CrossFit

Die fitteste Frau der Schweiz: «Ich bin genauso krass wie die anderen»

Alessia Wälchli gehört zu den fittesten Frauen der Welt. An den CrossFit-Weltmeisterschaften zeigte die Baslerin, dass sie mit der Weltelite in der Fitness-Sportart durchaus mithalten kann. Ihre Konkurrenz besiegt sie aber lieber sportlich als virtuell auf Instagram.

1600 Meter laufen; zwölf Mal ein Seil hochklettern, ohne die Beine zur Hilfe zu nehmen; 28 Mal eine Stange mit gut 60 Kilogramm Gewicht über den Kopf heben, und alles innerhalb von nur 20 Minuten. Das war die erste Aufgabe bei den CrossFit Games. Die Meisterschaft der fittesten Menschen aus aller Welt fand auch dieses Jahr wieder in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin statt.

Als einzige Schweizerin qualifizierte sich Alessia Wälchli in der Elitekategorie. «Es war mir gar nicht so richtig bewusst, dass ich tatsächlich zu den fittesten Frauen der Welt gehöre», sagt die Baslerin. «Als ich dann aber einige Athletinnen schlagen konnte, von denen ich dachte, sie seien echt fit, da wurde es mir erst so richtig bewusst: Ich bin genauso krass wie die anderen.»

Geschlagen hatte Wälchli viele. So überstand sie den ersten Cut von 130 auf 75 Athletinnen nach der ersten Runde. Noch am gleichen Tag reduzierte sich das Teilnehmerfeld auf 50 Athletinnen durch eine zweite Wettkampfrunde.

Auch diese Hindernisse schaffte die 25-Jährige. Der zweite Wettkampftag überstanden nur noch 25 Athletinnen, auch für Wälchli war da Endstation. «Ich hätte nie damit gerechnet, so weit zu kommen», sagt Wälchli und strahlt übers ganze Gesicht. Sie ist nun die 36. fitteste Frau der Welt.

Alessia Wälchlis erstes Workout im zweiten Heat der ersten Runde an den CrossFit World Games.

Lieblingsdisziplin Handstandlaufen

Hinter diesem Erfolg steckt ein Jahr mit viel Training und Ernährungsplänen. 30 Stunden pro Woche kämpft sich die Sportwissenschaftlerin durch das volle Programm des CrossFit. An der WM erfahren die Athleten erst zwei Stunden vor den sogenannten Workouts, was in den nächsten 20 Minuten von ihnen abverlangt wird. «Wer vorne mit dabei sein will, muss einfach alles können», erklärt Alessia Wälchli.

Dazu gehören Gewichtheben, Leichtathletik, Gymnastik und auch Übungen an Geräten, die auch in Fitnessstudios zu finden sind, wie ein Ruder-Ergometer. Wälchli gefällt besonders das Handstandlaufen und die verschiedenen Varianten des Gewichthebens.

Viel Geld lässt sich mit dem CrossFit nicht verdienen. Die 25-Jährige finanzierte sich die Reise an die World Games über ein Crowdfunding. «Ich habe ein paar Sponsoren, die mir Tapes und Springseile zur Verfügung stellen», sagt Wälchli. Die Sponsoren unterstützen sie auch bei den Reisekosten und mit kleinen Prämien für gute Rangierungen.

Wie viele CrossFit-Athleten ist die Baslerin auch auf Instagram zu finden. Etwa 2500 Personen verfolgen ihre Posts von Wettkämpfen und aus dem Leben. Vermarkten will sie sich damit aber nicht. «Am Anfang habe ich mir schon überlegt, mehr auf Instagram zu posten, doch ich habe schnell gemerkt, dass ich nicht der Typ bin, der über das Handy zu den Followern sprechen kann und Trainings filmt», erklärt Wälchli.

Noch einmal an die WM?

Die virtuelle Welt der Fitnessmodels ist Fluch und Segen zugleich. Die Versuchung ist gross, sich von anderen Athleten und deren «perfekten Workouts» in den Videos beeinflussen zu lassen und zu denken, dass es fast unmöglich ist, da mitzuhalten.

«Ich dachte manchmal, wenn ich während eines Workouts haderte und es bei den Stars so einfach aussieht, dass ich nie so fit sein kann wie sie. Als ich dann einige von denen an den Games geschlagen habe, war das schon eine echte Genugtuung.» Gleichzeitig ist es ausserhalb der Wettkämpfe schwierig, sich als Einzelsportlerin anzuspornen.

Nach der WM ist jetzt erst einmal eine Pause angesagt. Für Wälchli heisst das: die Trainingsintensität herunterfahren. Gar kein Training geht aber auch nicht. In Kürze beginnt die Qualifikation für die nächsten World Games.

Ob die Baslerin noch einmal alles auf diese Karte setzen möchte, weiss sie noch nicht. «Ich werde mich in den nächsten zwei Wochen entscheiden. Eigentlich kann ich mich auch über die Sactional Competitions qualifizieren.» Über diese regionalen Wettkämpfe hat sie auch die diesjährigen Weltmeisterschaften erreicht.

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