FC Basel
Die Ruhe vor dem Sturm: Warum der schöne Schein trügt und Marcel Koller womöglich gehen muss

Trotz Cupsieg wirft der FC Basel Fragen auf. Die wichtigste betrifft die Zukunft des Trainers. Der gewonnene Titel mag die kritischen Stimmen nicht verstummen lassen. Mannschaft und Trainer sind keine Einheit mehr – oder waren es vielleicht überhaupt nie.

Céline Feller
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Am Sonntag lässt sich Marcel Koller von den FCB-Fans zum Cupsieg gratulieren. Die Zukunft des FCB-Trainers ist trotzdem ungewiss.

Am Sonntag lässt sich Marcel Koller von den FCB-Fans zum Cupsieg gratulieren. Die Zukunft des FCB-Trainers ist trotzdem ungewiss.

Keystone

Ist er das wirklich? Man muss sich kurz die Augen reiben, um zu sehen: Ja, das ist Marcel Koller, der in die Live-Übertragung des Schweizer Fernsehens rein läuft und ausgelassen tanzt und feiert.

Koller ist keiner, der für die ganz grossen emotionalen Ausbrüche bekannt ist. Er ist kein Feierbiest und ebenso wenig ein Einpeitscher. Sinnbildlich dafür ist, dass Konditionstrainer Nacho Torreño das so wichtige Heissmachen der Mannschaft vor dem Cupfinal übernimmt.

Es ist aber auch ein Moment, in dem man sich fragen kann: Verzichtet Koller darauf, weil er weiss, dass er die Mannschaft nicht erreicht? Dass der Cheftrainer gelinde gesagt keinen guten Draht zur Mannschaft hat, ist ein offenes Geheimnis.

Keine Einheit

Diverse Akteure bemängeln den Coach immer wieder. Mal stehen die mangelnden Emotionen im Zentrum, mal die Art, wie er Fussball spielen lässt. Mal seine altmodischen Trainingsmethoden, mal seine taktische Inflexibilität.

Die Bilderstrecke vom Cupfinal: Lächeln, winken und jubeln für das obligate Cupsieger-Foto.
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Marek Suchy erhält den Pokal und gibt ihn gleich an den nächsten weiter.
Bildstrecke: Fussball, Cupfinal 2019, FC Basel - FC Thun (19.5.19)
Nach dem Abpfiff rennen die Spieler des FC Basel zur Seitenlinie. Der Cup gehört ihnen.
Valentin Stocker (r.) hebt seinen Torhüter Jonas Omlin hoch. Auch Omlin ist der glückliche Ausgang für den FC Basel zu verdanken.
Enttäuschung auf der anderen Seite: Kenan Fatkic (l.) und Guillaume Faivre (r.) trösten sich gegenseitig.
Fabian Frei lässt den Emotionen nach seinem Treffer zum 2:0 freien Lauf.
Auch Thuner zupfen am Leibchen: Nicola Sutter (l.) reisst Eder Balanta (r.) zurück.
Einwurf: Taulant Xhaka (r.) spricht noch kurz mit Thuns Cheftrainer Marc Schneider (l.).
Wenn man nicht schneller ist, hält man den Gegner anders zurück. Wie Valentin Stocker (l.) hier gegen Marvin Spielmann (r.).
Nur fliegen ist schöner: Carlos Zambrano (l.) hebt ab, Dejan Sorgic (r.) läuft in die falsche Richtung.
Nicht ganz mit rechten Dingen geht dieses Duell vonstatten. Taulant Xhaka (l.) zupft am Leibchen von Marvin Spielmann (r.).
Stützt Taulant Xhaka (l.) Chris Kablan (r.) ab oder versucht er noch an den Ball zu gelangen?
Noah Okafor (l.) und Matteo Tosetti (r.) im Laufduell.
Kritischer Blick: Basels Trainer Marcel Koller trotz der 1:0-Führung seines Teams.
Das Tor der Basler aus einem anderen Blickwinkel.
Taulant Xhaka (l.) springt Valentin Stocker (r.) nach Ajetis Tor in die Arme.
Knapp daneben: Thuns Torhüter Guillaume Faivre kommt nicht mehr an den Ball. Der Schuss von Albian Ajeti geht zum 1:0 ins Tor.
Die Basler Fans sind im Stadion kreativer und haben eine grosse Choreo mitgebracht.
Um den geht es: Der Cup-Pokal mit den Schleifen in den Farben beider Teams.
Thuns Sportchef Andres Gerber (l.) und Präsident Markus Lüthi (r.) strahlen. Wie lange noch?
In Bern ist die Ruhe vorüber: die FC-Basel-Fans marschieren zum Stadion.
Schon von weitem ist der Fanmarsch der Basler zu sehen.
Thun-Fans dürfen die YB-Kurve einnehmen und stehen schon zahlreich davor an.
Das Stade de Suisse ist bereit für den Cupfinal.

Die Bilderstrecke vom Cupfinal: Lächeln, winken und jubeln für das obligate Cupsieger-Foto.

Keystone

Positive Worte sind kaum existent. Man höre ihm gar nicht mehr wirklich zu, so ist es zu vernehmen. Dass Trainer und Team nicht die ganz grosse Einheit sind, zeigt sich auch an der Cupfeier.

Kein gemeinsames Anstossen, kein sich in den Armen liegen. Nichts. Der Graben scheint tief. So tief, dass ihn auch eine Revolte und die anschliessende Aussprache nicht haben zuschütten können.

