FC Basel
Die Demontage des FC Zürich zeigt: Die Super League ist eine Zweiklassengesellschaft

Der FC Basel gewinnt den letzten Klassiker der Saison mit 3:0 gegen einen harmlosen FCZ. Damit hat der FCB jetzt mehr Punkte als beide Zürcher Vereine zusammen, aber immer noch 20 Punkte Rückstand auf YB.

Céline Feller
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Zürichs Torhüter Yanick Brecher (M.) versucht sein Team anzufeuern – kurz darauf schiesst Ajeti das 3:0 für den FC Basel.
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Ricky van Wolfswinkel nervt sich über eine vergebene Chance.
Carlos Zambrano behauptet den Ball gegen Zürichs Ceesay.
Silvan Widmer (l.) versucht sich an Levan Kharabadze (r.) vorbeizudrängen.
Ricky van Wolfswinkel wird von seinen Mitspielern für das zweite Tor gefeiert.
Silvan Widmer (vorne) ist vor Levan Kharabadze (hinten) am Ball.
Super League, FC Basel - FC Zürich (4.5.19)
Carlos Zambrano (l.) erzielt das 1:0 für den FC Basel mit dem Kopf.
Jonas Omlin muss mit ansehen, wie seine Vordermänner den Ball neben das Tor setzen.
Der Torschütze zum 2:0, Ricky van Wolfswinkel, nimmt die Gratulationen seiner Mitspieler auf seine Art entgegen.
Basels Trainerteam Carlos Bernegger (l.) und Marcel Koller (r.) verfolgen das nasskalte Spiel geschützt durch das Dach der Spielerbank.
Marco Schönbächler (r.) drückt ab, ein Tor schiesst er damit aber nicht.
Blas Riveros (l.) versucht Stephan Odey (r.) den Ball abzuluchsen.
Kevin Rüegg (l.) und Taulant Xhaka (r.) tasten sich gegenseitig ab.
Es ist kalt in Basel, viele Spieler tragen Handschuhe.

Zürichs Torhüter Yanick Brecher (M.) versucht sein Team anzufeuern – kurz darauf schiesst Ajeti das 3:0 für den FC Basel.

Keystone

Die Vorzeichen sind gut. Es ist der Klassiker. FC Basel gegen FC Zürich. Dieses Traditionsduell im Schweizer Fussball. Das zweite innerhalb von eineinhalb Wochen. Die Zürcher wollen sich für diese 1:3-Niederlage im Cuphalbfinal, die angesichts der guten Leistung der Zürcher zu hoch ausgefallen war, revanchieren. Sie wollen an das Gezeigte aus dem letzten Duell dieser beiden Teams anknüpfen, sich erneut auf Augenhöhe mit dem FC Basel präsentieren.

Aber es kommt anders. Ganz anders. Dieser Klassiker entwickelt sich nicht zu einem attraktiven Spiel zweier rivalisierender Teams, sondern eher zu einer Zweiklassengesellschaft. Der FCZ hat nie eine Chance, während der FCB den Gegner regelrecht aus dem Stadion schiessen könnte, wie auch Marcel Koller findet: «Wir hätten den FC Zürich mit unseren Chancen am Ende noch abschiessen und höher gewinnen können.» Dass der FCB dies nicht tut, ist lediglich der mangelhaften Präzision geschuldet. Aber von Anfang an.

Dank Steigerungslauf zum 3:0

Der erste Durchgang hat nicht den erwärmenden Charakter, den man sich an diesem eiskalten Maiabend wünscht. Zwar hat der FCB zwei hundertprozentige Chancen durch Valentin Stocker und Ricky van Wolfswinkel, aber er hat auch extreme Mühe, aus der Harmlosigkeit der Zürcher Profit zu ziehen. «In der ersten Halbzeit hat mir nicht gefallen, dass wir zu wenig griffig waren. Wir haben uns zu wenig bewegt, waren zu weit auseinander. Das haben wir angesprochen in der Pause», erklärt Koller.

Die Korrekturen in der Pause fruchten. Denn während der FCZ sich nicht steigern kann, wird der FCB von Minute zu Minute besser. Dennoch ist es ein ruhender Ball, der den Knopf lösen muss. In der 49. Minute schraubt sich Carlos Zambrano nach einer Ecke am höchsten in die Luft und nickt am nahen Pfosten ein. «Wir können nicht bestreiten, dass uns das Tor durch einen stehenden Ball sehr geholfen hat. Nachher haben wir phasenweise sehr gut gespielt», analysiert Stocker nach Spielschluss.

