Es gab sicher schon ungemütlichere Tage als der gestrige für die Spieler des FC Basel: Sonnenschein, wolkenloser Himmel, ein kühles Lüftchen und angenehme 19 Grad. Dazu die hervorragenden Rasenplätze im «Marbella Football Center», die Jahr für Jahr in den Wintermonaten für zahlreiche Mannschaften aus ganz Europa hergerichtet werden. «Es gibt nichts zu bemäkeln. Die Jungs haben sichtbar Freude am Training», sagt Trainer Murat Yakin.

Das Drumherum ist denn auch die perfekte Voraussetzung, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. «Wir wollen den nächsten Schritt machen», sagt Yakin und meint damit, künftig im Angriffsspiel unberechenbarer für die Gegner zu werden. Gegner, für die es bei Gastspielen im St. Jakob-Park zur Gewohnheit geworden ist, sich vor dem eigenen Strafraum einzuigeln.

Es ist also die Offensive, auf die Yakin in seinem zweiten Wintertrainingslager als FCB-Trainer das Hauptaugenmerk legt. Vor einem Jahr noch ging es dem früheren Innenverteidiger darum, die Abwehr zu stabilisieren, was sich denn auch in einer beispiellosen Serie von elf Heimspielen ohne Gegentor schnell bemerkbar machte. Das ist heuer anders, und darum stellt Yakin schon am zweiten von zehn Tagen an der spanischen Costa del Sol klar: «Die Dreierkette ist kein Thema.» Das habe nichts mit dem verletzungsbedingten Fehlen von Fabian Schär zu tun (die bz berichtete), sondern mit dem Entwicklungsstand der Mannschaft. Yakins Liebe zum Modell mit drei Innenverteidigern und fünf Aufbauern ist zwar nicht erloschen, doch er sagt: «Erst einmal müssen wir offensiv flexibler und effizienter werden.» Den Beweis lieferte das gestrige Nachmittagstraining: Keine Übung, die nicht den Torabschluss beinhaltete.

Überraschungsbesuch für Delgado

26 Feldspieler und drei Goalies sind nach Marbella gereist. Bis zum Rückrundenauftakt am 2. Februar in Lausanne wird sich das Kader jedoch verkleinern. Neben Simon Dünki, Musa Araz und Breel-Donald Embolo, die die zweite Saisonhälfte in ihren Juniorenteams bestreiten werden, gibt es weitere Ausscheidungskandidaten: Etwa Stephan Andrist, der auch seine zweite Chance beim FCB nicht nutzen konnte und dessen auslaufender Vertrag wohl kaum verlängert wird. Möglich, dass er in den nächsten Tagen zwecks Spielpraxis ausgeliehen wird. Ähnliches gilt für Endogan Adili, der gestern wegen eines Schlages auf die rechte Wade frühzeitig ins Hotel zurückkehrte. Vor einem Jahr kam er von GC zum FCB, um die Karriere neu zu lancieren. Gespielt hat er hauptsächlich in der U21. «Wir machen uns jetzt erstmals ein Bild von den Spielern, alles Weitere steht in den Sternen», sagt Yakin.

Apropos Sterne: Nach denen will im Frühling endlich auch Matias Delgado greifen. «Die Vorbereitung ist sehr wichtig für ihn. Er muss hier die Basis legen, damit er bald eine wichtige Rolle spielen kann», so Yakin. Die Laune des Argentiniers war gestern nicht nur wegen des Wetters gut: Delgado erhielt überraschend Besuch von Bernd Schuster, seinem früheren Trainer bei Besiktas Istanbul. Schuster, einst genialer Spielmacher in Diensten von Real Madrid und dem FC Barcelona, glaubt an die Basler Nummer 10: «Es wird schwierig, aber mit seinen grandiosen Qualitäten wird er sich noch einmal durchsetzen.»