Die Ausgangslage vor dem Nordwestschweizer NLA-Derby war so klar wie eine Sternennacht. Auf der einen Seite die Frauen vom Squash Club Fricktal, Tabellenschlusslicht mit dem Ziel Ligaerhalt. Auf der anderen Seite die Gäste von den Carnivals aus Liestal, amtierende Schweizer Meisterinnen mit Kurs auf die Playoffs. Sämtliche Spielerinnen des Titelverteidigers stehen in den Top 10 des nationalen Rankings. Nadine Frey, bestplatzierte Fricktalerin, ist die Nummer 23 der Schweiz.

Fricktal coacht sich selbst

Offensichtlich werden die Unterschiede auch neben dem Platz. Während sich die Fricktaler Spielerinnen in den Satzpausen gegenseitig coachen, übernimmt bei den Carnivals Bea Walser diese Aufgabe. Walser ist die ehemalige Nummer 2 der Schweiz und arbeitet mittlerweile als Trainerin. Ihre Tochter, die 15-jährige Céline, ist die Nummer 2 des Teams, die Nummer 8 der Schweiz und amtierende U17-Landesmeisterin. «Der grösste Unterschied ist das Tempo, unsere Spielerinnen können den Ball früher nehmen, das Tempo besser variieren», sagt Bea Walser nach dem deutlichen 3:0-Sieg ihrer Schützlinge.

Das Sportliche ist schnell abgehandelt. Die Baselbieterinnen gewinnen alle drei Einzel mit 3:0-Sätzen und stehen nach dem Derby wieder an der Spitze der NLA. Einzig Nadia Pfister muss in ihrem Spiel vier Satzbälle der Gegnerin abwehren, gewinnt den Durchgang aber dennoch mit 13:11.

Trotz des klaren Verdikts liessen die Fricktalerinnen die Köpfe nicht hängen. «In unserer zweiten NLA-Saison geht es darum, Erfahrung zu sammeln und als Aussenseiter die Grossen etwas zu ärgern», sagte Medizinstudentin Nadine Frey, die in Basel wohnt und studiert.

Gegen die Carnivals gelang das Vorhaben, die Grossen zu ärgern, zu keinem Zeitpunkt. «Wir nehmen jeden Gegner ernst und sind immer motiviert», sagt Bea Walser. In der Meisterschaft ist das Team mit Sara Guebey, der Schweizer Nummer 2, Céline Walser und Nadia Pfister gut unterwegs. Mit dem Sieg gegen Fricktal hat man zumindest vorübergehend wieder die Tabellenspitze erklommen.

Eine Frage der Ausländerinnen

Gegen Uster gab es zu Beginn der Saison zwar eine Niederlage. Doch wie die meisten Gegner setzen die Zürcherinnen eine Ausländerin ein. Die Carnivals verweisen nicht ohne Stolz darauf, ohne Verstärkung klarzukommen. Doch das Unterfangen Titelverteidigung wird unter diesen Umsänden natürlich schwierig. In der letzten Saison hatte man das Glück, dass die Söldnerinnen in den Reihen der Konkurrenz zu wenig Qualifikations-Spiele bestritten, um in den Playoffs teilnahmeberechtigt zu sein. Ob sich dieses Szenario in dieser Saison wiederholt, bleibt abzuwarten.