Eishockey

Die Basel Sharks Legende René Nebel ist der Karli Odermatt auf Kufen

Zuweilen bissiger als die Sharks auf dem Eis: René Nebel gehört zu den treusten und kritischsten Begleitern des EHC Basel. dws

Zuweilen bissiger als die Sharks auf dem Eis: René Nebel gehört zu den treusten und kritischsten Begleitern des EHC Basel. dws

Der 86-jährige René Nebel spielte über 20 Jahre für den EHC Basel und besucht nach wie vor jedes Heimspiel. Für die Basel Sharks geht es morgen mit der dritten Playoff-Viertelfinal-Partie gegen Langenthal weiter.

1400 Zuschauer verlieren sich am Sonntagnachmittag zum Playoff-Viertelfinal zwischen den Basel Sharks und dem SC Langenthal in der St. Jakob-Arena. Einer von ihnen ist René Nebel. Er sitzt mit seiner Frau Rita im VIP-Sektor und schaut sich das Treiben auf dem Eis mit gemischten Gefühlen an. «Wenigstens kämpfen hätten sie können», kritisiert er die Leistung der Basler nach der 2:5-Niederlage. René Nebel besitzt seit Jahren eine Saisonkarte, die er aus der eigenen Tasche bezahlt. In anderen Ländern hätte einer mit seinen Verdiensten für den Verein seinen Platz auf Lebzeiten umsonst. «Das ist schon in Ordnung», sagt der 86-Jährige. «Die meisten kennen mich gar nicht. Geschweige wissen sie, was ich gemacht habe.»

Vom Eishockey leben konnte er nie

René Nebel ist eigentlich der Karli Odermatt des Basler Eishockeys. Eine Legende. Nur liegt seine Zeit noch etwas länger zurück. Er spielte zwischen 1942 und 1962 für den EHC, davon vierzehn Saisons ohne Unterbruch. Er stieg mit dem Verein in die Nationalliga B ab, er stieg mit dem Verein wieder auf. Unvergessen unter den älteren Semestern ist das Relegationsspiel 1956 gegen den SC Bern (10:9) vor 11 000 Zuschauer auf der Basler Kunsteisbahn. René Nebel blickt aufs Spielfeld. Die Basler rennen einem Rückstand hinterher und wirken zunehmend rat- und hilflos. «Von hoch bezahlten Löhnen konnte damals keine Rede sein.» Für einen Sieg erhielten er und seine Mannschaftskollegen 20 Franken. «Das reichte, um die Liebste an einem Nachmittag zu Kaffee und Kuchen einzuladen.»

Vom Eishockey konnte man in dieser Zeit nicht leben. Sogar die Allerbesten der Zunft, wie ein Bibi Torriani, gingen einem regulären Beruf nach. René Nebel arbeitete im elterlichen Betrieb, der im Engros-Gemüsehandel tätig war. Er liess sich später zum Kaufmann ausbilden und landete schliesslich in einem Öl-Unternehmen, in dem er es bis in die Geschäftsleitung schaffte und bis zu seiner Pension arbeitete. Später verwaltete er noch die elterlichen Immobilien. Sein Weg zeichnete sich durch eine Konstante aus: Konstanz. Genau das ist es, was er bei den Basel Sharks zuweilen vermisst. «Von den Voraussetzungen her müsste es doch möglich sein, dass in Basel Nationalliga-A-Eishockey gespielt wird.» Er will sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber er fragt sich, ob die Personen in den entsprechenden Positionen genug Sachverstand mitbringen.

Zur Erholung nach Marokko

René Nebel, der sich mit seinen 86 Jahren geistig und körperlich in einer beneidenswerten Verfassung befindet, zeigt ein Bild aus dem Jahr 1948. Ein Mannschaftsfoto nach dem Sieg des EHC Basel in Davos. «Die Meisten weilen leider nicht mehr unter uns.» Die Erinnerungen an einen Emil Handschin oder Hanspeter Miescher sind unvergessen. Mit ihnen erlebte er den Höhepunkt seiner Sportlaufbahn. Am 13. Januar 1956 gab René Nebel seinen Einstand in der Nationalmannschaft. Vor 14 000 Zuschauern lief er in Basel gegen die damals übermächtigen Russen aufs Feld. Es war die süsseste Niederlage seiner Karriere und sie fiel mit 4:7 erst noch knapp aus.

Die Partie in der St. Jakob-Arena ist zu Ende. René Nebel macht sich mit Ehefrau Rita auf dem Heimweg. Was, wenn die Saison in dieser Woche für die Basel Sharks bereits zu Ende geht? Das Paar hat vorgesorgt und im Gegensatz zur Mannschaft den Urlaub bereits gebucht. Die Nebels zieht es an die Sonne, auf eine dreiwöchige Rundreise durch Marokko.

Sharks: «Jetzt ist Stolz gefragt»

Die EHC Basel Sharks stehen vor der morgigen dritten Begegnung im Playoff-Viertelfinal in Langenthal (19.45 Uhr) mit dem Rücken zur Wand: Die Berner haben die ersten beiden Spiele der Serie einerseits in überzeugender Manier, andererseits aber auch mit dem nötigen Glück auf ihrer Seite gewonnen. Basel hingegen ging jeweils nach rund 30 Minuten der Saft (und der Glaube an sich selbst) aus.

Nun lehrt jedoch die Playoff-Geschichte, dass nichts schwieriger ist, als wenn man sich zu sehr in Sicherheit fühlt. Noch kann Langenthal «den Sack nicht zumachen» – wie man so schön sagt, aber das dritte Spiel ist nicht das einfachste einer Serie. Genau das wird Langenthal-Coach Olivier Horak seinem Team immer und immer wieder sagen, auf der andern Seite beschwört Basel-Trainer Dino Stecher die Playoff-Geister und appelliert an den Stolz seiner Spieler. «Es kann nicht sein, dass wir uns dermassen aufgeben», hatte er schon nach der 2. Niederlage am Sonntagabend gesagt.

Daran hält er fest. «Bei uns ist mehr Potenzial vorhanden, als wir bisher bereit waren, zu zeigen.» Er erwarte deshalb von seinem Team, dass «wir über das ganze Spiel eine konstante Leistung bringen und nicht nur während 30 Minuten.» Nach Stefan Mäder und Kevin Kühni fällt mit Nando Wüthrich bereits der dritte Basler (und der zweite Verteidiger) seit Playoff-Beginn aus: Der 22-jährige Emmentaler zog sich einen Innenbandriss am Fuss zu. Fraglich ist auch Sandro Gartmann, während Louis Heinis ein Comeback versuchen wird. Damit stehen den Sharks gerade noch sechs, mehr oder minder «gesunde» Verteidiger zur Verfügung.

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