Es ist eine Bombe, die in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 2017 platzt. Bernhard Heusler und Georg Heitz, die beiden starken Männer des FC Basel, sollen mitsamt ihrem gesamten Verwaltungsrat Ende Saison 2016/2017 zurücktreten. Freiwillig. Weil sie spüren, dass es etwas Neues braucht. Die Reize wieder neu angeregt werden müssen.

Und dazu für einmal ein spektakulärer Zuzug oder ein überraschender Trainerwechsel nicht mehr genügen. Es muss mehr sein. Eine komplette Reorganisation in der Führungsetage. Die Nachfolger stehen mit Bernhard Burgener und Marco Streller bereit. Sie sollen die Geschicke leiten. Den FCB gleichzeitig so belassen, wie er ist, ihn aber auch renovieren.

Innovativer werden. Für das neue Führungsduo, das am 9. Juni von den Mitgliedern offiziell gewählt wird, ist klar: Das geht nur über einen Weg: Die Wiederbelebung des rotblauen Gedankens mittels vermehrter Integration von Identifikationsfiguren und eigenen Junioren. Ein Jahr danach stellt sich die Frage: Hat die neue Crew das geschafft?

Verdoppelung der Basler

Die Antwort ist: ja. Mit einem erstaunlichen und nicht zu erwartenden Tempo haben Streller und Co. das Team wieder baslerischer gemacht. Man forderte zwei bis drei Jahre Geduld für die Umsetzung, tatsächlich ging alles ganz schnell. Streller selber betont immer wieder, dass dieser Umbruch schneller vollzogen wurde, als man selber damit rechnen durfte.

Getreu dem Konzept «Für immer Rotblau», mit dem sich Burgener als Präsident beworben und die Mitglieder gewonnen hat, hat man kontinuierlich Nachwuchs-Spieler integriert, ihnen mehr Einsatzzeiten gewährt und dazu auch noch eigene Spieler zurückgeholt.

Mit Cedric Itten, Albian Ajeti, Fabian Frei, Samuele Campo und Valentin Stocker konnten zwischen Mitte September und Mitte Januar fünf Ehemalige zurückgelockt werden. Dass einer – namentlich Itten – mittlerweile wieder ausgeliehen ist, ist nur ein marginaler Schönheitsfehler.

Schliesslich konnte die Zahl der potenziellen Stammspieler innert Jahresfrist von 1,5 (Xhaka und in der zweiten Saisonhälfte 16/17 Raoul Petretta) auf 5 gesteigert werden (Xhaka, Petretta, Frei, Stocker, Ajeti; siehe Tabelle).

Hinzu kommt Samuele Campo, designierter Nachfolger von Matías Delgado, der seine Einsatzminuten und seinen Wert je länger, je mehr gleichermassen steigern dürfte angesichts seines starken linken Fusses und seiner Kreativität.

FCB-Nachwuchsspieler im Fanionteam

FCB-Nachwuchsspieler im Fanionteam

Weitergreifend zeigen die Statistiken: den sechs im Kader der ersten Mannschaft eingesetzten Basler Junioren in der letzten Saison stehen nun bereits zwölf gegenüber. Mit Dominik Schmid und Itten wurden zwei verliehen, die Bilanz schmälert es aber nicht. War «die Pipeline vielleicht zu sehr verstopft», wie Ex-Sportchef Georg Heitz Ende 2016 selbstkritisch zugestanden hatte, ist sie heute offen.

Schon jetzt rotblauer als 16/17

Der FCB Ausgabe 2017/2018 ist bereits jetzt rotblauer als es die Ausgabe 2016/2017 war. Und das, obwohl erst 32 von 49 Partien (ein allfälliger Cupfinal nicht mitgerechnet) gespielt sind. 5925 Minuten in dieser Spielzeit stehen schon jetzt 4030 von letzter Saison gegenüber.

Hochgerechnet auf Saisonende ergäbe dies 9072 Einsatzminuten von Spielern, die den Nachwuchs des FCB durchlaufen haben – und somit gar mehr als vor zwei Jahren, als Wunderkind Breel Embolo die Statistik in die Höhe schraubte.

In der Tendenz dürften es gar noch mehr Einsatzminuten werden, dürften Stocker, Frei und Campo doch mehr auf ihre Kosten kommen, als dies im Vergleich bei Schmid und Itten (der die ganze vergangene Saison bei Luzern war) der Fall war.

Natürlich haben die aktuellen Entwicklungen auch viel mit zwei Vorfällen zu tun: Dem Rücktritt Delgados und der Verletzung Ricky van Wolfswinkels. Wer weiss, ob Ajeti und Campo sonst schon in dieser Spielzeit einen Platz im Kader der Basler gehabt hätten.

Wahrscheinlich eher nicht. Dass die sportliche Leitung den Markt jedoch nicht nur nach guten Spielern, sondern vor allem nach solchen mit rotblauem Herzen sondiert, zeigt, wie beherzt man am Konzept festhält.

Natürlich sind Burgener und Co. auch noch einige Versprechen schuldig. So ist die Fortschreibung der bisherigen Erfolgsgeschichte, wie sie das Konzept vorsieht, angesichts von fünf Punkten Rückstand noch nicht gesichert.

Auch die Zusammenarbeit mit drei bis vier Topclubs war bislang noch nicht spruchreif. Und die Berücksichtigung der Fan-Interessen wurde nicht prioritär behandelt, machten diese ihrem Unmut über die neue Esports-Abteilung doch unlängst Luft.

Aber rein punkto Integration von eigenen Spielern ist man auf Kurs. Mit Noah Okafor beispielsweise steht bereits das nächste ganz grosse Talent im Kader. Noch konnte er zwar keine Einsatzminuten sammeln (weshalb er in der Tabelle auch nicht aufgeführt wird). Aber kann er nur annähernd liefern, was er verspricht und man sich in der Führungsetage von ihm erhofft, dann wird er in Zukunft noch viel Freude bereiten.