Es ist nicht selbstverständlich, dass Fechter im Vorfeld einer WM vor allem den Teamgedanken und das «Wir-Gefühl» hervorheben. «Wir wollen überzeugen», «Wir sind bereit», «Für uns steht ein wichtiger Schritt an». Gestern fiel in Kasan der Startschuss zur Medaillen-Mission. Die Schweizer mit den beiden Basler Fechtern Max Heinzer und Benjamin Steffen sowie Fabian Kauter und Peer Borsky sind die aktuelle Nummer 1 der Welt – und die von der Welt Gejagten des Wettkampfs. «Es wird nicht einfach», sagt der 32-jährige Benjamin Steffen. «Auch im letzten Jahr haben wir vom WM-Sieg gesprochen und sind dann auf dem 9. Platz gelandet», schiebt er mahnend nach. Eine Medaille ist und bleibt aber dennoch das Ziel der Schweizer. Dafür gäbe es auch wichtige Punkte im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation 2016 von Rio. Kommt hinzu: Ist man als Team qualifiziert, löst jeder gleichzeitig auch das Start-Ticket im Einzel-Turnier.

In einem Trainingslager in Tenero hat sich das Quartett um Nationalcoach Angelo Mazzoni (wechselt auf die kommende Saison ins russische Team) den letzten Schliff geholt. «Die Qualität stimmt, der Teamgeist auch», sagt der Schwyzer Max Heinzer. Dass mit ihm und Steffen die Hälfte der Mannschaft aus Mitgliedern der Fechtgesellschaft Basel besteht, ist aus Heinzers Sicht nicht zwingend von Vorteil. «Wir trainieren ohnehin alle zusammen und überall in der Schweiz. Insofern spielt die Klub-Zugehörigkeit eher an den Schweizer Meisterschaften eine Rolle.»

Trotz der Konzentration auf den Teamwettbewerb will man das Einzelabschneiden nicht ausser Acht lassen. «Eine WM ist immer ein Gradmesser. Mein Ziel ist es, endlich auch an einem solchen Grossanlass zu überzeugen», sagt Steffen. Auch Max Heinzer sieht die Einzel-Konkurrenz als guten Auftakt im Hinblick aufs Mannschafts-Turnier, das im Anschluss ans Einzel folgen wird. «Es wird auch genügend Zeit bleiben, um sich nach dem Einzelfechten wieder aufs Team umstellen zu können», weiss Heinzer. Als aktuelle Nummer 7 der Welt geht es für den 26-Jährigen auch um Punkte in der Einzel-Wertung. Dass er ein Mann für die grossen Turniere ist, hat er auch in dieser Saison mit dem Weltcupsieg in Tallinn bewiesen – und ist damit der erste Fechter überhaupt, der in fünf aufeinanderfolgenden Jahren mindestens ein Weltcupturnier gewonnen hat. Für den WM- oder EM-Titel hat es aber noch nicht gereicht.

Im Team ist die Mannschaft an Grossanlässen aber mehr denn je auf Kurs: Mitte Juni haben die Schweizer zum dritten Mal in Folge die EM-Goldmedaille gewonnen. «Wir reisen also mit viel Selbstvertrauen nach Russland», sagt Steffen.