Hiobsbotschaft zur Unzeit

Die Hintergründe zu den Kündigungen im Nachwuchs des FC Basel

Nachwuchschef Percy van Lierop krempelt die Junioren-Abteilung des FCB um und macht auch vor Entlassungen keinen Halt.

Nachwuchschef Percy van Lierop krempelt die Junioren-Abteilung des FCB um und macht auch vor Entlassungen keinen Halt.

Keine Woche vergeht ohne weitere schlechte rotblaue Nachrichten. Diesmal geht es um Kündigungen im FCB-Nachwuchs. Der FC Basel trennt sich von sechs Juniorentrainern. Die Erklärungen der Betroffenen und des Klubs sind unterschiedlich, das Timing schlecht.

Ein zwei Monate altes Zitat des neuen FCB-Nachwuchschefs Percy van Lierop bekommt in diesen Tagen einen ironischen Beigeschmack. «Alles im Leben hat mit Timing zu tun, nicht nur im Fussball. Im Fussball kein Timing zu haben ist grausam, aber im Leben braucht es auch Timing», antwortete der 45-jährige Niederländer bei seinem ersten öffentlichen Auftritt auf die Frage, warum er erst ein halbes Jahr nach seiner Verpflichtung auch offiziell vorgestellt wurde.

Am 6. Januar wurde van Lierop zum «Ausbildungsleiter Nachwuchs» ernannt. Gleichzeitig wurde sein Vorgänger Massimo Ceccaroni zum Partnerklub-Projekt nach Indien abgeschoben. Van Lierop, der sich bei Ajax Amsterdam und RB Salzburg einen hervorragenden Ruf als Ausbildner erarbeitet hat, kam nach Basel, weil ihn das Projekt reizte: «Die Not für den Klub, Spieler abliefern zu können, die Erfolge im Profikader haben werden, einen Marktwert entwickeln und den Klub dann auf Dauer finanzieren, ist sehr gross.» Um diese Spieler auch in Zukunft in die 1. Mannschaft zu führen, krempelt er in den letzten Monaten den FCB-Nachwuchs nach seinen Vorstellungen um.

Das hat jetzt für einige langjährige FCB-Juniorentrainer persönliche Konsequenzen. Am vergangenen Wochenende wurde publik, dass mehrere Trainer Ende März per 30. Juni die Kündigung erhalten haben. Laut bz-Informationen sind davon sechs Trainer betroffen. Drei davon wurden entlassen, einer Person wurde der befristete Arbeitsvertrag nicht verlängert. Zwei weiteren wurde ein Angebot unterbreitet, in einem anderen Bereich im FCB-Nachwuchs weiter beschäftig zu werden. Diese lehnten jedoch ab und werden den Klub folglich auch verlassen. Auf Anfrage der bz bestätigt FCB-Medienchef Simon Walter diese Informationen.

Dennoch: Das Timing für diese vom FCB nicht kommunizierte Nachricht könnte schlechter nicht sein. Denn durch den Lohnverzichts-Streit, die Finanzsorgen und die Verkaufsgerüchte um Präsident Bernhard Burgener hat der FCB in diesen Tagen bereits einen Haufen anderer Probleme. Die Umstrukturierungen im Nachwuchs scheinen da nur ein kleiner Tropfen zu sein. Doch die Geschichte ist ein weiteres Beispiel, wie zerrüttet der langjährige Schweizer Vorzeigeklub intern mittlerweile ist.

Die Betroffenen schiessen scharf gegen den FCB

Die entlassenen Trainer äussern gegenüber dem Onlineportal «PrimeNews» ihren Unmut. Sie seien in eine Garage in Oberwil bestellt worden, wo ihnen van Lierop und Ausbildungsleiter Marco Schällibaum die Hiobsbotschaft überbrachten. Wie die bz weiss, fanden die Gespräche aber nicht in einer schaurigen Garage, sondern in den Geschäftsräumlichkeiten der Delli Holding Oberwil AG statt. Grund: Im Zuge der Coronakrise wurde der Nachwuchscampus desinfiziert und abgesperrt. Seither finden sämtliche Unterhaltungen bezüglich FCB-Nachwuchs in Oberwil statt. Zur Verfügung gestellt werden die Räumlichkeiten von Martin Dellenbach, welcher ebenfalls in die verschiedenen Gespräche involviert war. Dellenbach arbeitet seit rund einem Jahr auf Mandatsbasis beim FCB und kümmert sich um die Analyse und die Weiterentwicklung im Nachwuchs. Er ist ein ausgewiesener Fachmann und seit über 20 Jahren im Nordwestschweizer Fussballverband tätig.

Die Kritik der Entlassenen aber bleibt: «Was hier abgeht, ist schlimm. Das rotblaue Herz blutet. Es werden neue Leute kommen, die keinerlei Verbindung mit der Stadt und dem Verein haben.» Die Betroffenen werfen dem FCB vor, sich von unliebsamen Angestellten, die bereits unter der alten Führung gearbeitet hätten und auch Ceccaroni nahe standen, zu trennen. Und sie klagen darüber, dass es in der Coronazeit schwierig sei, einen neuen Job zu finden.

Der FCB dementiert diese Aussagen: «Die personellen Fluktuationen stehen in keinerlei Zusammenhang mit der Corona-Krise, sondern wurden bereits länger geplant», heisst es. Tatsächlich wurden die Entscheidungen bereits im Januar und vor Ausbruch der Coronkrise gefällt. Van Lierop hat seine Entscheidungen bisher noch nicht öffentlich erklärt. Der Moment scheint aktuell nicht passend zu sein.

Auch FCB-Trainerlegende Werner Mogg verlässt den Verein, seine Ex-Spieler grüssen

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1