Vor wenigen Wochen ist Deutschland im gemischten Teamwettbewerb Europameister geworden. Die Deutschen haben im Endspiel den langjährigen Szenendominator Dänemark gleich mit 3:0 vom Platz gefegt und sich den ersten EM-Titel in dieser Konkurrenz gesichert. Ein Lucky Punch? Nein, viel eher ein Titel mit Symbolcharakter. Ein Symbol dafür, dass die Deutschen, die sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert haben, mit den Umstrukturierungen im Verband die richtigen Massnahmen getroffen haben.

Möglichst für professionelles Niveau

«Wir versuchen, den Jugendlichen so früh wie möglich die Gelegenheit zu geben, auf professionellem Niveau zu trainieren», erklärt Michael Fuchs nach seinem erfolgreichen Achtelfinaleinsatz im Mixed an den Swiss Open. Fuchs gehört zu den besten Doppel- und Mixed-Spielern Europas und ist Teil des Deutschen Goldteams. Der 30-Jährige aus Würzburg konnte in seiner Jugendzeit noch nicht von den neuen Strukturen profitieren. «Der Stützpunkt lag damals sehr weit von meinem Wohnort entfernt und daher trainierte ich in meinem Dorfverein mit einem Trainer, der hundert Prozent arbeitete», blickt Fuchs zurück.

Optimale Bedingungen

Seither hat sich in Deutschland einiges getan. Mehrere Stützpunkte wurden errichtet, in denen die Nachwuchscracks optimale Trainingsbedingungen vorfinden. «Die Stützpunkte werden von Berufstrainern geführt und sind an eine Schule angeschlossen», sagt Fuchs. Die Jugendlichen können so Sport und Ausbildung verbinden und täglich bis zu zwei Trainingseinheiten absolvieren. Die Strategie scheint den gewünschten Erfolg zu bringen, denn die Deutschen Junioren mischen an der internationalen Spitze mit. «Ich glaube, wir sind auf gutem Weg, aber wir versuchen, die Zahl der Stützpunkte weiter zu erhöhen», blickt Fuchs voraus.

Schweiz mit nur einem Stützpunkt

Von vergleichbaren Bedingungen kann die Schweiz nur träumen. Hierzulande gibt es lediglich einen Verbandsstützpunkt in Bern, wo der Badmintonnachwuchs professionell trainieren kann. «Die guten Nachwuchsspieler gehen daher nach Bern und das hat zur Folge, dass die regionalen Vereine ihre Strukturen nicht professionalisieren, weil sie keine Spieler auf dem entsprechenden Niveau haben», erklärt Rémy Matthey, ehemaliger Nationalspieler und zurzeit Trainer bei Uni Basel.

Austausch intensivieren

Er wünscht sich, dass der Austausch zwischen den Verbandstrainern und den Ausbildnern in den Vereinen intensiviert wird, damit vielversprechende Talente auch in ihrer Region bessere Bedingungen vorfinden. «Nicht jeder kann nach Bern ziehen, um Badminton zu spielen», so Matthey. Doch er hält auch fest, dass sich in den letzten Jahren einiges verbessert hat. «Die Früherkennung der Talente ist deutlich besser und es sind viele erfahrene Trainer am Werk.»

Nördlicher Nachbar als Vorbild

Dass die Schweiz mit 15 000 lizenzierten Badmintonspielern nicht gleich viele Topcracks herausbringt wie Deutschland (217 000 Spieler), liegt auf der Hand. Schaffen es die Schweizer aber, ihre Strukturen ähnlich stark zu professionalisieren wie unsere nördlichen Nachbarn, kann in Zukunft vielleicht auch der eine oder andere Eidgenosse in der erweiterten Weltspitze mitmischen.