CSI Basel
Die Nummer eins ist nach wie vor das Ziel für Pius Schwizer

Springreiten Pius Schwizer wünscht sich mehr Zeit mit seinen Spitzenpferden. Trotz seinen 52 Jahren und dem Abrutsch auf Rang 18 der Weltrangliste, will der in Oensingen wohnhafte Luzerner noch acht bis zehn Jahre an der Weltspitze mitmischen.

Michael Wehrle
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Spitzenpferd Toulago wird in Basel nicht am Start sein: Pius Schwizer.

Spitzenpferd Toulago wird in Basel nicht am Start sein: Pius Schwizer.

Keystone

Er war vor vier Jahren schon mal die Nummer eins der Springreiter. Pius Schwizer, der Luzerner, der längst in Oensingen im Kanton Solothurn heimisch geworden ist. 52 Jahre ist er inzwischen alt, das Feuer lodert nach wie vor.

Im Moment ist er die Nummer 18 der Welt, doch dieser Platz entspricht nicht den Vorstellungen eines Pius Schwizer. «Ich möchte gerne nochmals die Nummer eins werden», gibt er offen zu. Und hat auch eine Idee, wie er denn diesen Traum verwirklichen will. «Ich möchte endlich einmal meine Spitzenpferde längere Zeit behalten», sagt er. So vier oder fünf. Dann kenne er deren Stärken und könne viel besser planen.

Acht absolute Spitzenpferde, solche für die grossen Prüfungen bei Fünfsternturnieren, habe er verloren. «Kaum zeigte ein Pferd ein paar gute Umgänge, wurde es verkauft», erzählt Schwizer. «Normalerweise bist du damit weg vom Fenster, als Reiter bin ich schon sehr vom Pferd abhängig», sagt er. Allerdings geht er bei den Verkäufen nie ganz leer aus. «Ich fädle ja meist den Verkauf für die Besitzer ein», erzählt er. Deshalb falle er bei einem Verkauf auch nicht aus allen Wolken. Meist habe er schon einen Nachfolger in der Hinterhand.

Der Weg an die Spitze ist weit

«Doch so ist der Weg an die Spitze für mich sehr weit», erklärt er. Er wisse selbst kaum, wie er sich mit dieser Ausgangslage fünf Jahre lang unter den Top 20 der Welt gehalten habe. Da komme ihm vielleicht die Schule entgegen, durch die er als Nachwuchsreiter bei seinem Vater gegangen sei. «Das war auf einem anderen Niveau, aber mein Vater hat mit Pferden gehandelt, entsprechend viele verkauft und ich musste mich immer wieder an ein neues Pferd gewöhnen», erzählt er. Durch diese Schule habe er gelernt, dass es immer weitergehe. Und so könne er sich schnell auf ein Pferd einstellen. «Der WM-Final der besten vier Reiter mit Pferdewechsel wäre also genau mein Ding», sagt er lächelnd.

Die Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr lief nicht nach seinem Wunsch. Schon nach dem ersten Springen wars für ihn als 85. gelaufen und im Team verpasste die Schweiz das Ziel, die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio 2016. Bei der Europameisterschaft in Aachen wollen die Schweizer das im Sommer nachholen. «Ich denke, wir haben eine gute Chance, uns eines der drei Tickets zu sichern», sagt Schwizer. Und dann will er nächstes Jahr in Brasilien zum vierten Mal bei Olympia starten. Bronze gewann er 2008 mit dem Team in Hongkong.

«Ich bin kein Träumer»

Noch ist Rio weit entfernt. «Jetzt starte ich mit neuem Elan ins Jahr 2015», sagt Schwizer. Saft- und kraftlos, nach neun Tagen krank im Bett, war er vor einem Jahr beim CSI Basel aufgetaucht. «Diesmal gehts mir gut, ich bin nach zehn Tagen Ferien auf den Seychellen top erholt», sagt er. Doch Wunderdinge dürfe niemand erwarten, seinem Toppferd Toulago gönnt er noch eine Pause. «Ich bin kein Träumer, ich kann mit der Realität umgehen, auch damit, dass ich jetzt mit Nachwuchspferden hier starte», sagt er. Sollte ein gutes Ergebnis rausschauen, dann umso besser.

«Ich geniesse das Turnier, auch wenn ich hier noch nie ganz gut war», sagt er. Aber es sei wie ein Heimturnier, er treffe viele Freunde. Und allzu stressig sei es mit drei Ritten am Tag auch nicht, selbst wenn er schon morgens um sechs mit einem Pferd arbeite, sobald der Stall offen sei. Auch die Ausschau nach möglichen neuen Pferden stehe auf dem Programm. «Wenn ich eines sehe, nehme ich mit einem der Besitzer, mit denen ich arbeite, Kontakt auf», erzählt er.

Im Moment hofft er aber auf einen grossen Wurf: «Vielleicht habe ich bald wieder ein Spitzenpferd, noch ist aber nichts spruchreif», sagt er. Noch acht bis zehn Jahre will er mitmischen, vielleicht schafft er es ja nochmals bis ganz oben.

Die Resultate von Donnerstag:

Basel. Fünfsterne-CSI. Championat: 1. Grégory Wathelet (Be), Conrad, 0/32,06. 2. Rolf-Göran Bengtsson (Sd), Casall, 0/32,20. 3. Niklaus Rutschi (Sz), Windsor, 32,27. 4. Kevin Staut (Fr), Estoy Aqui de Muze, 0/32,32. 5. Harrie Smolders (Ho), Don, 0/33,21. – Ferner: 11. Werner Muff (Sz), Pollendr, 4/34,88, alle im Stechen. 18. Jane Richard Philips (Sz), Pablo de Virton, 4/60,09. 19. Adrian Schmid (Sz), Alcazar Sitte, 4/60,64. 23. Romain Duguet (Sz), Quorida de Treho, 4/61,38. 24. Pius Schwizer (Sz), Armani The Gun CH, 4/61,41. 27. Paul Estermann (Sz), Castlefield Eclipse, 4/61,87. 28. Edwin Smits (Sz), Copain du Perchet CH, 4/62,54. 43. Steve Guerdat (Sz), Concetto Son, 8/63,,6.