Heute spielt der Schweizer Handballnachwuchs an der Airport Trophy in Kloten gegen Spanien. Für die U20-Auswahl ist es das letzte Vorbereitungsspiel vor den Europameisterschaften, die am 23. Juli in Österreich beginnen. Sowohl in Kloten als auch an den EM wird das Endinger Talent Severin Kaiser fehlen. Der 19-Jährige hat im Januar im Alter von gerade einmal 19 Jahren wegen Unstimmigkeiten mit Nationaltrainer Michael Suter seinen Rücktritt aus der Nachwuchs-Auswahl gegeben (siehe Box).

Severin Kaiser war in der Nati nur selten zum Einsatz gekommen. «Bei nur gerade fünf Minuten Einsatzzeit durfte ich einzig im Angriff spielen», sagt der Flügelspieler. Seine Stärke bei schnellen Gegenstössen konnte er so in der U20 gar nicht erst unter Beweis stellen. Der Trainer habe ihm auch nie erklärt, weshalb er vornehmlich auf der Ersatzbank sitze – weder in den Trainings noch an sonstigen Zusammenzügen.

Die fehlende Kommunikation

Und genau das ist auch der Hauptkritikpunkt für Severins Vater Beat Kaiser: «Trainer Michael Suter kommunizierte nicht mit Severin. So ist die Nachwuchs-Nati für ihn kein sinnvolles Unterfangen», sagt er. In einer Aussprache mit Ingo Meckes, dem Chef Leistungssport des SHV, wurde ihm als Begründung für die anhaltenden Probleme mitgeteilt, dass in der Nachwuchs-Auswahl unter Suter eine bedingungslose Leidensfähigkeit verlangt wird. «Die Jungen werden bewusst hart rangenommen. Da passen sensiblere Spieler wie Severin nicht rein.»

Beat Kaiser zweifelt zudem daran, wie vertretbar Michael Suters Machtfülle ist. Der ehemalige Profi ist neben seinem Amt als Nachwuchs-Nati-Trainer auch noch Trainer des NLB-Teams Kadetten Espoirs und zusätzlich Leiter der Suisse Handball Academy in Schaffhausen. «Damit ist zu viel Macht im Schweizer Handball-Nachwuchs auf einer Person vereinigt», sagt Beat Kaiser. Wenn also ein Spieler nicht mit Suter klar komme, dann könne das seine Chancen auf eine internationale Karriere massiv verkleinern. Trotzdem hofft sein Sohn darauf, dereinst für die A-Nationalmannschaft aufzulaufen. «Es gibt einige Beispiele von Spielern, die erst in der A-Nati im Schweizer Dress debütierten.»

Der Schweizer Handballverband SHV und Nachwuchs-Nati-Trainer Michael Suter wollten sich auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag» nicht weiter zum Fall Kaiser äussern. «Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, nochmals Stellung zu nehmen. Für uns ist diese Geschichte abgeschlossen», sagt SHV-Mediensprecher Marco Ellenberger.

Cordas: «Severin ist bei uns ein Leistungsträger»

Zoltan Cordas bedauert Severin Kaisers Rücktritt aus der U20-Nationalmannschaft. Der Trainer des TV Endingens sieht seinen Schützling in der U20-Auswahl auf seiner Position «im schlechtesten Fall als Nummer zwei» der Nachwuchs-Auswahl. «Allerdings habe nicht ich das zu entscheiden. Ich will mich da nicht einmischen.» Severin Kaiser hat seit seinem Wechsel zum TV Endingen Fortschritte gemacht. «Seine Entwicklung ist positiv. Severin ist bei uns ein absoluter Leistungsträger – ohne Wenn und Aber», sagt Cordas. Mittlerweile stehe der Flügelspieler mit breiter Brust auf dem Spielfeld. «Severin braucht aber die bedingungslose Unterstützung des Trainers, damit er seine Leistung bringen kann.»

Genau dieses Vertrauen des Trainers spürt Severin Kaiser beim TV Endingen – im Gegensatz zur Nachwuchs-Nationalmannschaft. «Im Verein fühle ich mich sehr wohl. Dort darf mir auch einmal ein Fehler passieren, ohne dass ich gleich wieder auf die Bank muss», sagt er. Deshalb war für ihn auch ein Wechsel zurück zu seinem Stammverein TV Birsfelden, der die kommende Saison ebenfalls in der NLB bestreitet, zu keiner Zeit ein Thema. Severin Kaiser gefällt es beim TV Endingen in seiner Rolle als Leistungsträger.