Super League
Die FCB-Avancen um Thorsten Fink verursachen viel Wirbel: Er hat aber «keine FCB-Klausel»

Nach den öffentlich bekannt gewordenen Verhandlungen mit dem Schweizer Meister ist Thorsten Fink bei seinem aktuelle Arbeitgeber Austria Wien in einer heiklen Position.

Markus Brütsch, Mattersburg
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Steht Thorsten Fink bald wieder beim FC Basel an der Seitenlinie?

Steht Thorsten Fink bald wieder beim FC Basel an der Seitenlinie?

Keystone

Thorsten Fink ist angespannt. Schaut angestrengt aufs Blatt mit den Statistiken. Mit den Gedanken jedoch scheint er ganz woanders zu sein. Seine Sätze sind hastig, sein Blick ist ernst. Warum, zum Teufel, ist das so? Sieht so ein Sieger aus? Nach vier Pflichtspiel-Niederlagen in Folge hat seine Mannschaft doch in Mattersburg gerade 3:0 gewonnen und sich an Altach vorbei auf den dritten Rang in Österreichs Bundesliga vorgeschoben. Mindestens Rang 3 muss erreichen, wer im Europacup spielen will. Für die Austria ist das aus finanziellen Gründen ein Muss.

Thorsten Fink war beim Spiel seiner Austria Wien ungewöhnlich angespannt. (Archivbild)

Thorsten Fink war beim Spiel seiner Austria Wien ungewöhnlich angespannt. (Archivbild)

Keystone

Schon im Interview vor dem Spiel beim Fernsehsender «Sky» ist Fink ungewohnt gereizt gewesen. Hat sich mit dem TV-Experten Heribert Weber (Bundesliga-Rekordspieler mit 581 Einsätzen) eine harte Diskussion über die Gründe für die Misere geliefert. Die Fernsehleute führen die Missstimmung bei Fink auf die zuletzt schwachen Ergebnisse und den gestiegenen Druck zurück. Vielleicht stresst ihn aber vor allem auch der ganze Wirbel, der in Österreich und in der Schweiz um seine Person entfacht worden ist.

Andrerseits: In seiner Zeit beim FC Basel, von Sommer 2009 bis Oktober 2011, hat Fink den Eindruck gemacht, ein eher lockerer Zeitgenosse zu sein, der nicht so schnell nervös wird. Einer eben, der als langjähriger Bundesligaprofi bei Wattenscheid, Karlsruhe und Bayern München und Teilnehmer des legendären Champions-League-Finals 1999 gegen Manchester United (1:2) schon so ziemlich alles gesehen hat, was im Spitzenfussball möglich ist.

Im kleinen Presseraum des Pappelstadions in Mattersburg klammert sich Fink an diesem Ostersonntag weiter an das Statistikblatt. Er sagt: «Die Schlagzeilen über meinen möglichen Abgang hat die Mannschaft überhaupt nicht aus der Fassung gebracht. Sie hat verdient gewonnen.» Die Zeitung «Österreich» hatte getitelt: «Fink vor dem Abflug nach Basel».

Dabei war der 49-Jährige ja am Freitag eben erst zurückgeflogen aus der Stadt am Rheinknie. Wo er sich mit der kommenden FCB-Führung um Sportdirektor Marco Steller zu Gesprächen über eine Rückkehr als Cheftrainer getroffen hatte.

«Es gibt keine FCB-Klausel»

Im Wissen und mit dem Segen der Austria-Verantwortlichen. In Mattersburg sagte Sportchef Franz Wohlfahrt zur «Nordwestschweiz»: «Die in der Schweiz beschriebene FC-Basel-Klausel, die Fink in seinem Vertrag haben soll, existiert nicht. Richtig ist aber, dass er eine Klausel hat und im Prinzip dorthin gehen kann, wo er hin will.»

Leer ausgehen wird die Austria jedoch nicht, weil Finks Vertrag bis 2019 läuft und eine Ablösesumme fällig wäre. Wohlfahrt sagt zwar tapfer, er könne nicht sagen, ob der Trainer die Austria verlasse oder nicht. «Mit der Causa Fink beschäftige ich mich erst, wenn Basel anklopft.» Aber er weiss natürlich: Zu halten ist der Deutsche nicht.

Thomas Muck arbeitet für das Onlineportal «Sportreport» und begleitet die Austria eng. Er ist sich sicher, dass Fink zum FC Basel geht. «Dass er sich bei seinem Trip in die Schweiz erwischen liess, war unglücklich. Er hätte sich in einem Hotel am Wiener Flughafen mit den Baslern treffen sollen, dann wäre nichts an die Öffentlichkeit rausgegangen», ist Muck sich sicher. Was nichts daran ändert, dass er Fink gut leiden kann. «Er ist zu den Medien offen und respektvoll. Einzig, wenn seine Mannschaft zu sehr angegriffen wird, geht er zum Gegenangriff über.»

Finks Standing in Wien sei gut, sagt der Journalist, man müsse eben auch sehen, welch limitiertes Kader ihm zur Verfügung stehe. Weil die Austria dabei sei, die Generali Arena auszubauen, fliesse das Geld nun halt dorthin und zum Leidwesen des Trainers nicht in die Mannschaft.

Zwar lautet deshalb die Devise wie in Basel, auf junge Spieler zu setzen, doch der Schweizer Serienmeister verfügt gleichwohl über viel grössere Möglichkeiten bei der Kaderplanung. Spielt zudem sicher in der Champions League; bei den Veilchen ist sogar die Europa League nur ein Fragezeichen.

«Auch für einen Trainer ist die Königsklasse das Grösste», sagt «ORF»-Experte Didi Kühbauer. Vor allem aber muss die Austria noch während eines Jahres 40 Autominuten ausserhalb von Wien trainieren und seine Heimspiele im Happel-Stadion austragen. «Wenn in diesem Riesenkessel nur 6000 Zuschauer da sind, kommt keine Stimmung auf», sagt Muck. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Fink dies alles noch antun will.»

Bekanntgabe nach dem Derby?

Deshalb kommt dieser im Mattersburger Presseraum am Ende des Nachmittags nicht um die Frage herum: Thorsten, wie weit sind Ihre Verhandlungen mit Basel gediehen? «Stand heute ist, dass ich kein Angebot von Basel habe und der Verein auch nicht. Von da her konzentriere ich mich weiter auf die Saison», sagt Fink.

Und da steht am kommenden Sonntag mit dem Derby gegen Rapid sogar eine ganz heisse Kiste auf dem Programm. Auch die Grünen mit ihrem Sportchef Fredy Bickel haben mit dem 3:0 gegen Altach einen Befreiungsschlag gelandet. Thomas Muck sagt: «Das Derby ist in Wien extrem wichtig. Ich bin mir eigentlich sicher, dass Austria kurz danach bekannt geben wird, dass Fink den Klub am Saisonende verlassen wird.» Zurück in den Schoss des FCB.