Normalerweise sind Lucas und Henri Sturzenegger mit einem 12 Meter langen 26-Tönner unterwegs. Sechs Pferde finden in diesem Riesengefährt Platz. Aber es lässt sich auch ganz ordentlich darin leben und wohnen. Dennoch sind die Sturzeneggers nicht unglücklich, dass sie während des CSI Basel zuhause in Liestal übernachten können. «Die eigenen vier Wände bieten halt doch mehr Komfort, und man kann duschen, so lange man will», sagt Henri, mit 17 Jahren der jüngere der beiden.

Trotz ihres jugendlichen Alters sind die Brüder am CSI Basel schon alte Hasen. Für den 19-jährigen Lucas ist es bereits die vierte Teilnahme, für Henri die dritte. Beide zählen zu den besten Nachwuchsreitern der Schweiz. Lucas gehört dem Nationalkader der Jungen Reiter an, Henri ist im Juniorenkader. Obwohl sie international erprobt sind, ist das Fünfsterne-Turnier in der Heimat ein Anlass, der bei beiden regelmässig für Hühnerhaut-Momente sorgt. «Alleine der Augenblick, in dem sich der Vorhang öffnet und man auf dem Ross die Halle betritt, ist der Wahnsinn», sagt Lucas. Das grelle Scheinwerferlicht und die gefüllten Tribünen haben auch bei der vierten Teilnahme ihren Reiz noch nicht verloren. Dazu kommen die vielen Bekannten und Verwandten auf der Tribüne. «Einfach ein gutes Gefühl», findet Lucas, der Jura-Student im 2. Semester. Auch die Infrastruktur und die Organisation heben sich von den anderen Turnieren ab, ergänzt Henri, der das Gymnasium in Liestal besucht. Zudem schätzen sie den Kontakt mit den anderen Reitern. Ob auf dem Abreitplatz oder im Restaurant, in Basel vermischt sich die Amateur-Szene mit den Besten der Welt.

Anfänge auf der Pony-Ranch

Zum Reitsport sind die Brüder schon im jungen Alter von vier, fünf Jahren gekommen. Erste Berührungspunkte mit den Verbeinern gab es in den Ferien in Südfrankreich auf einer Pony-Ranch. Irgendwie haben die Sturzeneggers das Reiten aber auch im Blut. Die Grosseltern haben geritten, die Eltern Daniel und Ladina ebenso. Doch bevor die Kinder den Sport für sich entdeckten, liessen die Eltern das Hobby für 20 Jahre ruhen. Mittlerweile besitzt die Familie acht eigene Pferde. Der Vater habe sogar sein Motorrad gegen ein Pferd eingetauscht, sagen die Brüder mit einem Lachen. Untergebracht sind die Rösser auf der Anlage der Familie Sprunger in Lausen. Für die Sturzeneggers ist das eine optimale Lösung. Sowohl die Infrastruktur, aber auch das Know-how sind dort vorhanden. «Hans-Ueli Sprunger ist ein erfahrener Trainer», sagt Lucas, «und durch seine Tochter Janika ist die Nähe zum internationalen Reitsport gewährleistet.»

Die Sturzeneggers schauen aber auch, dass sie von den Einflüssen verschiedener Trainer profitieren können. Und natürlich profitieren die Brüder auch voneinander. «Lucas war immer der, der vorgelegt hat», sagt Henri, «das hat mich angespornt. Lange Zeit hatte er eine Vorbildfunktion für mich.» Heute sehen sich die Brüder auf dem gleichen sportlichen Niveau. Unterschiede gibt es trotzdem, vor allem charakterliche. Lucas ist derjenige, der sich über Fehler fürchterlich aufregen kann. Henri sieht das ganze etwas gelassener.

Emotionale Unterstützung

Ein Vorteil der «Bruderschaft» ist auch, dass man sich emotional gegenseitig helfen kann, dass also eine enge Bezugsperson vorhanden ist. «Wir können über Probleme reden und uns gegenseitig verbessern und korrigieren», sagen beide. Der Erfolg gibt den ehrgeizigen Brüdern recht: Lucas hat 2014 einen Nationenpreis in Österreich gewonnen und erreichte an der Schweizer Meisterschaft der Jungen Reiter hinter Bundesrats-Urenkelin Emilie Stampfli den zweiten Platz. Henri wurde 2013 bei den Junioren SM-Zweiter. Beide haben die Ambition, dereinst im Schweizer Elite-Kader Unterschlupf zu finden. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie sich eine berufliche Laufbahn als Anwalt vorstellen können. Auch da hat Lucas mit dem Jus-Studium vorgelegt. Henri kann sich aber auch ein Medizinstudium vorstellen. Mutter Ladina ist Augenärztin. Klar ist, dass neben allen schulischen und beruflichen Anforderungen der Reitsport auch in Zukunft einen wichtigen Platz einnehmen soll. «Es ist ein zeitaufwendiges Hobby, aber irgendwie auch sehr entspannend», sagt Lucas Sturzenegger.