Sechs Spiele, mit 18 Punkten das Maximum, 21:4 Tore – so sah das damals aus. Damals, das war vor zwei Jahren. Die Bilanz ist jene des FC Basel im letzten Jahr unter Urs Fischer. Der FCB war nach sechs Runden der Konkurrenz längst enteilt, Luzern auf Platz 2 hatte schon satte sechs Punkte Rückstand, YB – an dritter Stelle – hatte nur gerade halb so viele Punkte auf dem Konto wie der FC Basel. Schon nach sechs Runden war klar, dass die Basler so gnaden- wie hemmungslos auf den achten Titel in Serie zusteuern. Fragte sich bloss noch, wie gross der Vorsprung sein würde. Und ob die Berner die Meisterschaft auf Rang 2 beenden würden – wie so oft in den Jahren davor. Die Hierarchie schien in Stein gemeisselt, unumstösslich.

Zwei Jahre später ist alles anders, komplett anders. Am Mittwoch hat YB in der Champions League zur Premiere Manchester United in Bern empfangen, während der FC Basel noch nicht einmal europäisch spielen darf, sondern zum Zuschauen verdammt ist. Die Tabelle – im Vergleich zu damals – ist auf den Kopf gestellt. Die Berner führen nach sechs Runden mit dem Punktemaximum und haben ein Torverhältnis von 19:4, Basel hat halb so viele Punkte auf dem Konto und bereits einen Trainerwechsel hinter sich.

Ein Spiel mit immenser Bedeutung

Unter diesen Vorzeichen kommt es am Sonntag zum Duell Meister gegen Vize-Meister – YB gegen FCB. Gefragt, wer denn nun Favorit sei in diesem Zweikampf der derzeit stärksten Fussballklubs der Schweiz, sagt FCB-Trainer Marcel Koller ohne zögern: «Klar YB. Der FC Basel hat zwar eine gute Vergangenheit, aber aktuell sind die Berner vorne.»

So deutlich hat das bisher noch niemand in Basel gesagt. Aber alles andere wäre Schönrederei, denn das ist letztlich die neue Realität im Schweizer Spitzen-Fussball: YB ist das Mass, alle anderen sind Herausforderer – auch der FC Basel.

Auch das ist letztlich nur eine Momentaufnahme. Schon am Montag kann alles wieder ziemlich anders aussehen. Ein Sieg der Basler und alles scheint plötzlich wieder offen – eine Niederlage, und schon betrüge der Vorsprung von YB zwölf Punkte und der FCB könnte nach bloss sieben Runden nicht mehr aus eigener Kraft Meister werden. Das zeigt: Es geht um sehr viel für den FC Basel. Es geht darum, die neue Realität nicht als gegeben hinzunehmen, sich aufzulehnen, zu kämpfen gegen die sich verfestigenden Hierarchien im Schweizer Fussball.

Mit neuem System gegen YB?

Man darf gespannt sein, wie der FCB diese Aufgabe angehen wird. Erstmals seit dem Trainerwechsel hatte Koller eine ganze Woche Zeit, um mit der kompletten Mannschaft zu trainieren, den Spielern seine Ideen, seine Philosophie, seinen Fussball einzuimpfen. Während YB unter der Woche erstmals Sternenluft schnupperte, ackerten die Basler teils in Doppelschichten auf dem Kunstrasen. Immer wieder haben Koller und seine Assistenten dabei Übungen oder Trainingsspiele unterbrochen, um auf kleine Details hinzuweisen und Positionen anzupassen.

Was Koller einen Strich durch die Rechnung macht, sind die zahlreichen Abwesenden. Samuele Campo, Jonas Omlin, Valentin Stocker, Marek Suchy und Carlos Zambrano fehlen verletzt, Taulant Xhaka gesperrt. Die 18 Mann für das Aufgebot am Sonntag ergeben sich so fast von selbst. Trotzdem könnte es eine Überraschung geben. Wenn die Eindrücke aus dem Training nicht täuschen, ist es gut möglich, dass der FCB in Bern erstmals in einem 4-4-2 spielen wird, dem gleichen System übrigens, das YB seit Adi Hütter spielt.