FC Basel

«Die Not für den Klub ist sehr gross» - FCB-Nachwuchsverantwortlicher Van Lierop über seine neue Aufgabe

Percy van Lierop sprach am Mittwoch erstmals über seine neue Rolle beim FCB.

Percy van Lierop sprach am Mittwoch erstmals über seine neue Rolle beim FCB.

Seit Sommer 2019 ist Percy van Lierop beim FC Basel angestellt, aber erst seit Januar übt er sein Amt als Gesamtverantwortlicher Nachwuchs aus. Im Rahmen einer Medienrunde hat er nun erstmals über seine neue Funktion gesprochen.

«Seid ihr wegen mir da?», sagt Percy van Lierop und begrüsst sechs Journalisten, die auf dem Nachwuchscampus auf die Medienrunde mit ihm warten. Er war früher als zum verabredeten Zeitpunkt da. Das passt irgendwie, wenn man bedenkt, dass Van Lierop seit Sommer beim FC Basel angestellt ist, aber erst seit 6. Januar offiziell das Amt bekleidet, für das er verpflichtet wurde: Jenes des Gesamtverantwortlichen Nachwuchs. Am Mittwoch hat er nun erstmals über seinen Wechsel zum FCB und seine neue Funktion gesprochen. Van Lierop über ...


… die Gründe, wieso er zum FC Basel gekommen ist:
«Basel hat eine super Geschichte was dominanten, spielbestimmenden, mutigen und kreativen Fussball angeht. Basel ist auch sehr bekannt dafür, junge Spieler in den Profikader zu bringen und dass diese Spieler dann eine internationale Karriere machen. Auch ich will junge Menschen entwickeln für das allerhöchste Niveau des Fussballs und Persönlichkeiten kreieren. Weil das zu Basel passt, habe ich diesen Weg, als er mich jetzt gekreuzt hat, genommen.»

... wieso er dafür seine Rolle als Nachwuchsleiter bei Ajax aufgegeben hat:

«Es gibt im Leben mehr als nur Fussball. Ich habe eine Frau und wir möchten gerne in einem Umfeld mit Natur und Ruhe leben. Ein weiterer Grund ist, dass der FCB ein Klub ist, in dem man vielleicht noch besser Spieler für das allerhöchste Niveau ausbilden kann als bei Ajax, weil die Not für den Klub sehr gross ist, Spieler abliefern zu können, die Erfolge im Profikader haben werden, einen Marktwert entwickeln und den Klub dann auf Dauer finanzieren. Diese extra grosse Aufgabe hat mich zusätzlich gereizt.»

... sein erstes Halbjahr, in dem er nicht in seiner angedachten Funktion arbeiten konnte:

«Das ist für mich kein Problem. Ich bin professionell und positiv und sehe die Realität in einem Klub. Sie haben mir klar gemacht, dass der Zeitpunkt damals nicht der richtige war, um als Nachwuchsleiter anzufangen. Der Meinung war ich auch zu hundert Prozent und das hat sich auch jetzt bestätigt. Alles im Leben hat mit Timing zu tun, nicht nur im Fussball. Im Fussball kein Timing zu haben ist grausam, aber im Leben braucht es auch Timing. Vor meinem Start konnte ich mich einleben und vorbereiten. Ich habe immer wieder unsere eigenen Spieler, aber auch viel den schweizerischen Fussball angeschaut. Wie ist die Mentalität? Wie ticken Eltern? Wo laufen eventuell noch Top-Talente herum?»

... die Bedingungen in Basel:

«Ich denke, dass man auf hohem Niveau immer Dinge anstreben kann. Aber das ist jetzt nicht das Wichtigste. Die Bedingungen hier sind sehr, sehr gut. Jetzt sind die Ausbildungsphilosophie sowie die handelnden Personen entscheidend. Darauf sollten wir uns konzentrieren. Du kannst das schönste Gebäude der Welt haben und ein Fünffaches an Fussballfeldern, wenn aber das Konzept nicht stimmt, die handelnden Personen dieses nicht umsetzen können oder der Spieler nicht im Zentrum steht, dann schaut das von aussen schön aus, aber es wird innerhalb des Gebäudes nichts bringen.»

...wieso er lieber im Nachwuchs ist als bei den Profis:

«Einen Spieler zu entwickeln ist das Schönste, was es in der Welt gibt. Wenn ich zum Beispiel an Donny van de Beek, Matthijs de Ligt und Frenkie de Jong denke (schafften alle den Sprung vom Ajax-Nachwuchs zu den Profis, d. Red.) und an ihre Debüts, dann ist das einfach alles. Ich habe die Eltern und deren Emotionen auf der Tribüne gesehen in einem Moment, in dem sich all die Arbeit auszahlte. Und ich durfte auch noch einen Anteil dazu beitragen. Das ist mein grösster Reiz.»

... wieso er selber nicht Profi geworden ist:

«Wenn es an mir gelegen hätte, hätte ich bis 35 bei Barcelona oder Real Madrid gespielt. Ich bin mit 12 bei PSV Eindhoven gelandet und habe es auch in die U-Nationalmannschaften geschafft. Aber irgendwann bekam ich Probleme mit der Hüfte und habe realisiert: Das wird schwer auf Dauer. Ich habe dann ein halbes Jahr gebraucht, um das zu verarbeiten, danach aber wusste ich: ich will Trainer werden.

... sein Leben abseits des Fussballplatzes:

«Ich bin seit 19 Jahren verheiratet und das sagt mehr über meine Frau als über mich. Ich habe leider keine Eltern mehr, aber einen Onkel. Er ist 70 Jahre alt, im Kopf aber nur 7 und ein Spiegel für mich. Wäre die ganze Welt wie er, gäbe es keine Probleme. Ich habe ausserdem eine Schwester und fünf super Freunde. Viel mehr Zeit bleibt nicht. Ich will Spieler entwickeln, das geht nicht nebenbei. Ab und zu gehe ich Cabrio fahren, weil ich da entspannen kann. Es ist ein einfaches Leben, aber ein glückliches.»

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