FC-Basel-GV
Die Nicht-Wahl von Brigger: ein Stolperer zum Beginn von Burgeners Amtszeit

Aufstand gegen Brigger – ein schockierter neuer Präsident. Wie ist Bernhard Burgener an der GV aufgetreten? Erkenntnisse aus seinem ersten Auftritt im Amt.

Sébastian Lavoyer
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Umgeben von Legenden: Der neue FCB-Präsident Bernhard Burgener (M.) während der Generalversammlung des FCB zwischen Massimo Ceccaroni (l.) und Karl Odermatt.

Umgeben von Legenden: Der neue FCB-Präsident Bernhard Burgener (M.) während der Generalversammlung des FCB zwischen Massimo Ceccaroni (l.) und Karl Odermatt.

Keystone

Alles läuft rund – bis zur Wahl von Jean-Paul Brigger. Dessen jahrelanges Wirken bei der Fifa, seine enge Freundschaft mit Sepp Blatter, die Dutzenden von Korruptionsgeschichten rund um den Weltfussballverband – plötzlich kommt alles zusammen. Plötzlich sind da Zweifel. Was soll dieser Mann beim FCB? Zwar stimmen mehr Mitglieder für als gegen ihn (726 Ja, 460 Nein, 315 Enthaltungen), aber er verpasst das absolute Mehr von 751 Stimmen. Brigger schafft es nicht in den Vereinsvorstand. Ein Schock für den fünf Minuten zuvor zum neuen FCB-Präsidenten gewählten Bernhard Burgener. Er hat die Situation unterschätzt. Erkenntnisse aus seinem ersten Auftritt als Präsident:

Jean-Paul Brigger steht für die FCB-Mitglieder zu nahe bei Sepp Blatter (rechts).

Jean-Paul Brigger steht für die FCB-Mitglieder zu nahe bei Sepp Blatter (rechts).

Keystone

1. Fan von grossen Marken und Namen – manchmal zu sehr

Er vermarktet die Champions League, den Eurovision Song Contest und die Wiener Philharmoniker. Burgener mag grosse Marken – und Namen. Beim FCB umgibt er sich mit Legenden: Streller, Frei, Ceccaroni, Odermatt. Sie verkörpern den FCB. Bei Brigger wurde Burgener wohl zu sehr Fan, zu markengläubig – und übersah die kritischen Punkte. Auch weil er selbst auf Fifa und Uefa grosse Stücke hält. «Ich war immer stolz, dass die beiden Verbände in der Schweiz beheimatet sind.» Zudem erstaunt die Nominierung, weil der Link zu Basel komplett fehlt. Brigger ist Walliser, aber er wird künftig mit den Basler Fans in Dialog treten müssen, mit der Politik, der Wirtschaft. Natürlich kann er sich da schnell einarbeiten, aber wichtiger als das lokale Netz war Burgener offenbar das internationale Netz von Fifa-Mann Brigger.

2. Ein grosser Stratege, aber kein grosser Kommunikator

Er arbeitet vorzugsweise im Hintergrund und es gibt keine Zweifel, dass Bernhard Burgener das clever macht. Aber in Sachen Kommunikation hat er Aufholbedarf, gerade bei einer Organisation wie dem FC Basel, die derart exponiert ist. Er antwortet langfädig, in verschachtelten Sätzen, wiederholt sich oft. Auch denkt Burgener langfristig, hat die grossen Zusammenhänge im Blick und vielleicht geht im dadurch manchmal ein bisschen das Gespür für Feinheiten ab. Man hätte durchaus erahnen können, dass zu Brigger, einem Walliser, einem Fifa-Mann mehr Worte nötig sind als zu Marco Streller. Er wäre gut beraten gewesen, die neuen Leute nicht bloss schriftlich, sondern bei einer Pressekonferenz vorzustellen. So hätte er mehr Klarheit schaffen können.

3. Ein Kenner der Geschäftswelt mit Nachholbedarf im Vereinsrecht

Burgener ist seit 35 Jahren Unternehmer, steht mehreren Aktiengesellschaften vor, leitet Generalversammlungen und führt Unternehmen. Aber im Vereinsrecht, das steht fest, hat er Nachholbedarf. Nach dem Brigger-Schock zeigt er sich erstaunt darüber, dass sein Mann – obwohl er deutlich mehr Ja- als Nein-Stimmen bekommt – nicht gewählt ist. Doch so läuft das in Vereinen. Es braucht das absolute Mehr aller Stimmberechtigten. Eine Enthaltung wird so quasi zu einem Nein. Auch hätte er als Vereinsmitglied die Möglichkeit gehabt, das Wort zu ergreifen nach dem kritischen Votum. So hätte er den Schock vielleicht verhindern können. Das wenigstens legt die zweite Abstimmung zu Brigger nahe, die dann zugunsten des Wallisers ausging.

726 Stimmen sind zu wenig. Jean-Paul Brigger wird nicht gewählt. Lange Gesichter beim bisherigen Vorstand.

726 Stimmen sind zu wenig. Jean-Paul Brigger wird nicht gewählt. Lange Gesichter beim bisherigen Vorstand.

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4. Nicht fehlerlos, aber schnell lernfähig

Einer seiner Führungsleitsprüche lautet: «Gutes kann warten, Schlechtes will ich unverzüglich erfahren.» Bernhard Burgener ist Unternehmer, er kennt die Menschen und er weiss, dass sie Fehler machen. Da schliesst er sich selbst nicht aus. Nach dem Brigger-Schock gibt er zu, die Situation wohl unterschätzt zu haben. Als das Votum gegen Brigger steht, ergreift er – auf Vorschlag des scheidenden Präsidenten Bernhard Heusler – das Wort. Er halte nichts von Vorverurteilungen von Personen aufgrund von Freundschaften und allgemeinen Vorwürfen gegen eine Organisation wie die Fifa. Dann streicht er die Qualitäten Briggers heraus, sein Netzwerk, sein Wissen. Prompt geben die Fans Brigger darauf ein Ja. Diese Qualität, Fehler einzugestehen und korrigieren zu können, ist gerade bei einem Präsidenten zentral.

Auch Bernhard Heusler machte Fehler.

Auch Bernhard Heusler machte Fehler.

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Auch der zuletzt allseits gelobte Bernhard Heusler machte Fehler. Man erinnere sich an die Preisanpassungen bei den Jahreskarten. Und der Brigger-Schock geht zum Teil auf Heuslers Kappe. Die Idee, ihn in den Vorstand zu wählen, kam von ihm und Stephan Werthmüller. Wie Burgener unterschätzten sie die Situation. Es ist ein Stolperer, aber mehr nicht. Es läuft beim FCB.