laudatio, sagte: «Ich bin heute ein Fan von Marcel Koller.»

Wie hat Koller das gemacht? Zweifelsohne mit grossem Fussball-Sachverstand, aber auch in dem er sich nie um Seilschaften im Verband scherte. Koller ging seinen Weg, auch gegen Widerstände. Das wird er auch in Basel tun müssen, wo er auf einen Sportchef trifft, dem zu grosse Nähe zum Team vorgeworfen wird. Und mit Karli Odermatt eine graue Eminenz, die im Hintergrund, durch ihre Nähe zu Präsident Burgener viel Einfluss nehmen soll.

Österreichische Fans singen für Marcel Koller

Den Widerstand der Fans hat er schon zu spüren gekriegt. «Koller, nie eine vo uns», stand am Nachmittag an den Toren des Joggeli. Er wird begrüsst, wie Urs Fischer im Sommer 2015. Wie Fischer ist er Zürcher, nicht FCZ-, sondern GC-Legende. 17 Jahre spielte Koller für die Hoppers.

Aufgewachsen ist er in Schwamendingen als Arbeiterkind. Fussball lernte er auf der Strasse. Jugendfreund Heinz Banz sagte einst gegenüber «SRF»: «Wir kickten noch auf der Schulhauswiese. Wenn dann der Abwart kam, sind wir halt davongerannt und spielten um die Ecke weiter.»

Viel Erfolg, wenig Rückschläge

Koller ist allein durch seine Erfolge (Schweizer Meister mit St. Gallen und GC, Aufstieg in die Bundesliga mit Bochum, EM-Qualifikation mit Österreich) eine Respektsperson. Aber auch er musste Rückschläge einstecken, stieg mit Köln – beim ersten Bundesliga-Engagement – ab.

Zugleich hat er dort einen gewissen Lukas Podolski mit 17 Jahren aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft geholt. Er wird in Basel zeigen können, dass er noch immer ein Händchen für Talente hat, denn auch das wird von ihm erwartet. Der «Wunderwuzzi» (so nannten sie ihn in Österreich) kann zeigen, wieviel Magie in ihm steckt.