Ein Traumtor von Karim Barry eröffnete den Torreigen im schmucken Stade de la Maladière vor 2229 Zuschauern. Aus 25 Metern hämmerte der OB-Stürmer den Ball herrlich ins Lattenkreuz. Es war ein schöner Rahmen für das letzte Spiel vor der Winterpause und Roger Hegis Derniere als Trainer der Old Boys. Der Führungstreffer gegen den hochfavorisierten Leader aus Neuenburg setzte aber nicht die notwendigen Kräfte frei, um die grosse Überraschung zu realisieren.

Muster der vergangenen Wochen

Es kam so, wie man es erwarten musste: Xamax schaltete einen Gang höher und die Basler vermochten nicht dagegenzuhalten. OB fiel in das Muster der vergangenen Wochen. «Wir haben plötzliche aufgehört Fussball zu spielen und waren immer einen Schritt zu spät», meinte OB-Toptorschütze Florian Müller. Zwischen seinen Saisontoren acht und neun in der Schlussphase der Partie konnte der Gastgeber auf 5:1 davonziehen.

Dass das Team trotz klarem Rückstand nicht aufsteckte, spricht für die intakte Moral im Team und lässt für die zweite Saisonhälfte hoffen. Nach einem starken Start beendet OB das Kalenderjahr mit 18 Punkte auf Rang elf. Das ist in Anbetracht der vielen bitteren und unnötigen Niederlagen kein befriedigender Wert.

Noch ein letztes Training

Das Nachlassen in den letzten Partien lässt sich unter anderem mit der fehlenden Breite im Kader erklären. Vor allem in der Offensive hatte Trainer Hegi kaum Alternativen. John Rakotonomenjanahary liess sich zu Beginn der neuen Spielzeit nicht mehr blicken und Sommer-Neuzugang Pape Dieye soll sich mit dem intensiven Training und seiner Rolle als einzige Sturmspitze schwergetan haben und verabschiedete sich nach nur einem Einsatz. Zudem konnte Hegi aufgrund von Verletzungen nie aus dem Vollen schöpfen.

Es wird nicht mehr seine Aufgabe sein, diese Missstände zu bereinigen. Hegi hat seinen Rücktritt angekündigt und wird heute noch ein letztes Training leiten. Das Team wurde von der Demission Hegis überrascht. «Wir wussten zwar, dass er viel zu tun hatte, aber es gab keine Anzeichen für den Rücktritt», meinte Müller. Seit sein Assistent Thomas Mohler OB in Richtung Luzern verliess, ist die Belastung für den ehemaligen NLA-Spieler zu gross geworden.

OB wird aufrüsten

Ein anderer Beweggrund für das Ende Roger Hegis hängt auch mit Sportchef Walter Schneider zusammen. Zwischen den beiden erfahrenen Fussball-Fachmännern herrschte schon früh nach Schneiders Antritt im Sommer Disharmonie. Die öffentliche Vorankündigung von Hegis Rücktritt durch Schneider nach der Partie gegen Locarno passte zum schwierigen Verhältnis der beiden.

Der Nachfolger soll aus der Region kommen und den hiesigen Fussball kennen. Angeführt von Schneider, dem – so scheint es – neuen starken Mann bei OB, soll vermehrt auf die eigene Jugend gesetzt werden. Ob diese Anpassung der Club-Philosophie aufgeht und den Ligaerhalt nicht gefährdet, wird sich weisen. Sicher ist: OB wird aufrüsten. Vincent Leuthard geht auf Reisen, der langzeitverletzte Patrik Breton hört auf und Maryan Andonov soll den Verein nach einer halben Saison wieder verlassen. Die Old Boys befinden sich im Umbruch.