Super League

Die andere Vorstellung - der FC Basel spielt gegen Lugano nur unentschieden

Die Basler Defensive um Eray Cömert (rechts) bekundet gegen die Luganer Offensive um Christopher Lungoyi grosse Mühe.

Die Basler Defensive um Eray Cömert (rechts) bekundet gegen die Luganer Offensive um Christopher Lungoyi grosse Mühe.

Der FC Basel knüpft nicht an die 5:0-Gala in St. Gallen an, spielt bloss 4:4 gegen Lugano und kann nur noch Zweiter werden.

Maurizio Jacobacci kann kaum mehr aufhören zu reden. Er schwärmt von einem schön anzusehenden Spiel, von seiner Mannschaft, die nie resigniert hat, von der Klasse der gegnerischen Stürmer, aber vor allem auch davon, vier Tore geschossen zu haben. In Basel, beim grossen FCB. Trotz zweier verlorener Punkte ist der Stolz beim Trainer des FC Lugano zu spüren. Es ist kein alltägliches Resultat für die Tessiner beim ehemaligen Serienmeister.

Drei Meter weiter am anderen Ende des Tisches sitzt Marcel Koller. Er würde am liebsten gar nicht reden, so scheint es. «Ich kann es kürzer machen», eröffnet er seine Spielanalyse und bringt es ziemlich kurz und ziemlich deutlich auf den Punkt: «Wenn du zu Hause vier Tore bekommst, dann ist es schwierig, ein Spiel zu gewinnen.» So offensichtlich diese Erkenntnis scheint, so sehr trifft sie dieses 4:4 gegen den FC Lugano im drittletzten Meisterschaftsspiel. Denn es liegt an diesem Nachmittag einzig an der Unkonzentriertheit, ja gar etwas der Nonchalance, in der Defensive, dass die Basler am Ende ihren eigenen Vorstellungen nicht gerecht werden können. Denn diese waren klar: An das Spiel vom Mittwoch gegen St. Gallen anknüpfen, den Espen noch einmal näherrücken und damit Platz zwei streitigmachen in den verbleibenden zwei Partien.

Aber es sind nicht nur andere Vorstellungen, die man vor diesem Spiel hatte. Es ist auch eine andere Vorstellung, die man in diesem Spiel abliefert. Zwar ist der FCB mit vier Toren offensiv einmal mehr spektakulär, Kemal Ademi schnürt erneut ein Doppelpack (zum 1:1 und 3:3), Fabian Frei macht sein bereits zehntes Saisontor (2:1), und Arthur Cab-ral erzielt sein mittlerweile fast schon obligates Tor (4:4). Derweil im Angriff folglich vieles der Vorstellung vom Mittwoch gleicht, liefert die Defensive eine andere Vorstellung ab als vor vier Tagen. Eray Cömert hat seine Aggressivität, Zweikampfstärke und Sicherheit scheinbar im Kybunpark gelassen, die beiden Aussenverteidiger Jasper van der Werff und Elis Isufi strahlen mehr Instabilität aus, als gut ist. Und am Ende streut gar der sonst so starke Omar Alderete einen Fehler ein.

Der Titel ist weg, der zweite Platz in der Ferne

«Es ist eine gewisse Müdigkeit zu spüren», versucht Koller, die defensiven Mängel gerade eines Cömert zu erklären. Der dicht getaktete Spielplan scheint langsam seinen Tribut zu zollen, die Kräfte schwinden, der Kopf wird schwerer, die hundertprozentige Leistungsfähigkeit ist immer weiter weg. So steht auf der Habenseite zwar, dass der FCB drei Mal auf einen Rückstand reagieren kann, nach dem Blitzstart der Luganesi gar das Spiel kurzerhand drehen kann und 2:1 führt. Auf der anderen Seite aber steht nur ein Punkt. Damit büssen die Basler erneut je zwei Punkte auf Leader YB und den Zweiten St. Gallen ein. Die Berner können nicht mehr eingeholt werden, der Meistertitel ist seit gestern rechnerisch nicht mehr möglich. Und um die fünf Punkte vorne liegenden St. Galler einholen zu können, müsste der FCB einerseits die letzten beiden Partien bei Thun und im Joggeli gegen Luzern gewinnen, andererseits aber auch auf Ausrutscher der Espen hoffen. Es sind etwas gar viele Komponenten, die erfüllt werden müssten.

So hat man vielmehr das Gefühl, dass sich der FC Basel langsam, aber sicher damit abfinden muss, dass er diese Saison wohl auf dem dritten Rang beschliessen wird – und damit mindestens einen Platz weiter hinten, als man es sich vorgestellt hatte. Aber beim FCB variieren die Vorstellungen aktuell etwas zu sehr – im Vergleich mit der Realität, aber auch auf dem Rasen.

In den verbleibenden zwei Runden soll nun noch einmal Schwung dafür geholt werden, was danach kommt: das Rückspiel gegen Frankfurt und der Cuphalbfinal. Beide Aufgaben sind nur dann positiv bestreitbar, wenn die FCB-Defensive einen besseren Tag einzieht als gegen Lugano. Wenn nicht, könnte der FCB im Schlussspurt der Saison noch viel mehr verspielen, als er sich vorgestellt hat.

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