Basketball

Die letzten Mohikaner: Die Starwings retten die Deutschschweiz

Die Starwings (hier mit Branislav Kostic) kämpfen mit bescheidenen finanziellen Mitteln.

Die Starwings (hier mit Branislav Kostic) kämpfen mit bescheidenen finanziellen Mitteln.

Die Basketballer der Starwings sind in der kommenden Saison der einzige Verein aus der Deutschschweiz, der in der höchsten Spielklasse mitspielt. Das steigert ihre Wichtigkeit in der Liga.

Die Schweizer Basketballlandschaft dünnt sich aus. Viel wurde in den vergangenen Wochen davon gesprochen: von finanziellen Sorgen und sportlichen Rückzügen aus der höchsten Liga. Swiss Central Basket und Pully Lausanne hat es getroffen. Nicht einzig allein aus finanziellen Problemen, sondern auch weil sich die Mitgliederanzahl schlecht entwickelte. Die Herausforderung ist gross, ebenso die Unsicherheit. «Es ist für alle Vereine schwierig, in der höchsten Spielklasse zu spielen. Nicht nur für die Kleinen», sagt Erik Lehmann, Direktor des Schweizer Basketballverbandes. Doch im Umgang mit der Herausforderung gibt es Unterschiede. Einige widerstehen, andere kapitulieren.

Die Starwings gehören zur ersten Art. Für sie steht der Verbleib in der NLA ausser Frage. Solide die Finanzen, treu die Sponsoren bisher. Weil mit Swiss Central eine der beiden Deutschschweizer Mannschaften freiwillig absteigt, sorgen die Birsfelder dafür, dass die nicht-lateinische Schweiz im Basketball nicht von der Bildschirmfläche verschwindet. «Es ist schlecht für den hiesigen Basketball, wenn nur Romands und Tessiner mitspielen», sagt Pascal Donati, Vize-Präsident der Starwings. Die Baselbieter avancieren zum letzten Mohikaner.

Mindestlohn für die ausländischen Spieler

Die Starwings sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. 350'000 Franken beträgt ihr Budget für eine Saison, 250'000 gehen davon an die erste Mannschaft. Die Ausländer erhalten den Mindestlohn von 3'500 Franken, Spesen wie Flüge und Wohnungen oder der Ligabeitrag werden ebenfalls aus diesem Topf beglichen. Die restlichen 100'000 Franken gehören mehrheitlich dem Nachwuchs, 10000 Franken werden zudem für die Hallenbenutzung aufgewendet. Mit diesen Zahlen operieren sie auf tiefer Flughöhe. Das Budget der Spitzenmannschaften aus Genf und Fribourg beträgt bis zu 1,5 Millionen Franken. Beklagen möchte sich Donati darüber nicht. «Das ist in jeder Liga so. Wir sind glücklich mit dem, was wir haben.»

Die Einnahmen hängen primär von den Sponsoren ab, die bis zu 300'000 Franken beisteuern. Den Rest finanzieren die Starwings mit eigenen Turnieren, J+S-Beiträgen, kantonaler Unterstützung von Swisslos, Catering und Ticketverkäufen. «Ein Minus machen wir schon lange nicht mehr», sagt Donati. Während der Coronakrise stehen aber Einnahmenquellen auf wackligen Beinen. Fällt etwa das geplante J+S-Turnier im September aus, entgehen 10'000 Franken. «Ein Drama», so Donati.

Direktor prophezeit den Starwings grosse Zukunft

Die Starwings gehen haushälterisch mit den Finanzen um. «Wir geben nur so viel Geld aus, wie wir auch haben», sagt Donati. Die Devise lautet, den eigenen Nachwuchs zu fördern. Doch auch dieser ist vor dem Sparhammer nicht immer gefeit. Um die Kosten zu senken, haben die Starwings in diesem Jahr ihre U23-Mannschaft aufgelöst. Das Sparpotenzial: 35'000 Franken. Um den Wegfall zu kompensieren, gibt es wieder eine U20-Mannschaft. Die finanzielle Arbeit findet beim Verband Anklang. «Die Starwings sind ein gut geführter Verein, dem noch ein paar Tausend Franken fehlen, um ein sehr grosser Klub zu sein», sagt Lehmann. Doch der Verbandsdirektor zeigt sich optimistisch: «Ich denke, dass sie das in Zukunft sein werden.» Er attestiert der Region Basel gute Sponsoren und ein potenzielles Publikum.

Zuerst steht die neue Saison vor der Tür, die im Oktober beginnen soll. Sicher ist das noch nicht. Die Pandemie kann den Plänen jederzeit zuvorkommen. Donati versteckt seine Bedenken nicht. «Die zweite Welle kommt sowieso. Ich habe den Liga-Verantwortlichen gesagt, sie sollen nicht zu ambitiöse Pläne schmieden», sagt er. Mit Unterbrüchen müsse gerechnet werden, eine Austragung zu vieler Spiele sei nicht plausibel. Nachdem diese Saison ohne Titelvergabe abgebrochen wurde, brauche es aber einen Schweizermeister. Donatis Idee lehnt sich an der deutschen Umsetzung an. Dort wurden zehn Mannschaften kaserniert und in Quarantäne gesetzt. Danach spielten sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Meisterschaft in Turnierform zu Ende.

Was geschieht bei einem erneuten Unterbruch der Meisterschaft? «Das wäre eine Katastrophe. Dann wären alle in Gefahr: Vereine, Regionalverbände und der Hauptverband», sagt Lehmann. Für die neue Saison rechnet er mit acht bis zehn Mannschaften. Ohne Lausanne und Swiss Central sind es aktuell deren zehn. Die Starwings werden bleiben. Als letzte Mohikaner, die zwar nicht auf Rosen gebettet sind, aber dennoch auf soliden Beinen stehen.

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