Porträt

Die bewegte Geschichte von Omar Alderete und warum er zum FC Basel kam

«Was mich als Spieler am meisten charakterisiert, ist das Spiel mit dem Ball am Fuss», sagt Omar Alderete über sich.

«Was mich als Spieler am meisten charakterisiert, ist das Spiel mit dem Ball am Fuss», sagt Omar Alderete über sich.

Seit Juni ist Omar Alderete Spieler des FC Basel. Viel weiss man nicht über ihn, dabei wuchs er bei seinem Onkel auf und wechselte dank eines Landsmanns zum FCB.

Es sind genau solche Nächte, für die er nach Basel gekommen ist. Nächte, in denen der FC Basel auf europäischem Parkett brilliert, einen grossen Namen bezwingt, das ganze Stadion singt. «Nights to remember», wie man in Basel sagt. Nächte mit Gänsehaut-Garantie.

Als der Abpfiff zu hören ist, rennt auch er in Richtung all seiner Teamkollegen, um zu feiern. Er, das ist Omar Alderete, 22 Jahre jung, aus Paraguay. Und er hatte auch seinen Anteil daran, dass diese Nacht etwas Spezielles wird. Denn ohne sein Tor im Hinspiel, einem von zwei so wichtigen Auswärtstreffern bei der 2:3-Niederlage gegen PSV Eindhoven, hätte es der FC Basel vielleicht nicht geschafft, sich schon so früh die Teilnahme am europäischen Geschäft zu sichern.

Die Leidenschaft seines verstorbenen Onkels

Dieser Treffer war der erste für ihn im rotblauen Dress, und das im erst zweiten Spiel. Eine gute Quote, insbesondere deshalb, weil Omar Alderete primär fürs Verteidigen verpflichtet wurde. «Ich war früher kein defensiver Spieler, sondern Stürmer. Das wissen viele Leute gar nicht», erzählt er. Mit 15 wurde Alderete in seinem Jugendklub Cerro Porteño umgeschult. Innenverteidiger statt Stürmer.

«Ich habe mich an die neue Position gewöhnt. Sie gefällt mir auch. Ich bin ja immer noch ein Angreifer. Einfach ein Angreifer auf dem Boden», sagt er und lacht. Immer wieder im Gespräch gibt er solche Bemerkungen von sich, mit einer Prise Witz, subtil. Er ist kein Lautsprecher. So präsent er ob seiner Physis – Alderete misst 1,88 Meter – ist, so zurückhaltend ist er, wenn er einem gegenübersitzt.

Er spricht leise, wirkt jünger als seine 22 Jahre. Er trägt Zahnspange, hat ein jugendliches Gesicht. Vom Selbstvertrauen, das bei vielen seiner Teamkollegen sofort spürbar ist, merkt man bei Alderete noch weniger. Zuweilen wirkt er etwas schüchtern. Die glitzernden Ohrringe und sein Style aber verraten, dass er kein normaler 22-Jähriger ist, sondern dass er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und Fussballer ist.

Eine Kindheit ohne Vater

Sein Weg zum Fussball ist jedoch ein trauriger. «Ich wuchs nicht mit meinem Vater auf», sagt er, den Blick auf die Hände weichend, «sondern mit meinem Onkel. Er hat den Fussball geliebt.» Alderete spricht jetzt noch etwas leiser als zuvor. «Er hat mir den Fussball gezeigt, mich herangeführt, dafür gesorgt, dass er mir gefällt. Er ist vor vier Jahren gestorben.» Alderete vermisst seinen Onkel, so sagt er, jeden Tag. Vor den Spielen spricht er ab und zu mit ihm. Oder mit seiner Grossmutter, die vor kurzem ebenfalls verstorben ist.

Alderete ist ein sehr gläubiger Mensch. Das habe er von seinen Grosseltern und seiner Mutter. Diese Gespräche geben ihm Kraft. Kraft, die er sonst aus dem Zusammensein mit seiner Familie zieht. «Die Familie ist das Allerwichtigste für mich. Egal, was ich tue, ich will einfach, dass sie stolz auf mich sind.» Die grosse Distanz, die ihn jetzt von ihnen trennt, sei schwer für ihn, «ehrlich gesagt sogar sehr schwer. Ich denke dann aber immer daran, dass ich auch ihnen damit helfe. Das beruhigt mich.»

Aber seine Familie, vor allem seine achtjährige «Hermanita», wie er seine kleine Schwester nennt, ist das, was Alderete am Meisten fehlt. Wann er sie wieder sieht, weiss er noch nicht. Seine Schwester hat gesundheitliche Probleme, reisen sei damit schwer. «Ohne meine Familie bin ich immer ein bisschen traurig», sagt er. Alderete will alles mit seinen Liebsten teilen. Für ihn gibt es nicht Schöneres, als im Kreis der Familie Tereré zu trinken.

Die Freundschaft mit Landsmann Blas Riveros

Im Moment trinkt er seinen Tereré, ein traditionelles paraguayisches Getränk, nicht mit seinen Grosseltern, seiner Mutter, seiner Schwester oder bei seinem Kind, das vor kurzem auf die Welt gekommen ist, sondern mit Blas Riveros. Die beiden Landsmänner kennen sich seit vergangenem November, als sie sich in der Nachwuchsauswahl Paraguays trafen. «Er ist eine riesige Hilfe. Er hat mich in seinem Haus aufgenommen, bis ich selber etwas finde. Ich fühle mich sehr wohl.»

In Basel auf einen weiteren Paraguayer zu treffen, sei mit ein Grund gewesen, vom argentinischen Klub Huracán in die Schweiz zu wechseln. Es gebe ihm ein kleines Gefühl von Heimat. Auch deshalb ging er nicht nach Mexiko oder Spanien, wo er ebenfalls Angebote hatte. «Als ich wusste, dass ich hierherkommen kann, musste ich mich weder gross überzeugen lassen noch lange nachdenken.» Er habe den Klub schon seit Derlis Gonzalez’ Wechsel nach Basel gekannt, «aber nicht nur deshalb.

Der FC Basel ist ein Klub, auf den viele internationale Vereine schauen. Er hat einen grossen Namen. Nicht zuletzt wegen der Auftritte in der Champions League.» Deshalb sei es für ihn ein sehr grosser Schritt in seiner Karriere, den er habe machen können. Jetzt will er mit dem FCB «um Grosses kämpfen. Das ist hier eine Verpflichtung. Das tut der FC Basel immer.» In dieser Saison auch wieder europäisch. Auch dank Omar Alderete, der «natürlich auch wegen der internationalen Spiele» hierhergekommen ist. Ein erstes, magisches, hat er jetzt erlebt. Es sollen noch viele folgen.

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