Ausbleibende Bekenntnisse

Es sind diese Dinge, die dafür sorgen, dass nach dem 13. Cupsieg eben nicht nur gefeiert wird. Nur wenige Minuten nachdem Koller über den Platz und durchs Fernsehen tanzt, wird er an der Medienkonferenz nach seiner Zukunft beim FC Basel gefragt.

Koller verweist auf seinen bis Sommer 2020 laufenden Vertrag. «Ich arbeite Tage und Nacht. Aber wenn etwas nicht passt, dann müssen wir darüber reden.» Restlose Überzeugung klingt anders. Aber woher soll diese auch kommen, wenn man wohl selber spürt, dass etwas nicht passt?

Überzeugung ist auch von Kollers Chef, Sportchef Marco Streller, nicht zu vernehmen. Unter der Woche sagte er dieser Zeitung, der Trainer sei kein Thema, Überlegungen habe man sich nicht gemacht.

«Ruhe in den Kessel bringen»

Am Sonntag, als er erneut auf den Trainer angesprochen wird, lautet die Antwort: «Ich werde jetzt nicht hier stehen und sagen, wir machen das sicher oder wir machen das sicher nicht.» Ohnehin sei dies nicht der Moment für eine solche Analyse.

Koller wurde im August geholt, «um Ruhe in den Kessel zu bringen», wie Streller damals eine der Anforderungen an den Wicky-Nachfolger skizzierte. Statt der ersehnten Ruhe herrscht beim FC Basel, so scheint es, viel mehr die Ruhe vor dem Sturm.

Zwar hat Koller es geschafft, eine gewisse Ruhe wieder auf den Platz und eine Konstanz in die Mannschaft zu bringen. Im 2019 setzte es nur eine Niederlage ab – jene gegen YB. Der Cupsieg ist Tatsache und damit der erste Titel der neuen Führung.

Auf den Cupfinal fokussiert

23 Punkte Rückstand auf Leader YB aber sprechen eine andere Sprache. Aus der Mannschaft ist zu vernehmen, dass man keinen Trainer behalten möchte, der dennoch glaubt, man sei gut genug. So sehr die Öffentlichkeit nach neuen Impulsen in Form von Transfers dürstet, so sehr erhofft man sich mannschaftsintern einen Wechsel auf dem Chefposten.

Der Barfi brennt wieder.
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FC Basel Cupfeier 2019
Jonas Omlin heizt den Fans ein.
Die Mannschaft sang gemeinsam mit den Fans FCB-Lieder.
Jonas Omlin und Valentin Stocker feiern.
Endlich konnte der FCB wieder einen Kübel mit nach Hause bringen.
Augelassene Stimmung auf dem Stadtcasino-Balkon.
Raoul Petretta posiert mit dem Cup-Pokal.
Captain Marek Suchy präsentierte den Kübel den Fans.
Marcel Koller feiert seinen ersten Titel als Trainer.
Auch Präsident Bernhard Burgener genoss die Stimung auf dem Balkon des Stadtcasinos.
Ausgelassene Stimmung beim FCB.
Der FC Basel feiert den 13. Cup-Sieg seiner Geschichte.
Der Jubel und die Erleichterung bei den Spielern war gross.
SCHWEIZ FUSSBALL CUP FINAL 2019 BASEL THUN Die Basler feiern nach dem Sieg im Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Thun, am Sonntag 19. Mai 2019, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Thomas Hodel)
Die Basler konnten im Final den FC Thun mit 2:1 bezwingen.
Sein Tor leitete den Sieg ein: Albian Ajeti schoss die Basler mit 1:0 in Führung.
Der Cup gehört dem FCB!
Die FCB-Fans sorgten auf ihrem Marsch zum Stade de Suisse für Farbe in Bern.
SCHWEIZ FUSSBALL CUP FINAL 2019 BASEL THUN Basels Fans feiern nach dem Tor zum 2-0, im Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Thun, am Sonntag 19. Mai 2019, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der Barfi brennt wieder.

zvg / FC Basel

Dass es noch zu früh ist, eine Tendenz abzulesen, gründet darin, dass sich in den letzten Wochen wirklich alles auf den Cupfinal fokussierte. Streller aber sagte, dass in dieser Woche Bewegung rein kommt.

Damit meinte der Sportchef vor allem die Transferfront, doch die Aussage dürfte auch auf die Debatte um Koller zu adaptieren sein. Klar ist nur, dass man sich im Verein nicht sicher ist, ob Koller der richtige Mann ist, um diese Mannschaft zumindest wieder in einen Titelkampf zu verwickeln.

Zu lange gewartet bei Wicky

Hinzu kommt sein Wunsch nach Routine und Robustheit im Team. Der Verein will aber lieber mit spielerischen Mitteln den Anschluss finden und nicht wie YB über die Physis.
Es scheint, als wären die Ansätze immer divergierender.

Dass der FCB 21 Millionen sparen muss, hilft nicht, weil ein neuer Trainer das Personalbudget weiter nach oben drücken würde. Aber: Die Finanzen alleine dürfen dieses Mal nicht entscheiden.

Im Fall von Raphael Wicky warf man sich im Nachhinein vor, nicht gleich bei den ersten Zweifeln die Reissleine gezogen zu haben. Haben die Verantwortlichen daraus etwas gelernt, müssen sie im Sommer eine Trennung von Koller vollziehen.