Leichtathletik
Die Antworten fehlen noch: Wilson rätselt über seine Leistungen an der EM

Alex Wilson hatte sich für die EM in Zürich einiges vorgenommen, doch der Exploit blieb aus. Über 200 Meter schied er im Halbfinal aus, mit der Staffel erreichte er de unglücklichen 4. Rang.

Jonas Burch
Merken
Drucken
Teilen
Enttäuscht über sich und die Saison: Old-Boys-Sprinter Alex Wilson.

Enttäuscht über sich und die Saison: Old-Boys-Sprinter Alex Wilson.

KEY

Monatelang hatten die Schweizer Leichtathleten auf diesen Event hingearbeitet. Die EM im eigenen Land, vor den eigenen Fans. Jeder hoffte auf einen Exploit, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Auch beim Basler Sprinter Alex Wilson war das nicht anders. Viel hatte er sich vorgenommen, enttäuscht musste er heimreisen – denn der erhofften Finalplatz über 200 Meter blieb aus. Jetzt sucht der Old-Boys-Sprinter mit jamaikanischen Wurzeln nach Antworten. Gefunden hat er bisher erst Ansätze für Erklärungen, dennoch will der 23-Jährige auf keinen Fall nur auf schlechte Erlebnisse zurückblicken:

Das verpasste EM-Ziel: «Ich muss ehrlich zu mir selber sein: Mit meiner Leistung an der EM bin ich nicht zufrieden, ja sehr enttäuscht sogar. Mein Ziel war der Finaleinzug, das habe ich nicht geschafft. Wieso ich nicht meine Top-Leistung abrufen konnte, wenn es darauf ankam, kann ich mir bis heute nicht erklären. Ich war nicht nervös, fühlte mich wohl auf der Bahn. Immerhin konnte ich im Vorlauf meinen Saisonbestwert (Anm. d. Red.: 20,61 Sekunden) aufstellen. Beim Halbfinal lief dann vieles nicht rund und ich konnte keine Schippe mehr drauf legen.»

Erkenntnisse nach der Enttäuschung: «Es ist immer schwierig, vor eigenem Publikum zu laufen. Man stellt andere, höhere Erwartungen an sich selber. Wer weiss, ob es in einem anderen Land besser funktioniert hätte. Was aber der allergrösste Fehler war, ist, dass ich nicht auch über 100 Meter gestartet bin. In Absprache mit meinen Trainern verzichtete ich auf einen Start, um mich noch mehr auf die 200 Meter fokussieren zu können. Spätestens nach der EM wird das nicht mehr passieren – ich will künftig über beide Distanzen starten, weil ich mich bei beiden Disziplinen genau gleich wohlfühle.»

Die Stimmung im Letzigrund: «Natürlich darf man nicht alles Schwarz sehen. Die Stimmung auf den Rängen war unglaublich und wohl etwas vom eindrücklichsten was ich als Sportler erlebt habe. Auch die Atmosphäre unter den Schweizer Leichtathleten war super. Ich habe jedem Athleten den Erfolg gegönnt, denn jeder hat sich intensiv auf diese Momente vorbereitet. Vor allem in der vier Mal 100 Meter Staffel konnten wir beweisen, dass wir auch als Team harmonieren. Leider hats nicht zur Medaille gereicht.»

Nächste Ziele: «Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, denn nächste Woche steht schon Weltklasse Zürich an. Dort will ich wieder angreifen. Zum Saisonabschluss wartet noch die Staffel- und Team-Schweizer-Meisterschaft. Dann geht ein Jahr zu Ende, mit dem ich persönlich nicht zufrieden sein kann. Ich kam irgendwie nie richtig auf Touren. Wieso, muss ich noch herausfinden, aber ich bin zuversichtlich, dass das nächste Jahr sicher besser wird.»