«Wir spielen zurzeit praktisch ohne Stürmer», meint ein frustrierter Roger Hegi nach der Partie. Das System, welches der Old-Boys-Trainer momentan praktizieren lässt (oder lassen muss), sieht aber einen Stürmer vor. Dieser sollte dann auch noch möglichst oft die Bälle in der Spitze annehmen, kontrollieren und weiterverarbeiten.

Durch das verletzungsbedingte Fehlen von gestandenen Angreifern wie Rietmann und Bartlomé fällt dem jungen Karim Barry diese knifflige Aufgabe in die Füsse. Im Spiel gegen das auffällig defensiv agierende Team aus Yverdon hing Barry bis zu seiner ersten gelungenen Aktion – er bediente Nico Thüring mustergültig zum 1:1 – richtiggehend in der Luft. Da waren 43 Minuten gespielt und die Old Boys konnten dank dem Ausgleichstreffer von Thüring eine schwache erste Halbzeit etwas zurechtrücken.

Geschenke an den Gegner

Hegi gefiel wenig bis nichts, was er bis dahin zu sehen bekam. Vor allem dürfte ihm die fehlende Aggressivität im Zweikampf ein Dorn im Auge gewesen sein. Das Team von Trainerfuchs Gabet Chapuisat profitierte in der 15. Minute ein erstes Mal von der Inkonsequenz der Basler Abwehr, als sich De Colle verschätzte, Doulliard die Innenverteidigung narrte und zum 0:1 für die Gäste traf.

Nach dem Pausentee ging eine Viertelstunde ins Land, ohne dass die Old Boys zu ihrem Spiel fanden und die Gäste von ihrer aggressiven Spielweise abliessen. Ein hoher Ball in die Tiefe, ein zu sanftes Eingreifen von OB-Innenverteidiger Sidler und ein traumhafter Heber von Martin Doulliard führten nicht nur zur Führung der Gäste. Endlich erwachten die Gelbschwarzen aus ihrer Lethargie und spielten nun mutiger nach vorne. Torchancen blieben dennoch Mangelware.

Als sich Yverdons Teddy Canosa und OB-Spieler Claudio Zenger in der 72. Minute ineinander verkeilten, zeigte Schiedsrichter Schenk beiden den gelben Karton. Canosa war Wiederholungstäter und musste frühzeitig unter die Dusche. Den anschliessenden Freistoss für die Basler versenkte Diren Akdemir zum 2:2-Ausgleich. Es war der Auftakt zu einer spannenden Schlussphase, in der Thüring und Barry – er rackerte vorbildlich als einzige Spitze – ihre Möglichkeiten ungenutzt liessen.

Das Aufbäumen der Old Boys blieb aber bis zum Schluss unbelohnt, weil Claudio Zenger in der Nachspielzeit eine hundertprozentige Chance vergab und ein Sieg über die ganze Spieldauer schlicht und einfach nicht verdient gewesen wäre. «Mit der Punkteteilung müssen wir heute zufrieden sein», resümiert auch Hegi die Partie.