Orientierungslauf

Die Dynamik wirkt bis Skandinavien

Der Massenstart zur prestigeträchtigen Traditionsstaffel Jukola.

Der Massenstart zur prestigeträchtigen Traditionsstaffel Jukola.

Bestmarke an einer finnischen Prestige-Staffel, Staffel-Gold in der Schweiz, Jugend-EM-Silber – die Orientierungsläufer der Region trumpfen momentan gross auf.

Die Schweizer Orientierungsläufer sind erfolgsverwöhnt – so sehr, dass an internationalen Meisterschaften primär die Goldmedaillen gezählt werden. Dahinter steht eine Struktur, die in praktisch sämtlichen Regionen der Schweiz Talente in Klubs, über Regional- und Nationalkader effizient fördert – läuferisch, technisch, mental.

Und in diesem Bereich hat sich die Region Nordwestschweiz besonders profiliert. Das kommt nicht von ungefähr. Als so etwas wie die Initialzündung in der Region lassen sich die Erfolge von Fabian Hertner bezeichnen: dessen Junioren-Weltmeistertitel 2005, Elite-WM-Silber 2009 und der Europameistertitel 2010. Daraus entstanden ist eine Dynamik in der Region, die bis heute anhält und die gerade in den letzten Wochen erstaunliche Resultate ermöglichte.

Etwa die neue Bestmarke an der Jukola, der Traditionsstaffel – sie besteht seit 1949 – in Finnland. Besser klassiert sein als alle bisherigen nicht-skandinavischen Equipen war das Ziel der OLV Baselland. «Die Basis war nicht viel mehr, als 1+1 zusammenzuzählen», sagt Initiator Stefan Lombriser und verweist auf die Qualität und die Dichte der Nordwestschweizer OL-Spezialisten.

Projekt mit Eigendynamik

Mit Rang 21 erfüllte Team 1 die Vorgabe souverän – auch dank der Nominationen, welche in Testläufen ermittelt wurden. Lombriser, Sebastian Hägler, Kaspar Hägler, Matthias Leonhardt, Christoph Meier, Anders Holmberg und Fabian Hertner bildeten das Erfolgsseptett an diesem Wettkampf mit dem grössten Massenstart der OL-Geschichte – 1800 Männer- und 1400 Frauenstaffeln hatten teilgenommen.

Mit dem Commitment der Topläufer Hertner und Holmberg für ihren Heimklub und nicht den skandinavischen anzutreten, liess sich früh auf die Erfolgsspur einbiegen. Ausgelöst hatte das Jukola-Projekt zudem eine Eigendynamik. So viele Nordwestschweizer zeigten Interesse, dass zwei Teams gebildet wurden und auch fast drei möglich gewesen wären. Eigens zur Vorbereitung dieses Events hielten die Involvierten ein Trainingslager in Finnland ab.

Ergänzen lässt sich das starke Abschneiden an der Jukola mit dem Triumph an der Schweizer Staffel-Meisterschaft vom vergangenen Wochenende. Das Trio Meier, Kaspar Hägler und Hertner setzte sich vor OL Regio Wil mit den beiden Hubmann-Brüdern durch. Und das, obwohl mit Sebastian Hägler ein eigentlicher Leistungsträger fehlte.

Hochgelegte Latte

Der 29-Jährige – er gab vor vier Jahren seinen Rücktritt aus dem Nationalkader – stand als Schweizer Delegationsleiter der Jugend-EM in Rumänien im Einsatz. Und gerade dort zeigte sich, dass es an talentiertem Nachwuchs auch aus der Region nicht mangelt. Der 16-jährigen Chamuel Zbinden (Münchenstein) gewann Silber.

Die Wahrnehmung in der breiten Öffentlichkeit aber ist vielfach eine ganz andere. Thematisiert worden ist nämlich beispielsweise gerade in dieser Zeitung zuletzt ein Hägler-Erfolg, aber nicht im OL: jener von Neo-Nationalkaderläufer Kaspar beim Lupsiger Lauf. Vater Thomas Hägler schmunzelt: «Dank der Grosserfolge von Simone Niggli, Daniel Hubmann, Matthias Kyburz usw, wird in den Medien OL-Läufern fast ausschliesslich bei Titelgewinnen an den grossen internationalen Meisterschaften Platz eingeräumt – es sein denn, sie profilierten sich als Langstrecken-, Berg- oder Crossläufer.»

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