FC Basel

Die Fans heizen ihr Team ein: Das Wachrütteln der besonderen Art

Vor dem sonntäglichen Morgentraining haben sich auf dem Trainingsgelände mehrere hundert FCB-Fans zusammengetan, um das Team anzufeuern. Nicht nur des 11-Punkte Rückstands auf YB wegen, sondern auch wegen dem morgigen Cup-Halbfinal

Schon aus weiter Ferne sind sie zu hören. Das rhythmische Klatschen und der so bekannte Gesang kündigt sie an. Und auch wenn sie noch nicht zu sehen sind, verrät spätestens der in den Himmel ziehende Rauch der Pyros ihre baldige Ankunft: jene der Fans des FC Basel.
Vor dem sonntäglichen Morgentraining haben sich über 100 Fans vor dem Fanshop versammelt. Mit Transparenten, Fahnen, Schals. Sie wollen Präsenz zeigen.

Ihr Team aufpeitschen, nachdem diese Möglichkeit am Abend zuvor entfallen war. Die meistem von ihnen waren am Samstag schon auf dem Weg nach oder bereits angekommen in Lausanne, wo der FCB hätte sein Gastspiel absolvieren sollen: Doch kurz nach 17 Uhr kam die Meldung: Das Spiel wird verschoben. Auf wann, ist noch unklar. Dies entscheidet die Liga in den nächsten Tagen. Grund für die Terminänderung war das Terrain auf der Pontaise, welches an beiden Enden vereist war. Eine Besserung war nicht mehr in Sicht, verfügt das Stadion doch nicht über eine Rasenheizung.

So sah sich Schiedsrichter Urs Schnyder nach der Begehung des Rasens gezwungen, die Partie zu verschieben. Noch kurz vor Mittag hatte FCB-Coach Raphael Wicky den Platz noch abgesegnet. Zu diesem Zeitpunkt war der Platz jedoch noch frei von Eis. Später aber wäre die Verletzungsgefahr für die Spieler zu gross gewesen. Es war ein Entscheid der Vernunft. Auch wenn dieser bitter ist für die Basler, welche die Reise ins Waadtland bereits am Freitagabend angetreten hatten und so um kurz nach 17 Uhr am Samstag die Heimreise ohne verrichtete Arbeit hatten antreten müssen.

Auf den Cup-Halbfinal hinfiebern

Vom Bus aus mussten sie derweil verfolgen, wie die Young Boys gegen Sion gewinnen und den Vorsprung auf 11 Punkte ausbauen konnten. Ein so grosses Polster, wie es die Berner seit der Saison 2009/2010 nicht mehr hatten. Und eines, das – wenn man der Statistik glaubt – zum Titel reichen wird. Schliesslich betrug der grösste Vorsprung, der zum Zeitpunkt des 23. Spieltags seit Einführung des aktuellen Modus noch verspielt wurde, lediglich vier Punkte. Bei einem Vorsprung von fünf oder mehr Punkten in dieser fortgeschrittenen Phase der Meisterschaft brachte der jeweilige Leader das Ding immer über die Ziellinie.

Aber nicht nur deshalb drehte sich an diesem Sonntag in Basel alles um YB. Viel mehr fiebert man seit Tagen auf das grosse Duell von morgen hin: Cup-Halbfinal. YB gegen FCB. In Bern. Und die Chance für die Basler, die Berner Moral mit einem Sieg zu zestören. Es wird ein Spiel werden, das entscheidenden Charakter haben dürfte im Hinblick auf den restlichen Verlauf der Saison. Dieser Bedeutungsschwere bewusst, absolvierte der FCB am Sonntag eine normale Trainingseinheit statt eines leichten Auslaufens, das nach einem absolvierten Spiel stattgefunden hätte.

Die klare Forderung

Während das Aufwärmen langsam voll in Gang kommt, nähern sich auch die Fans dem Campus. Der eine oder andere Spieler sowie Sportchef Marco Streller drehen sich um, schauen in die Ferne. Denn sie hören den Lärm aus der Distanz. Sie ahnen, was da kommen mag. Eine Wand an schwarz gekleideten Anhängern, die der eisigen Kälte trotzen. Kurz vor 12 Uhr sind sie da. Stellen sich neben den Trainingsplatz. Singen. Klatschen. Doch bei allem Respekt, dem sie dem Team zollen und sie mehr oder weniger in Ruhe arbeiten lassen, haben die Fans auch eine ganz deutliche Forderung an ihre Lieblinge mit ihm Gepäck: «Finger us em Arsch» steht prominent weiss auf schwarz auf einem Banner.

Denn auch die Fans wissen: Spielt der FCB so weiter wie in den letzten Partien, dann wird es eine Saison zum Vergessen. Dann scheiden die Basler im Cup-Halbfinal genauso aus, wie sie im Meisterrennen die Fahnen streichen müssen. Aber noch ist die Hoffnung nicht aufgegeben. Genau das sollte diese kurzfristig einberufene Fan-Aktion demonstrieren. Und die Spieler wachrütteln. Ihnen zeigen, dass man hinter ihnen steht, auch wenn man in der Krise steckt. Sichtlich gerührt stellte sich die Mannschaft vor die Fans, applaudierte und bedankte sich für deren Erscheinen. Danach zogen die Anhänger wieder von dannen. Ihre Arbeit war getan. Jetzt ist es an der Mannschaft.

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