Eishockey

Die Familie Gélinas lebt für den Sport, aber nicht für den gleichen

Ein Herz und eine Seele: Sohn Joey und Vater Dany Gélinas. Jonas Burch

Ein Herz und eine Seele: Sohn Joey und Vater Dany Gélinas. Jonas Burch

Dany Gélinas führt als Eishockey-Trainer die Basel Sharks an, sein 16-jähriger Sohn Joey wirft Körbe für die U19 von CVJM Birsfelden. Trotzdem verbindet das Duo Gélinas vor allem eines – die unbändige Leidenschaft zum Sport.

Es gibt viele Redewendungen, die für das Duo Gélinas wie geschaffen sind: ‹Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm›, ‹Wie der Vater, so der Sohn›, oder auch ‹Wer aufhört zu träumen, hat aufgehört zu leben›. Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Trainer der EHC Basel Sharks und dem 16-jährigen U19-Junior vom Basketball-Klub CVJM Birsfelden sind unübersehbar – vor allem aber ist es die Leidenschaft zum Sport, welche die beiden so eng verbindet. Dass es sich dabei um Eishockey und Basketball handelt, spielt im Hause Gélinas keine Rolle.

Dany und Joey Gélinas, wer gewinnt im Wohnzimmer jeweils den Kampf um die Fernbedienung?

Dany Gélinas: Momentan hat Joey wegen dem NHL-Lockout leichtes Spiel (lacht). Gut ist auch, dass die NHL-Playoffs im April beginnen und die NBA im März in ihre heisse Phase geht.
Joey Gélinas: Am Ende habe aber sowieso ich die Nase vorn. (lacht).

Der Spass scheint im Hause Gélinas trotz den emotionalen letzten Wochen nicht vergangen zu sein. Wie hat die Familie die ganze Entlassungsgeschichte erlebt?

D: Ich habe bewusst versucht, das ganze von meiner Familie fernzuhalten und sie nicht damit zu belasten.
J: Und das hat auch gut funktioniert. Diese Geschichte hat der Stimmung in der Familie überhaupt nicht geschadet.
D: Da wir nicht in Basel, sondern in St. Louis leben, hat die Familie von der Entlassung auch medial nichts mitbekommen. Meine Kinder gehen in Frankreich zur Schule, da werden sie auch auf dem Pausenhof nicht darauf angesprochen. So nimmt es glücklicherweise nicht die Ausmasse an wie damals beim HC Lausanne.

Sie sprechen über das Jahr 2009, wo Sie nach nur einer Saison entlassen wurden.

D: Genau, mein jüngster Sohn hat daraufhin sogar all seine Sportsachen verbrannt. Er kann bis heute nicht nachvollziehen, dass der Sport auch eine so kompromisslose Seite hat.
J: Auch für mich war das eine harte Zeit. Im Gegensatz zu meinem Bruder konnte ich aber nicht aufhören ambitioniert Sport zu treiben, dafür war mein Wille schlicht zu stark.

Jetzt spielen Sie Basketball. War Eishockey nie ein Thema?

J: Doch, und wie. Ich habe auch selber gespielt, als Torhüter. Als wir vor zweieinhalb Jahren für kurze Zeit in Südfrankreich lebten, war die nächste Eishalle eine Stunde entfernt. Also musste ich mich entscheiden und die Wahl fiel auf Basketball. Als Torhüter stand ich oft unter Druck, deswegen war auch in dieser Hinsicht Basketball die bessere Option. Die Leidenschaft für Eishockey ist aber geblieben.
D: Und das ist auch gut so (lacht). Nein, es ist richtig, dass mein Sohn sein eigenes Ding durchzieht. Übrigens hat Basketball mehr mit Eishockey gemeinsam, als viele denken.

Erzählen Sie.

D: Es geht um Taktik, eine gute Defensive ist der Schlüssel zum Erfolg. Ausserdem kann sich das Geschehen in wenigen Sekunden in eine ganz andere Richtung entwickeln. Es ist immer Feuer drin.

Sie klingen ja wie ein Fan.

D: In der Tat hat mich mein Sohn mit dem Basketball-Virus infiziert. Ich fahre ihn in die Trainings, bin wenn möglich an jedem Spiel seiner Mannschaft dabei und fiebere dann natürlich intensiv mit.

Mittlerweile spielt Joey bei der U19 in Birsfelden. Ein rasanter Aufstieg.

J: Ich habe konstant an mir gearbeitet, gebe immer alles. Mein Traum ist es auch, einmal Profi zu werden.
D: Zuerst musst du in der Schule Gas geben (lacht). Aber es ist wichtig Träume zu haben, das sage ich immer wieder. Auch ich träume noch von einem Engagement in der NHL.

Welches Spiel Ihres Sohnes blieb Ihnen am meisten in Erinnerung?

D: Ganz klar, das Auswärtsspiel im letzten Jahr gegen den ärgsten Verfolger Aarau. Mein Sohn hat in der letzten Sekunden den Korb zum Ausgleich geworfen, der aber irregulär gegeben wurde. Danach sind die Emotionen mit mir durchgegangen, am Ende habe ich mich für mein Verhalten sogar noch schriftlich entschuldigt (schmunzelt).
J: Daran erinnere ich mich noch gut. Aber auch ich fiebere bei jedem Spiel meines Vaters mit. Wenn ich zeitlich nicht an die Auswärtsspiele kann oder darf, verfolge ich jede Minute von zu Hause aus über den Live-Ticker.
D: Er ist immer aktiv oder in Gedanken bei den Sharks, versucht Tipps zu geben. Manchmal hat er mit seinen Einschätzungen gar nicht so Unrecht. Er sagt dann immer ‹Siehst du Papa, ich hab’s dir doch gesagt.›

Viel Zeit für Analysen bleibt nicht mehr. Im April endet Ihr Engagement bei den Sharks. Wie gehts weiter mit der Familie Gélinas?

D: Wenige Stunden nach Bekanntgabe der Entlassung hatte ich bereits mehrere Anrufe von verschiedenen Klubs und einer Nationalmannschaft. Auf jeden Fall sehe ich meine Zukunft in der Schweiz.

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