Bundesliga

Die Erfolgswelle des viertplatzierten SC Freiburg: Kein Märchen

Überraschend noch immer ein Freiburger und eines der Gesichter des starken SC-Saisonstarts: Luca Waldschmidt, Neo-Nationalspieler und bereits dreifacher Torschütze in der noch jungen Saison.

Der aktuelle Höhenflug des SC Freiburg in der Bundesliga ist kein Wunder – sondern eine wohlverdiente Momentaufnahme. Am Wochenende wird der SC Freiburg vom FC Augsburg geprüft.

Magier, Kobolde, Zwerge und Schneewittchen. Der Schwarzwald ist mit seinen endlosen Kiefernhainen, verwunschenen Schlösschen und schaurigen Ruinen seit je her der Schauplatz manch einer Märchengeschichte.

Was sich an der Pforte zum Schwarzwald momentan rund um den SC Freiburg abspielt, entstammt allerdings keinesfalls der Feder der Brüder Grimm, obwohl auf den ersten Blick vieles wie im Märchen scheint: In der letzten Saison vor dem Abriss des altehrwürdigen Schwarzwald-Stadions schockiert der ewige Underdog zu Beginn der Saison die Liga. Nach vier Spieltagen stehen die Freiburger statt wie erwartet im Tabellenkeller plötzlich auf dem dritten Rang – und damit sogar vor Ligakrösus Bayern München.

Der Ursprung: Ein ruhiger Transfersommer

Der Freiburger Senkrechtstart – ein Fussballwunder? Nein. Vielmehr gibt es mehrere gute Gründe für den Aufschwung. Am Ursprung steht ein ruhiger Transfersommer. Anders als üblich konnte die sportliche Leitung einen Ausverkauf verhindern.

Stattdessen verstärkte sich der Sportclub gezielt, schloss etwa mit dem Zuzug des koreanischen Youngsters Woo-Yeong Jeong eine strategische Lücke in der Offensive. Überraschend konnte zudem Neo-Nationalspieler Luca Waldschmidt gehalten werden. Der 23-Jährige ist mit seinen drei Saisontoren eines der Gesichter des geglückten Saisonstarts.

Andere sind Rückkehrer wie Jonathan Schmid und Vincenzo Grifo oder Urgesteine wie Nils Petersen. Statt wie üblich unter Personalnotstand zu leiden, verfügt Trainer Christian Streich plötzlich über ein breites Kader und eine kompetitive Bank. Das macht den SCF variantenreicher als in der Vorsaison.

Höhenflug ist eine Momentaufnahme 

Man kann es sich plötzlich leisten, die Juwelen zu schonen, statt sie in jedem Spiel verbraten zu müssen: So zuletzt geschehen in Hoffenheim, als Waldschmidt erst in der Schlussphase eingewechselt wird. Das Kollektiv springt in die Bresche und zeigt beim fulminanten 3:0-Erfolg die stärkste Saisonleistung. Freiburg schwebt auf Wolke Sieben.

Grassieren im Breisgau nun statt Abstiegsängsten auf einmal Europa-Träume? Mitnichten. Denn der Höhenflug dürfte eher eine Momentaufnahme als der Auftakt einer Märchen-Saison sein. «Ein Fingerzeig ist es dann, wenn wir mal fünf, sechs, sieben Spiele nicht gewinnen. Das kommt meistens bei uns, ich habe da gewisse Erfahrung», schätzte Kulttrainer Streich den Traumstart seiner Mannschaft nach dem Hoffenheim-Spiel in gewohnt humoristisch-räsonierter Weise ein und ergänzt: «Die Tabelle interessiert mich null, mich interessieren nur die Punkte.»

Das SCF-Credo: Kontinuität und Demut

Der 54-Jährige aus Weil am Rhein, der in seine 24. Saison im Trainerstab des SCF steigt, hat schon zu viel miterlebt, um ob drei Siegen aus vier Spielen in blinden Optimismus zu verfallen und dabei das Freiburger Credo über den Haufen zu werfen: Kontinuität und Demut.

Werte, durch die sich der Verein mit beschaulichen Mitteln Jahr für Jahr im Oberhaus behaupten kann. Fast wie im Märchen eben. Die stoische Kontinuität, die den Verein in Krisen- wie Erfolgszeiten umgibt, wird in ganz Deutschland bewundert. Bestes Beispiel: Präsident Fritz Keller ist Wunschkandidat für die Nachfolge an der Spitze des DFB.

Nun wartet mit dem FC Augsburg mit seiner Schweizer Delegation und dem Ex-Basler Marek Suchy, der nach schwachem Saisonstart seinen Stammplatz verloren hat, die nächste Prüfung. Durchaus möglich, dass der Ritt auf der Erfolgswelle weitergeht. Doch früher oder später wird die Realität wieder Einzug halten im Schwarzwald.

Grosse Kaliber blieben noch aus

Denn anders als im Märchen ist beim SCF längst nicht alles Gold, was glänzt. So konnte man bei den Starterfolgen zwar phasenweise überzeugen, beanspruchte aber auch häufig Glück. Zudem ging man bisher den grossen Kalibern aus dem Weg. Bayern, Leipzig, der BVB – sie alle warten noch. Entsprechend werden irgendwann Niederlagen folgen.

Möglich, dass im breiten Kader dann aufkeimende Frustration die Starteuphorie schluckt. Das weiss auch Christian Streich. Die Realität des SCF bleibt trotz Höhenflug ein zäher Abstiegskampf. Oberste Priorität ist, die erste Saison im neuen Stadion 2020 nicht als Zweitligist antreten zu müssen. Gelingt dem SC Freiburg dies, wäre es für die Schwarzwälder schon das perfekte Märchen-Ende.

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