Boxen

Die «Cobra»will sich endlich die europäische Krone aufsetzen

Wartet auf die grosse Chance: Arnold Gjergjaj ist mittlerweile die Nummer 17 Europas. Juri Junkov

Wartet auf die grosse Chance: Arnold Gjergjaj ist mittlerweile die Nummer 17 Europas. Juri Junkov

Der Prattler Arnold Gjergjaj liebäugelt in diesem Jahr mit einem europäischen Titelkampf. Der 29-Jährige hofft auf den sportlichen Knall.

Begegnet man Arnold «The Cobra» Gjergjaj abseits des Rings, reibt man sich verwundert die Augen. Gutmütig, offen und vor allem – bescheiden. «Eine seiner grössten Waffen», sagt auch sein Manager und Trainer Angelo Gallina. Diese Besonnenheit gepaart mit dem furchtlosen, unbändigen Killerinstinkt im Ring, ergibt seit Jahren eine explosive, erfolgreiche Mischung. 23 Kämpfe, 23 Siege, davon 17 durch K. o. Der Prattler geht unbeirrt seinen Weg, auch wenn er wegen seiner letzten Kämpfe oft belächelt wurde. Schwache Gegner, wenig Punkte fürs Ranking, schleppende Karriere-Planung. «Viele denken, wir haben vieles falsch gemacht. Mein Gefühl sagt mir aber, das alles richtig war», spürt Gallina, der im Boxclub Basel dreimal pro Woche mit Gjergjaj trainiert.

So gut wie kein Schweizer zuvor

Die aktuelle Statistik untermauert diese Aussage. Als Nummer 17 in Europa und Nummer 59 der Welt ist der 29-Jährige so gut platziert wie kein Schwergewicht in der Schweizer Box-Historie. Anfang 2013 war der Baselbieter noch fernab der Top 100 klassiert. «Kein Boxer hat sich auf einen Schlag bekannt gemacht. Alles geht Schritt für Schritt voran, bis irgendwann der grosse Knall kommt», weiss Gjergjaj.

Die Grossen wissen Bescheid

Ein Knall, der sich immer mehr abzeichnet. Dereck Chisora (kämpfte im Februar 2012 gegen Vitali Klitschko um den WBC-Titel) deponierte in den letzten Monaten mehrfach sein Interesse an einem Kampf. Auch andere Boxer wie Robert Helenius (Nummer 5 des Welt-Rankings) oder Odlanier Solis (Nummer 11) sehen in Gjergjaj einen attraktiven Gegner – unter anderem weil er noch nie verloren hat. Trotz allen Interessenten wählt Gjergjaj seine Gegner mit Bedacht aus, verzichtete wegen leichter Verletzungen oder zu knappen Vorbereitungsphasen auf Schnellschüsse.

Anders als bei anderen Sportarten kann das Renommee eines Boxers – wortwörtlich – mit einem Schlag zu Ende sein. «Es braucht noch zwei, drei Gegner, bis ich bereit für einen Titelkampf bin», sagt Gjergjaj. In diesem Jahr soll es nun so weit sein. Am 15. März steigt die Kobra wieder in den Ring. Der Gegner ist noch nicht definiert. Überhaupt hängt die gesamte Saisonplanung von mehreren Faktoren ab. Dabei spielt Geld einmal mehr eine entscheidende Rolle. «Wären wir finanziell saniert, hätten wir deutlich mehr Spielraum für die Planung. Für alle Kämpfe kommen wir jeweils selber auf, gleichzeitig verlangen viele Gegner Summen, die wir niemals stemmen können», stellt Gallina klar.

So einen wird es in den nächsten 50 Jahren nicht mehr geben

Am Ziel – einem möglichen europäischen Titelkampf – hält das Duo weiter fest. «Einen Boxer wie Arnold wird es in den nächsten 50 Jahren nicht mehr geben», schwärmt Gallina. Diese Ausgangslage will man nicht aufs Spiel setzen. Vieles steht und fällt nun mit den nächsten Kämpfen. Der Fahrplan ist jedenfalls besser als erwartet – ursprünglich war der Vorstoss in Europas Top 20 erst Ende 2014 geplant. «Es läuft gut zurzeit», sagt Gjergjaj. Und zeigt damit nochmals seine grösste Waffe.

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