Sensationell Real Madrid im Achtelfinale ausgeschaltet. Im Viertelfinale Juventus Turin entzaubert. Und erst im Halbfinale an einem starken Tottenham gescheitert. Die Erfolge von Ajax Amsterdam in der vergangenen Champions-League-Kampagne sind allen Fussballfans bekannt. Die Holländer schrieben ein im modernen Fussball kaum denkbares Märchen, sammelten unzählige Sympathien und zementierten den Status als Hollands Nummer 1.

Abseits des grossen Amsterdamer Scheinwerferlichts fristet PSV Eindhoven ein Schattendasein. Nicht nur in der vergangenen Saison auf europäischem Parkett, wo für Eindhoven die Gruppenphase Endstation war. Aber dies versinnbildlicht die Wahrnehmung Eindhovens perfekt. Der Klub aus der Lichterstadt, wie Eindhoven als Gründungsort des Elektronikherstellers Philips auch genannt wird, hat über die Grenzen Hollands hinaus wenig Strahlkraft.

Die grosse Ajax-Schule und deren berühmte Namen stellen PSV Eindhoven stets in den Schatten. Völlig zu Unrecht. Denn der Gegner des FC Basel in der zweiten Qualifikationsrunde für die Champions League ist viel mehr. Eindhoven ist «ein absolutes Schwergewicht», wie FCB-Trainer Marcel Koller sagt. Ein Weiterkommen gegen sie wäre «definitiv eine Überraschung», gibt FCB-Captain Valentin Stocker zu.

Denn: PSV Eindhoven ist seit der Jahrtausendwende der erfolgreichste Klubs Hollands. Das sagt die Statistik. Zehnmal wurde PSV Meister, alleine dreimal in den letzten fünf Jahren, zuletzt 2018. Aber die Erfolge haben ihre Schattenseiten. Seit Jahren verliert Eindhoven seine besten Spieler, zuletzt Aussenverteidiger Angeliño an Manchester City und Top-Torschütze Luuk de Jong an Sevilla.

Der grösste Name steht an der Seitenlinie

Eindhoven ist ein Sprungbrett von Weltruf, hat ein Scouting der Extraklasse, vor allem in Südamerika. Hier machten Ronaldo (der brasilianische) und Romario ihre ersten fussballerischen Schritte in Europa. Hier lancierten Ruud van Nistelrooy, Arjen Robben und Mark van Bommel ihre Karrieren. Robben und van Bommel. Sie sind auch die grossen Namen, die über der PSV-Ausgabe 2019/2020 schweben.

Robben, weil er nach seinen zehn Jahren bei Bayern München mit einer Rückkehr zu PSV kokettierte, die Träume der Eindhoven-Fans dann aber platzen liess und sein Karriereende bekannt gab. Und van Bommel, weil der PSV-Cheftrainer der grösste Name in einem Klub ist, der sonst fast ohne solche auskommt. Getreu dem Vereinsmotto «Eendracht Maakt Macht» – Einigkeit macht stark – definiert sich Eindhoven über das Kollektiv, nicht über grosse Stars.

Zwar ist Ibrahim Afellay zurück in der Lichterstadt, aber nur noch als Schatten seiner selbst. Einst als grosses Versprechen, als nächster Messi, zog er nach Barcelona. Jetzt setzt er in Eindhoven einen Schlusspunkt hinter eine eher finster verlaufene Karriere. Die aktuellen grossen Namen in Eindhoven haben sich aus dem Kollektiv in ebensolche entwickelt.

Hartes Los für den FC Basel

Es sind Spieler wie Steven Bergwijin, den halb Europa jagt, und Hirving Lozano. Letzterer eine der jüngsten Entdeckungen des herausragenden PSV-Scoutings in Südamerika. Gemeinsam mit dem neu gekauften Bruma hat PSV eine Offensive, die dem FCB angst machen dürfte und sollte. Beim Saisonstart in Sion zeigte sich die FCB-Defensive nicht immer sattelfest.

Demgegenüber stehen 98 Tore, die PSV letzte Saison erzielte. Das Los hätte den FCB so früh in der Saison kaum härter treffen können. «Wir gehen nicht als Favorit ins Spiel», sagt Stocker. «Aber die beiden Spiele müssen auch erst noch gespielt werden. Wir haben in den letzten Jahren gezeigt, dass wir auch in solchen Spielen etwas holen können. Entschieden wird im Hinspiel noch nichts.» Aus Basler Sicht ist zu hoffen, dass Stocker recht behält. Und PSV nicht einen ersten Schatten auf die neue FCB-Saison wirft.