Keine Angst, liebe Sportfans: Es folgt hier keine Geschichte aus dem Tierreich oder über den Kampf zwischen Giftschlange und Raubtier. Aber etwas Animalisches hat der Boxsport schon an sich. Und heute boxt die Kobra in Basel gegen einen bosnischen Löwen.

Kobra gegen Löwe

Um 20 Uhr steigt in der Basler St. Jakob-Halle der Kampf um den vakanten Schwergewichts-Titel der europäischen Nicht-EU-Staaten. Im Ring stehen wird auch ein Schweizer: Arnold Gjergjaj, 29-jährig, genannt die Kobra. Sein Gegenüber heisst Adnan Redzovic, ist Bosnier, nennt sich selbst Löwe – und auch er ist lange ungeschlagen (15 Kämpfe). Wie im Boxsport üblich, haben die beiden Protagonisten Spitznamen: Gjergjaj (1,97 Meter und 107 Kilogramm) gegen Redzovic (1,88 Meter und 105 Kilogramm) ist der Kampf zwischen der «Kobra» und dem «bosnischen Löwen». Je animalischer, desto besser.

Gjergjaj hat den Namen «Kobra» erhalten, weil seine Art zu boxen schon als Amateur dem Verhalten einer Kobra ähnelte, wie sein Trainer Angelo Gallina erzählt. «Er wartet lange ab und beisst dann blitzschnell zu. Zuerst haben wir ihn Baby-Kobra genannt», sagt Gallina und lacht. «Das hat er gar nicht gemocht. Der Kompromiss war dann einfach Kobra.»

Der Muskelprotz

Trainer Gallina erzählt von der ersten Begegnung mit Gjergjajs heutigem Gegner Adnan Redzovic Anfang Woche. «Was für ein Muskelprotz! Ich habe schon viel gesehen und bin selber kein Zwerg – aber Redzovic ist extrem robust. Und er wirkt hoch motiviert.» Doch auch der Prattler ist bereit für den heutigen Kampf. «Wir freuen uns und haben alles dafür unternommen», verspricht Gallina.

Der Europameistertitel wäre der bisher grösste Erfolg von Arnold Gjergjaj. Doch es soll für den gelernten Heizungsmonteur erst der Anfang sein. «Dieser Kampf ist ein erster Höhepunkt. Es gibt Etappenziele bei einem Boxer: der erste Profikampf, der erste Acht-Runden-Kampf, der erste Titelkampf. Viele kommen gar nie so weit», sagt Gallina.

Steigerungspotenzial vorhanden

Und wie weit soll es noch gehen? «Wir schauen von Kampf zu Kampf», sagt Gallina. Mit 25 Jahren wurde Gjergjaj, der im Kosovo geboren ist und mit 14 in die Schweiz kam, Profiboxer. Er gewinnt einen Kampf nach dem anderen. Der Gewinner des «Prattler Sterns» 2014 war schon Sparringpartner des grossen Vladimir Klitschko – sowie von Kubrat Pulew und Tyson Fury. «Das sind die drei besten Boxer der Welt. Das hat ihn weiter gebracht», schwärmt Gallina.

Trotzdem gibt es noch Steigerungspotenzial: «Als Arnold mit Fritz Sdunek – er ist der beste Boxtrainer der Welt und ehemaliger Trainer der Klitschkos – gearbeitet hat, sagte dieser, Arnold müsse aktiver werden», erzählt Gallina. «Und ich finde, er muss seine konditionelle Basis weiterentwickeln, um auch gegen die Spitzenathleten im Schwergewicht über zwölf Runden boxen zu können.» Ob der Kampf heute über zwölf Runden geht? Schon seit vier Jahren musste die «Kobra» nicht mehr über die volle Distanz.