American Football

Die Basler Gladiatoren haben den wilden Mustang gezähmt

Es ist ein historischer Moment: Die Gladiators entzaubern im American-Football-Spitzenkampf den bisherigen Branchen-Primus Broncos. Deshalb sind die Basler auch am 12. Juli im Swiss-Bowl-Final die favorisierte Mannschaft.

Sechs Jahre lang musste man im Schweizer American Football nicht fragen, wer Meister wird. Man musste nicht einmal fragen, ob die Broncos ein Spiel verlieren würden. Die Dominanz der Bündner Welt-Auswahl war frappant, ja erdrückend. Und das Ensemble, das zu seiner besten Zeit wohl mit einem Budget von gegen einer Million (!) Euros operieren konnte, gewann vor zwei Jahren auch den europäischen Super Bowl und war damit das beste Team auf dem Kontinent.

Zum Favoriten gemausert

Diese Zeiten sind vorbei. Die Broncos sind «irdischer» geworden und die Gladiators haben sich sukzessive gesteigert. Ein Verdienst von Cheftrainer Dwaine Wood, der seit jeher für seinen Sport lebt und in der Region Nordwestschweiz ein Team geformt hat, das heuer in der nationalen Meisterschaft zur «l’équipe à battre» wird. Acht Siege in neun Matches sind ein Zeichen dafür, dass der Titel in diesem Jahr nur über die Gladiators führen kann. «Man darf die Broncos nicht abschreiben. Sie haben sehr gross gewachsene und muskelbepackte Akteure. Wir mussten in den letzten Jahren unsere Spielphilosophie etwas ändern. Und unsere Stärken wie Schnelligkeit, Technik und taktische Flexibilität den Broncos entgegen setzen», so der Amerikaner, der seit über 20 Jahren in der Schweiz lebt.

Einzigartiger Quarterback

Wohl gingen die Gäste früh dank eines Field Goals mit 3:0 in Führung, doch keine vier Minuten später stand es, nach dem ersten Gladiators-Touchdown, bereits 7:3. Den Broncos, die einst ihre Rivalen überrannten und schwindlig spielten, gelang der erste Touchdown gegen Ende des dritten Viertels. Da war das Prestigeduell aber «längst gegessen», wie ein euphorisierter Gladiators-Anhänger (und früherer Spieler) auf der Tribüne sagte.

In Basler-Baselbieter Reihen sah man einen Quarterback (BJ Denker), der seinem Namen alle Ehre macht. «BJ ist einzigartig. Er denkt American Football und sieht die Spielzüge voraus», so Wood über seinen Landsmann. Und mit Evan Harrington (USA) verfügt der Leader der Nationalliga A über einen Running Back, dem gegen die Broncos gleich drei Touchdowns gelangen.

Den Mustang gezähmt

Das finale Skore von 37:21 spricht für sich. Die Gladiatoren waren den Broncos (ein Bronco ist übrigens ein ungezähmter Mustang) in allen Belangen überlegen. Die Broncos galoppierten nicht mehr über das Feld, sondern prallten am neuen Branchenleader ab. Jahrelang hatten die Gladiatoren versucht, die Bündner vom Thron zu stossen. Das war, aufgrund der ungleichen (finanziellen) Möglichkeiten, schlicht utopisch gewesen. Jetzt, wo pro Mannschaft nur drei Importspieler (meist Amerikaner) erlaubt sind, hat sich das Stärkeverhältnis verschoben. Man muss kein Prophet sein, um am 12. Juli in Biel (Stadion Gurzelen) einen Swiss-Bowl-Final zwischen den Gladiators und Broncos zu prophezeien. Doch auch in einem Monat wird sich am Stärkeverhältnis zugunsten der Wood-Equipe nichts mehr ändern.

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