Patricia Schönenberger ist alleine auf weiter Flur. Sie ist die einzige Frau Präsident eines Fussballklubs in der Region – und wohl auch schweizweit eine Ausnahmeerscheinung. «Ich kenne keine andere Frau in diesem Amt», sagt die 46-Jährige denn auch. Neben der prominenten ehemaligen FCB-Präsidentin Gigi Oeri mag sie sich noch an einzelne andere Frauen erinnern, die in der Vergangenheit an der Spitze von Fünftligaklubs standen.

Nicht immer hatte es Schönenberger deshalb zu Beginn einfach. Sie musste sich profilieren, musste sich den Respekt härter erarbeiten, als ein Mann in derselben Funktion. «Am Anfang war es schon hart. Da musste ich einiges an Gegenwind aushalten», sagt sie rückblickend. Doch Schönenberger kam damit klar. «Da hilft einem eine gesunde Portion Selbstvertrauen.» Gestärkt fühlte sie sich auch durch die durchaus positiven Reaktionen auf ihre Wahl an die Spitze des FC Liestal.

Aus Leidenschaft dabei

Schönenberger steht beim Baselbieter Klub 400 Spielern und rund 60 Funktionären vor. Und obwohl sie selber nie Fussball gespielt hat, weil das damals aufgrund der gesellschaftlichen Gepflogenheiten nur sehr schwer machbar gewesen war, erfüllt Schönenberger ihr Amt aus «Leidenschaft zum Fussball», wie sie sagt. «So einfach ist das.» Auch angefangen hat alles ganz einfach: Die mittlerweile erwachsenen Söhne der gebürtigen Bielerin haben als Junioren beim FC Liestal gespielt. «Ich wollte nicht nicht nur vom Klub profitieren, sondern auch etwas zurückgeben.» So kam Schönenberger in den Vorstand des FC Liestal und schliesslich im März 2007 ins Präsidium.

Am Klub hat sich nichts Wesentliches geändert, obwohl er nun bereits im achten Jahr unter der Leitung einer Frau steht. «Eine Frau führt nicht anders als ein Mann – die Wahrnehmung ist anders.» Aber natürlich hat Schönenberger Visionen. Zwei davon sind für sie zentral: Einerseits will sie den Klub dereinst in die 1. Liga führen, andererseits will sie die Ausbildung der Junioren effizienter gestalten und qualitativ stärken. Ersteres ist bislang noch nicht gelungen, Letzteres hingegen wird Schritt für Schritt aufgebaut.

Neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim FC Liestal ist die gelernte kaufmännische Angestellte im Event- und Kommunikationsbereich auf selbstständiger Basis tätig. Und diese Formulierung trifft den Sachverhalt auf den Punkt: Derzeit ist das Präsidentenamt beim FC Liestal nämlich ein 100-Prozent-Pensum. Schönenberger konzentriert sich entsprechend hauptsächlich darauf. «Natürlich ist das im Ehrenamt kräftezehrend. Es macht aber auch unglaublich viel Spass», sagt sie.

Mit Stolz erfüllt

Schönenberger wird sogar etwas mit Stolz erfüllt, wenn sie sieht, wie sich ein ehemaliger Junior zum Stammspieler der ersten Mannschaft entwickelt hat. «Solche Vorgänge zeigen mir, dass ich meinen Job gut gemacht und meine Aufgabe erfüllt habe», sagt sie. Und weil sie sich neben dem Kerngeschäft Fussball als Chefin des Klubs auch noch mit ganz viel Drumherum beschäftigen muss, sind es solche Erlebnisse, die ihr für das Ehrenamt Kraft geben. Deshalb setzt sich Schönenberger auch kein Limit, was ihre Amtsdauer betrifft. «Ich habe noch keinen Plan, wann ich aufhören werde», sagt sie. Trotzdem versucht sie bereits jetzt, ihr Umfeld im Klub möglichst breit aufzustellen, damit, wenn dann der Moment gekommen ist, die Stabsübergabe in geregelten Bahnen möglich ist.