Der Baselbieter Hoffnungsträger Janic Voggensperger fällt verletzt aus, Routinier Roger Erb konnte in dieser Saison noch nicht gross auftrumpfen: Beim Blick auf die insgesamt 146 Schwinger fassende Kandidatenliste des 104. Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest, drängt sich der Eindruck auf, das Heimspiel stehe für die Teilnehmer aus dem Kanton Baselland unter einem schlechten Stern. Wenn da nur nicht Samuel Brun wäre. Bereits dreimal durfte sich das Mitglied des Schwingklubs Binningen in der laufenden Saison bekränzen lassen, ein Ende ist nicht in Sicht.

Dabei hat der 20-Jährige ganz klein angefangen. Am Ursprung stand ein Geburtstagsfest – und sein Onkel. Dieser liess vor acht Jahren an seinem Festtag einen Schwingplatz aufstellen. Zum ersten Mal kam der damals zwölfjährige Samuel Brun da mit dem Sägemehl in Kontakt und war sofort Feuer und Flamme dafür.

Grosser Hype um den Schwingsport

Seit diesem Tag hat sich viel geändert. Nicht nur im Leben von Samuel Brun, sondern auch im Schwingsport selbst. Immer grösser wird der Hype um die sich im Sägemehl duellierenden Sportler. Auch am Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest werden in Läufelfingen um die 2500 Zuschauer erwartet.

Eine Erklärung für das grosse Interesse findet Brun schnell: «Was im Schwingen einzigartig ist, ist die spezielle Atmosphäre an den Schwingfesten. Es ist ein friedliches Beisammensein, jeder kann so sein, wie er eben ist. Es braucht weder ein grosses Polizeiaufgebot noch Securitas. Ich denke, das ist es, was die Leute an diesem Sport so schätzen.»

Er selbst findet nebst der Atmosphäre auch die ganze Tradition hinter dem Schwingsport faszinierend. Am Sport selbst geniesst der Ettinger das Kräftemessen, den Kampf Mann gegen Mann. Im Gespräch wirkt der junge Schwinger indessen ruhig, besonnen. Nicht wie einer der «Bösen».

Ein Schwinger der neuen Generation

Als typischen Schwinger, der ganz dem Klischee entspricht, sieht er sich denn auch nicht: «Ich bin eher ein Schwinger der neueren Generation. Früher war es vorwiegend ein Bauernsport, heute spricht jeder über das Schwingen. Die heutigen Schwinger sind meist extrem athletisch, betreiben sehr viel Trainingsaufwand.»

Für die drei Lebendpreise von diesem Wochenende – Sieger-Muni Jan und die beiden Rinder Jorina und Manuela – die den Podestplatzierten gehören werden, hätte der frisch ausgelernte Gebäudetechnikplaner Fachrichtung Sanitär also gar keine Verwendung. Sie hätten im gepflegten Garten der Familie Brun keinen Platz.

Dass die Tiere den Kanton verlassen werden, ist sowieso wahrscheinlicher. Zum Favoritenkreis gehört Curdin Orlik, der seinem Bruder Armon Orlik, der aktuellen Nummer 1, dicht auf den Fersen ist. Auch der letztjährige Sieger, Nick Alpiger, der damals in Schönenbuch triumphieren konnte, dürfte ein Wörtchen mitzureden haben.

Vierter Kranz als Ziel

Namentlich will Brun selbst keinen Favoriten nennen: «Wir haben starke Gäste, aber auch einige gute Schwinger hier im Kanton Baselland und im Nordwestschweizer Schwingerverband.» Viel leichter fällt ihm da die Antwort auf die Frage nach seinen eigenen Ambitionen: «Wie an jedem Schwingfest ist es mein primäres Ziel, einen Kranz zu holen», sagt er.

Gelingt ihm das, so wäre es bereits sein vierter in dieser Saison. Bereits am Solothurner Kantonalschwingfest in Zuchwil, am Oberaargauischen Schwingfest in Grafenried und am Baselstädtischen Schwingfest in Basel konnte er in diesem Jahr überzeugen – an drei von fünf Schwingfesten also, an denen er dieses Jahr teilgenommen hat.

Das «Heimspiel» liegt dem 20-Jährigen allerdings ganz besonders am Herzen: «Ein Schwingfest im eigenen Kanton ist immer speziell. Die Unterstützung der Zuschauer sowie die Freude und Emotionen bei guten Leistungen bekomme ich so noch mehr zu spüren.»

Im Scheinwerferlicht

Diesmal dürfte diese wohl noch grösser als sonst schon sein. Durch die geänderte Ausgangslage steht Brun plötzlich im Scheinwerferlicht, muss die Last der Baselbieter Hoffnungen nun selbst tragen. Auf den breiten, aber zeitweise auch angeschlagenen Schultern.

Denn auch er hatte mit einer Verletzung zu kämpfen. «Ich hatte im Dezember eine Schulteroperation, musste dadurch länger pausieren. Normalerweise ist das Wintertraining sehr intensiv, diesmal musste ich eher zurückstecken.» Gross zurückgeworfen hat ihn das allerdings nicht.

Viel Trainingsaufwand

«Zu verdanken ist dies meiner Familie, Freunden und Sponsoren, welche mich an den Schwingfesten sowie über das ganze Jahr hinweg unterstützt haben. Ein grosses Dankeschön richtet sich auch an die Physiotherapeutin und Athletiktrainerin Esti Aeschbach sowie an die Rennbahnklinik Muttenz für die reibungslose Operation», sagt er.

Auch sein hartes Trainingsprogramm kam ihm zugute. Denn ein Schwinger der neuen Generation zu sein, bedeutet eben auch viel Aufwand. In der Hochphase hat er je zwei bis dreimal die Woche Schwing- und Krafttraining.

Selbst am Samstag wird er sich keine Ruhe gönnen, sich noch einmal intensiv auf seinen ersten Gang gegen Michael Gwerder vorbereiten. Bis er dann am Sonntag den Wettkampfplatz betreten und endlich loslegen kann. Nicht wie am Geburtstag seines Onkels im kleinen Rahmen, sondern vor über 2000 begeisterten Zuschauern - und hoffentlich unter einem guten Stern.