Hässlich. Wirklich hässlich. Das sei es für Silvan Widmer, wenn er sich die Tabelle anschauen müsse. Deshalb wolle er dies lieber gar nicht tun. Bei einem Blick auf ebendiese hässliche Tabelle würde der Rechtsverteidiger des FC Basel mit der hässlichen Wahrheit konfrontiert werden. Jener, die den FC Basel auf dem vierten Tabellenrang zeigt. Hinter Zürich und Thun. Und vor allem 19 Punkte hinter dem Leader, dem Meister und dem Gegner von gestern: YB.

Ein 1:3 steht kurz vor 18 Uhr auf den Anzeigetafeln im Joggeli. Nichts mit Wiedergutmachung für den FCB, nichts mit Rehabilitation. Das 1:3 ist nicht so schmachvoll wie das 1:7 aus dem Hinspiel. Es ist nicht so demütigend, so schockierend, so welterschütternd. Aber, und das ist vielleicht noch schlimmer, es ist das genaue Abbild einer Mannschaft, bei der es alles andere als gut läuft. Es ist ein 1:3, das die Probleme des FCB aufzeigt. Eines, für das sich die Berner Young Boys nach Abpfiff lange feiern. Im Regen sitzend, aber wen kümmert schon Kälte und Nässe nach einem solchen Spiel? Es gilt mit den Fans zu feiern. Der FCB schleicht unterdessen davon, so schnell wie möglich in die Kabine. Feiernde Berner im Joggeli zu sehen, dieser Anblick ist für die Basler ebenso hässlich wie der Blick auf die Tabelle.

Ausfall, Abbau, Aufgabe

Dass es so weit kommen würde an diesem 16. Spieltag, war zwar zu erwarten, aber nach der Startphase überraschend nicht sofort absehbar. Der FCB erwischt den besseren Start. Er überrascht YB mit seiner ungewohnten Aufstellung, einem 3-4-2-1 mit Fabian Frei hinter der Spitze und einer Dreierkette aus Eray Cömert, Taulant Xhaka und Eder Balanta. Bis die Berner sich an die Umstellung gewöhnt haben, steht es bereits 1:0 für den FCB. Albian Ajeti sieht Aldo Kalulu, dieser flankt auf Frei, welcher Ajeti eine mustergültige Kopfballvorlage serviert – 1:0. Eine Führung, gefeiert wie ein Sieg. Und eine Führung, die ein sehr defensiv stehender und offensiv beinahe inexistenter FCB bis in die 69. Minute retten kann – und damit erstaunlich lange.

Denn der FCB zeigt direkt nach der Pause jenes Gesicht, welches er so oft zeigt im zweiten Durchgang: jenes ohne Selbstvertrauen – gänzlich ohne Selbstvertrauen. Er kommt nicht aus seiner Hälfte raus, wähnt sich in Sicherheit ob der Führung, versucht zu verhindern, dass er ein Gegentor bekommt, statt selber seinen zweiten Treffer zu suchen. Die Bissigkeit, die zuweilen in Aggressivität überschwappt in der ersten Halbzeit, sie fehlt in den zweiten 45 Minuten. Die Laufwege werden kürzer, die Vorstösse eingestellt. Und mit dem Ausfall von Eder Balanta geht die Stabilität in der Defensive verloren. Frei muss von der hängenden Spitze in die Innenverteidigung und Noah Okafor seine Rolle in der Offensive übernehmen. Eine Rochade, die nicht aufgeht. Freis Qualitäten sind in der Abwehr verschenkt und Okafor kann gegen robuste und immer besser werdende Berner nicht bestehen.

FCB hadert zu viel

Das 1:1 in der 69. durch Mohamed Ali Camara war nur eine Frage der Zeit. Dass vor dem Eckball, der den Ausgleich einleitet, ein Foul an Xhaka begangen wird, ist korrekt. Dass sich die Basler darüber aber viel zu sehr enervieren auch. Der Ausgleich ist gleichzeitig der Moment, in dem der Bruch im Basler Spiel kommt. Wie schon in den letzten Wochen zeigt der FCB eindrücklich, dass er zu sehr mit Fehlentscheiden hadert. Dass er den Faden verliert, sobald er ein Gegentor bekommt. Dass er bei gegnerischen Standards viel zu viel zulässt. Denn auch das 2:1 aus Berner Sicht folgt auf einen ruhenden Ball. Miralem Sulejmanis Freistoss segelt an allen vorbei und am zweiten Pfosten ins Basler Tor.

Das 3:1 durch Christian Fassnacht folgt in der 89. Minute. Zu einem Zeitpunkt, als der FCB längst zu keiner Reaktion mehr fähig ist. Bezeichnend auch die Aussage von FCB-Trainer Marcel Koller nach dem Spiel, dass man «70 Minuten lang gekämpft hat». Ein Fussballspiel dauert jedoch mindestens zwanzig Minuten länger. Passivität und eine nicht ausreichende Physis aber sorgen dafür, dass der FCB ab dann den Betrieb einstellt.

Ein Schubser und der FCB fällt

Der FCB ist an diesem Tag aber nicht nur schlecht. Er zeigt auch gute Ansätze. Das Problem ist nur: YB ist besser. Der Schweizer Meister aus Bern ist in der aktuellen Verfassung kaum zu stoppen, wenn er mal in Fahrt kommt. Der FCB dagegen ist in der aktuellen Verfassung schnell und einfach aus der Bahn zu werfen. Gestern reicht ein kleiner Schubser zum richtigen Zeitpunkt. Das ist die hässliche Wahrheit.

Silvan Widmer nach dem 1:3

Silvan Widmer im Interview nach dem Spiel.

Fabian Frei spricht nach 1:3 gegen YB

Fabian Frei spricht nach der Niederlage.