Die „Wings“ spielen länger, vor allem ununterbrochen, in der Nationalliga A als Neuchâtel. Union war beim damaligen Aufstieg der Birstal Starwings im Sommer 2005 eine fixe Lan­desgrösse, verabschiedete sich dann aber wegen internen Dissonanzen für vier Jahre ins Unterhaus (Nationalliga B).

Seit sechs Jahren jedoch ist der Traditionsclub vom Neuenburgersee eine fixe Grösse und hat zwar keinen Titel, aber einen Cupfinal und zweimal die Halbfinal-Playoffs erreicht. Und ist für seinen Aktivismus bekannt, teils berüchtigt. Anfangs Jahr wurde, unerwartet, Chef­trainer Vladimir Ruzicic  entlassen. Nachfolger des Serben wurde der Kroate Niksa Bavce­vic, der auch die belgische Staatsbürgerschaft besitzt. Und in der letzten Saison mit dem BBC Monthey Schweizer Meister wurde – und zugleich auch armenischer Nationaltrainer ist. Bei den Osteuropäern spielt übrigens ein gewisser Allyn Hess, der seit seinem Nasen­beinbruch vor einer Woche mit einer Spezialmaske spielt. Diese nimmt ihn nicht die Sicht, ist aber sicher hinderlich. Dennoch war der smarte Starwings-Amerikaner einer der auffäl­ligsten, weil besten Akteure auf dem Parkett.  

Fast in der NBA gelandet...

Schon vor der Trainer-Rotation hatte Union für Schlagzeilen in der kleinen Schweizer Bas­ket-Welt gesorgt. Am 7. Dezember 2017 gab der Neuchâtel die Verpflich­tung von Milovan Rakovic (32, 209 cm ) bekannt. Der serbische Center (siehe Foto) wurde 2007 von der NBA (präziser von den Dallas Mavericks) gedraftet. Danach übernahmen die Orlando Ma­gics die Rechte – und auch heuer ist Rakovic weiterhin ein „NBA-Spieler“, denn die Chica­go Bulls sind sein „Besitzer“. Gespielt hat der Center in den allerhöchsten Ligen von Euro­pa und stets bei Topklubs – in Russland bei St. Petersburg,  in der spanischen ACB bei Bilbao uund Joventut Badalona sowie vor allem in Italien, wo er beim früheren Serienmeis­ter Montepaschi Siena Jahr für Jahr Titel in hamsterte. Im Mai 2011 stand Rakovic sogar im Final Four der vier besten europäischen Vereine, wo er mit Siena im Match gegen Real Madrid (um Rang 3 brillierte. Auch im Halbfinale, gegen den späte­ren Final-Four-Gewinner Panathinaikos Athen, hatte Rakovic unter den Körben „gewütet“...

Milovan Rakovic

Milovan Rakovic

Das tat Rakovic gegen das Birstaler Kombinat nicht. Obwohl seine Physis beeindruckend und sein Kampfgewicht ordentlich (125 Kilogramm) sind. Sein Blick ist auch „gfürch­tig“, doch Björn Schoo und Nemanja Calasan, die nie von der NBA gedraftet wurden, wa­ren dem Serben überlegen.

Bankspieler entschied

Die Gäste aus dem Unterbaselbiet liessen sich nie abschütteln, obwohl die Romands als 6. Mann einen starken US-Profi und als 7. Akteur den späteren Topskorer Bryan Colon (er war zuletzt jener Mann, der den Match entschied) einsetzen konnten. Mikaël Maruotto, einst in Genf und Lugano Meister und im Stammquintett, hat bei Neuchâtel nur noch eine marginale Rolle. Aber er gibt dem Team viel Breite – und so kann der neue Trainer munter rotieren, den Rhythmus hochhalten und müde Akteure durch frische Kräfte ersetzen, ohne dass das Bavcevic-Team an Substanz verliert.

Bei den Starwings spielte Robert Devcic über 20 Minuten – und war der personifizierte Kampfgeist. Alexis Herrmann agierte nach seiner monatelangen Verletzung auch während 20 Minuten – und gefiel mit guter Defense und zusätzlich mit einer superben Wurfquote. Es sind Akteure, die zu 100 Prozent arbeiten – und Devcic hat mehr in der 1. Liga als in der Nationalliga A gespielt. Es ist zwar nur eine These – aber ein komplettes Starwings hätte gegen Neuchâtel eine sehr realistische Siegeschance gehabt. Und wenn man be­denkt, dass der Luxuszuzug na­mens Rakovic, der nicht nötig war, wohl soviel kostet wie das ganze Starwings-Kader zusammen, darf, muss, ja soll man sich hinterfragen.

Schade aber, dass man in dieser Saison^2017/18 wohl nie ein komplettes Starwings se­hen wird. Die Equipe, ausgewogen zusammengestellt und mit Akteuren, die enorme Fort­schritte gemacht haben, wäre wohl mehr als nur ein Spielverderber. Dass ein Schlüssel­spieler (Babic) nicht temporär ersetzt werden kann… „damit muss ich einfach leben und das Bes­te daraus machen“, so Cheftrainer Roland Pavloski. Es tönt manchmal wie ein Mix aus Verzweiflung und Resignation, wenn der Birsfelder sieht, welche Möglichkeiten andere Klubs haben. Und daraus gar wenig machen. Aber für moralische Siege, wie gestern Abend in Neuchâtel, gibt es in der Tabelle keine Punkte.