Ihre nächste Gegnerin allerdings auch – es handelte sich um die Slowenin Anja Stanger. Beide Kämpferinnen gingen also noch ausgeruht in ihre erste Begegnung. Tschopp begann konzentriert und konnte mit einem Wazaari punkten. Die Slowenin zog im Verlaufe dieser umkämpften Begegnung jedoch bald gleich. Tschopp liess sich aber nicht beirren, behielt die Nerven und doppelte mit einem zweiten Wazaari nach. Damit gewann sie vorzeitig mit Ippon gegen die spätere Bronze-Medaillen-Gewinnerin.

Im Halbfinale traf die Muttenzerin auf die Amerikanerin Angelica Delgado. Dieser Kampf war recht ausgeglichen und wogte hin und her. Beide Judokas erkämpften sich gute Aktionen, aus denen aber vorerst keine Wertungen resultierten. Tschopp wehrte sich geschickt gegen die Fussangriffe der US-Kämpferin und wartete auf ihre Konter-Chance. Diese kam dann auch bald. Die Baselbieterin nutzte einen weiteren Versuch der Gegnerin und hob sie mit einem Ura-Nage-Wurf über sich hinweg direkt in einen Festhaltegriff.

Evelyne Tschopp im Einsatz

Evelyne Tschopp im Einsatz

Für den Wurf bekam sie bereits einen Wazaari und hielt Delgado sicher am Boden fest, bis die Zeit bis zum zweiten Wazaari abgelaufen war und der Gong ertönte. Auch dieser Sieg konnte also mit einem Ippon (zwei Wazaari ergeben nach den neuen Regeln wieder einen Ippon) verbucht werden. Bei ihrem Siegeswurf holte sich die Schweizerin aber eine Schramme oberhalb der rechten Augenbraue, blutete und musste kurz gepflegt werden. Sie erschien dann mit einem Turban-Verband zurück auf der Matte um abzugrüssen.

Silber oder Gold ?

Nun war die Frage nur noch: Silber oder vielleicht doch erneut Gold? Ohne allzu grossen Druck trat Evelyne Tschopp den Finalkampf an. Die Gegnerin war einmal mehr die Nummer zwei der Weltrangliste, Amandine Buchard aus Frankreich, die sich ebenso souverän in den Final vorgekämpft hatte. Gegen die 22-jährige Französin konnte Tschopp in den letzten drei Partien nie gewinnen und ging damit als Aussenseiterin ins Rennen.

Die Favoritin Buchard konnte schon mit einem ihrer ersten Angriffe einen Wazaari landen, dem Tschopp in der Folge hinterher laufen musste. Im weiteren Verlauf des Kampfes kam es noch einmal zu einer ähnlichen Situation: die Französin konnte einen Wurf zwar nicht ganz durchziehen, aber Tschopp konnte sich nicht rechtzeitig auf den Bauch drehen und landete auf der Seite. Die japanische Schiedsrichterin zeigte sofort einen weiteren Wazaari an, eine harte, aber nicht unkorrekte Entscheidung. Damit setzte sich die Französin auch dieses Mal wieder durch und gewann den Gran Prix von Tiflis. Tschopp darf mit ihrer Silbermedaille aber trotzdem sehr zufrieden sein.

Das nächste Turnier auf dem Programm ist die Europa-Meisterschaft in Tel Aviv im April, für den Evelyne Tschopp bereits qualifiziert ist. Es gilt für sie, an diesem Turnier ihren bisher grössten Erfolg, die Bronzemedaille des letzten Jahres zu verteidigen oder gar zu überbieten. Nach ihren Erfolgen der letzten Wochen darf man auf weitere Top-Leistungen des Aushängeschilds der Schweizer Judo Wettkampfszene gespannt sein.