Wenn es beim FC Basel jemanden gibt, der sich über die beiden Spielabsagen gegen Lausanne und Zürich noch etwas mehr geärgert hat als alle anderen, dann dürfte das Samuele Campo sein. Zweimal wäre er in der Startelf gestanden und hätte dort sein Debüt gefeiert. Denn seit seiner Rückkehr zum FCB im Winter wurde er bislang nur eingewechselt. Die beiden Ausfälle aber verhinderten seine Premiere. In der Kabine wurde der 22-Jährige gar aufgezogen damit.

Die Frage stellt sich nun, ob Campo am Sonntag gegen Luzern im dritten Anlauf endlich seine Startelf-Premiere feiern kann – oder ob Raphael Wicky doch lieber auf die möglichst unveränderte Elf setzen wird, die Manchester City so sensationell mit 2:1 in deren Stadion hat schlagen können. Dieses Szenario aber ist eher unwahrscheinlich. Vor allem, weil die Basler wie in allen sieben Champions-League-Spielen zuvor auch im Rückspiel gegen City in einem 3-4-3 agierten. In der Liga aber setzt Wicky meist auf ein 4-4-2 oder ein 4-2-3-1. Und ein Systemwechsel bedingt auch Spieler-Rochaden. Am Freitag sprach Wicky von «ein bis zwei Wechseln», die es wohl geben werde.

Auch ein Blick auf die Aufstellung, die Wicky gegen Zürich gewählt hatte, deutet auf Veränderungen hin. Vor allem auch für einen, der gegen City noch klar zu den Gewinnern des Spiels gehörte: Fabian Frei. Eine Position weiter hinten als gewohnt zeigte er eine bärenstarke Leistung. Auch wenn er beim Gegentreffer nicht sonderlich glücklich ausgesehen hatte, liess er sich nachher nichts mehr zuschulden kommen, leitete beide Basler Tore ein und dirigierte das Team aus dem Zentrum der Dreierkette.

Wohin mit Frei?

Doch genau diese ist für ihn das Problem, wird Wicky gegen Luzern doch erwartungsgemäss auf eine Viererkette setzen und Frei dort neben Marek Suchy und Léo Lacroix keinen Platz mehr haben (Balanta fehlt weiterhin verletzt). Auf der Doppelsechs ist es ähnlich. Taulant Xhaka fehlt zwar gesperrt, aber auch sonst würde es wenig Sinn machen, Luca Zuffi und Geoffroy Serey Die zu trennen, nachdem sie in Manchester so gut harmoniert hatten. Ein Fazit, dass wohl auch Wicky gezogen hat, wäre Frei im Klassiker doch auf der Bank gehockt. Wo aber hin mit ihm in der Zukunft? Wicky konnte nicht abschliessend beantworten, auf welcher Position er Frei künftig einplant. «Er ist ein sehr flexibler Spieler. Ich habe mir auch schon Gedanken gemacht, ihn auf der Zehn zu bringen.» Dort aber wollte Wicky zuletzt zweimal Campo bringen. Diesen nun auf die Bank zu setzen, wäre bitter. Vor allem, weil man sich von ihm diese Kreativität verspricht, die gerade gegen Lugano und St. Gallen fehlte. Kurzfristig muss Frei also wohl wieder auf die Bank.

Stocker und Petretta fraglich

Gut möglich, dass er sich dort neben Valentin Stocker setzen kann. Auch dieser wäre gegen den FCZ und somit erstmals seit seiner Rückkehr zu Beginn auf der Bank gewesen. Diese Premiere feierte er dann in Manchester und konnte auch nach seiner Einwechslung keine Argumente dafür liefern, dass ihm das am Sonntag nicht wieder passiert. Vielmehr zeigte das City-Spiel, dass es ihn für einen Exploit im Moment nicht braucht.

Die Frage bei Stocker ist aber vielmehr, ob er denn überhaupt spielen kann. Das Training am Freitag musste er unter Schmerzen frühzeitig beenden. Ob er einsatzfähig ist, wird im Abschlusstraining am Samstag beurteilt. Gleiches gilt auch bezogen auf einen Einsatz von Raoul Petretta, der am Freitag wegen Schmerzen am Wadenbeinkopf passen musste.

Ungeachtet dessen, wen Wicky am Ende für das Gastspiel in Luzern nominieren wird, ist klar, dass der FCB dringend einen Sieg braucht. Das Spiel gegen Luzern ist das erste einer unverhofften, weiteren englischen Woche, in die der Schwung des Sieges in Manchester mitgenommen wird. Doch wenn der FCB nach dieser Kür in Nordwesten Englands die Pflicht in der Innerschweiz nicht erfüllt und nicht drei Punkte holt, dann interessiert die Sternstunde schnell niemanden mehr und die Krise in der Liga spitzt sich noch weiter zu.