Fechten
Die Junioren verdrängen die Senioren

In der St. Jakobshalle trifft sich am Wochenende die Weltelite der Junioren. Erstmals wird am Sonntag ein Team-Weltcup durchgeführt.

Andreas Fretz
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Benjamin Steffen.

Benjamin Steffen.

GK/Archiv

Benjamin Steffen ist vorläufig der letzte Senior, der die Auszeichnung «Épée D'Or», den goldenen Degen also, in seiner Hand hielt. Der Fechter des Nationalteams trat vor einem Jahr bei seinem Heimturnier in Basel an, weil er zuvor beim Weltcup in Doha überhaupt nicht auf Touren kam. So unerwartet Steffens Teilnahme war, so erwartet war sein Sieg. Der 32-Jährige von der Fechtgesellschaft Basel ist immerhin vierfacher Team-Europameister.

In diesem Jahr duellieren sich nicht die Senioren im Einzel um die Trophäe «Épée D'Or», sondern Nachwuchs-Teams. Die Fechtgesellschaft Basel hat vom Weltverband den Zuschlag erhalten für den Team-Weltcup der Junioren. Neben Basel gibt es weltweit nur drei Turniere dieser Art. «Es ist wie eine inoffizielle Junioren-Weltmeisterschaft», sagt Manfred Beckmann, Trainer der Fechtgesellschaft und Organisator des Turniers, «es ist alles am Start, was Rang und Namen hat.»

Teilnehmerzahl steigt rasant

Der Weltcup-Status im Team-Wettbewerb wirkt sich auch auf die Teilnehmerzahl aus. Vor einem Jahr stellte man mit 168 noch einen Rekord auf. In diesem Jahr schnellt die Zahl hoch auf 224 Teilnehmer aus 33 Nationen. «Die Infrastruktur lässt einfach kein Senioren-Turnier mehr zu», bedauert Beckmann. So gesehen war der Triumph von Lokalmatador Steffen ein würdiger Abschluss. Beckmann will aber nicht ausschliessen, dass es irgendwann wieder ein Senioren-Turnier geben wird.

Doch an diesem Wochenende ist die Halle in der Hand der Junioren. Heute ab 9 Uhr geht es um Weltcup-Punkte im Degen-Einzel. Der Sieger (Final um 17 Uhr) erhält die «Trophée Maître Roger Nigon». Am Sonntag ab 8.30 Uhr steht dann erstmals der Team-Weltcup auf dem Programm. Welche Nation den «Épée D'Or» erhält, wird im Final um 16 Uhr entschieden. Mit Frederik Weber von der Fechtgesellschaft Basel (Einzel und Team) und Daniele Zorzato vom Basler Fechtclub (Einzel) sind auch zwei regionale Nachwuchshoffnungen am Start.

Aufwind durch EM

Die beiden Turniertage in Basel sind der Startschuss in ein reich befrachtetes Schweizer Fecht-Jahr. Im Juni werden in Montreux die Europameisterschaften der Senioren (Elite) ausgetragen. «Das könnte der Sportart einen Schub verleihen», hofft Beckmann. In der Region Basel sei das Interesse im Jugendbereich ohnehin sehr hoch, sagt der Trainer. Auch Max Heinzer, die Weltnummer 4 von der Fechtgesellschaft Basel, erhofft sich von den Europameisterschaften Aufwind für die Randsportart.

«Vor allem die Live-Übertragungen im TV sind eine gute Sache», sagt der 27-Jährige. Heinzer ist einer der wenigen Degenfechter, die in den letzten fünf Jahren immer mindestens ein Weltcup-Turnier pro Saison gewinnen konnten. Aber die «Trophée Maître Roger Nigon» oder den «Épée D'Or» hielt er nie in seinen Händen, weder als Junior noch als Senior. «Das Heimturnier hat mir einfach nie Glück gebracht», sagt er.