Tatsächlich ist das erste Tor eine Befreiung für die Basler, die danach sehenswerten, unterhaltsamen Fussball zeigen. Das zweite Tor durch van Wolfswinkel auf wunderschönes Zuspiel des gross aufspielenden Stockers ist eine Augenweide. «Dieses Tor war sinnbildlich für unser gutes Spiel», meint Stocker. Denn: «Da spielen wir genau und präzise in der Offensive.» Etwas, was in der Nachspielzeit auch noch zum 3:0 durch den eingewechselten Albian Ajeti führt. Die Basler zeigen damit in einem Spiel, in dem es für sie um nichts mehr geht, dass sie die Spannung vor dem Cupfinal sehr hoch halten können. Oder in Kollers Worten: «Die Spieler sind heiss und hungrig. Das haben sie in der zweiten Halbzeit eindrücklich gezeigt.»

Die Serie geht weiter

Es ist ein Spiel fürs Selbstvertrauen und die Statistik, die im Kalenderjahr 2019 noch immer keine Basler Niederlage aufweist. Natürlich ist es an diesem Abend einer durchs Band starken Leistung des FCB zu verdanken. Aber auch einem an Harmlosigkeit kaum übertreffbaren FCZ. «Nach vorne war es natürlich sehr mager. In der Mitte hatten wir ein paar Löcher, da ist ein holländischer Edamer nichts dagegen», fasste es FCZ-Assistenz René van Eck in Vertretung des gesperrten Ludovic Magnin treffend und mit beibehaltenem Humor zusammen. Während der FCZ also immer näher in Richtung Barrageplatz abrutscht, ist der FCB in Fahrt. Und sind die Vorzeichen weiterhin gut. Für das Duell gegen YB nächste Woche. Und für den Cupfinal eine Woche später.

Die Noten zum Spiel:

Jonas Omlin: Note 5, Einen einzigen Schuss der Zürcher muss er parieren, ansonsten ist er an diesem eiskalten Abend nur damit beschäftigt, nicht zu erfrieren.
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Silvan Widmer: Note 5 So viele Offensivräume hat er noch nie vorgefunden. Gute Leistung, der die Krönung durch ein Tor nur knapp verwehrt bleibt.
Carlos Zambrano: Note 5,5 Ein Zambrano in dieser Verfassung ist unverzichtbar. Defensiv unüberwindbar und vorne gar noch mit seinem ersten FCB-Tor. Ganz starke Partie.
Marek Suchy: Note 5 Viel hat er ob der schwachen Zürcher Defensive und des starken Nebenmanns nicht zu tun. Dennoch hellwach und immer dort, wo er sein muss.
Blas Riveros: Note 4,5 Sorgt auf seiner Seite für Speed, aber auch dafür, dass ein harmloses Zürich ab und an zumindest in die Nähe des Basler Tores kommt.
Fabian Frei: Note 4 Obschon er verhältnismässig viele Standards schlagen darf, ist sein Auftritt sehr diskret. Weicht folgerichtig in der 73. Minute Eder Balanta.
Taulant Xhaka: Note 4,5 Gegen ein löchriges FCZ-Zentrum bekundet er keine Probleme. Nutzt die Räume etwas zu wenig und steckt ausnahmsweise mehr ein, als er austeilt.
Kevin Bua: Note 4 Bei seiner besten Szene startet er dummerweise aus dem Offside. Seine Flanken sind gut, selber kommt er aber zu selten gefährlich in den Abschluss.
Luca Zuffi: Note 4,5 Seine Standards sind eine Waffe. So auch sein Eckball vor dem 1:0 Zambranos. Sonst überlässt er die grossen Szenen den anderen Akteuren.
Valentin Stocker: Note 5,5 Koller lobt ihn verdientermassen als besten Offensivmann. Könnte noch mehr als zwei Assists verbuchen, wenn die Kollegen genauer zielen würden.
Ricky van Wolfswinkel: Note 4,5 So abgeklärt er in der 66. trifft, so peinlich schiebt er den Ball in der 83. am Tor vorbei. Muss mit seinen zahlreichen Chancen mehr Tore machen.
Eder Balanta: keine Note Ersetzt in der 73. Frei im defensiven Mittelfeld und gibt damit sein Comeback. Ist zu kurz im Einsatz für eine Bewertung, für eine gelbe Karte reicht es aber.
Edon Zhegrova: keine Note Kommt in der 76. für Bua ins Spiel und nur eine Zeigerumdrehung später zu einer riesigen Chance. Verwertet diese nicht und ist zu kurz im Einsatz.
Albian Ajeti: keine Note Wird in der 84. für van Wolfswinkel eingewechselt. Verschenkt in der 91. erst eine Grosschance, um in der 93. doch noch zum 3:0 zu treffen.

Jonas Omlin: Note 5, Einen einzigen Schuss der Zürcher muss er parieren, ansonsten ist er an diesem eiskalten Abend nur damit beschäftigt, nicht zu erfrieren.

ho