Das Blatt hat sich gewendet. Die Nasenrümpfer punkto Eishockey spielender Frauen spucken plötzlich leisere Töne. Mit dem Bronzemedaillengewinn in Sotschi gelang es den Eisgenossinnen, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Grat zwischen Daumen hoch oder runter ist schmal.

Margrit Vetter-Fankhauser kennt dieses Phänomen zu gut. Lange musste sich die 28-Jährige selbst erklären, rechtfertigen. Im vergangenen Herbst strafte sie die Meckerer dann ab. Nach dem fünften Sieg am fünften Fest durfte sich die Emmentalerin zur Schwingerkönigin ausrufen lassen. Das weibliche Pendant zu Matthias Sempach durfte erfreut feststellen, dass ihr Erfolg eine hohe Aufmerksamkeit erzeugt hatte. Fernsehstationen, Radiosender, Zeitungen rissen sich um Margrit Vetter-Fankhauser.

Margrit Vetter-Fankhauser gewinnt das erste Basler Hallenschwinget

Margrit Vetter-Fankhauser gewinnt das erste Basler Hallenschwinget

Für sie eine einmalige Gelegenheit, ihre Sportart einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. In einem Punkt musste sie die den Ewiggestrigen allerdings recht geben. Frauenschwingen lässt sich mit den Männern nicht vergleichen.

55 Teilnehmerinnen

Das wurde am ersten Hallenschwinget für Frauen und Mädchen in Basel auch für den Laien sichtbar. Die 55 Teilnehmerinnen aus den bekannten Zentren Bern, Innerschweiz und Nordwestschweiz tragen ihre Kämpfe durch alle Altersschichten hindurch gradlinig und mit wenig taktischem Geplänkel aus. Genau nach dem Gusto von Raymond Stalder. Der Vize-Präsident des Baselstädtischen Schwingerverbandes hat den gestrigen Anlass ins Leben gerufen. Er will den Frauen auf diesem Weg einen zusätzlichen Wettkampfeinsatz ermöglichen. Nach wie vor sind Kranzfeste rar. In dieser Saison sind bis anhin lediglich fünf Veranstaltungen vorgesehen.

Im Schwingkeller des Verbands im 2. Untergeschoss an der General Guison-Strasse können sich Margrit Vetter-Fankhauser und ihre Konkurrentinnen einem ersten Formtest unterziehen. Raymond Stalder, der seit 30 Jahren mit dem Schwingen verbunden ist, will auf diesem Weg gegen den allgemeinen Trend ankämpfen. «Schwingen hat in der Stadt Basel einen schweren Stand. Bei den Männern ist die Quote der Aktiven praktisch auf Null abgesunken».

Eine Entwicklung, die nicht nur am Rheinknie festzustellen ist, sondern auch in anderen urbanen Ballungsgebieten. Um diesem Negativtrend entgegenzuwirken, braucht es Botschafter. Margrit Vetter-Fankhauser ist eine davon. Allerdings nur noch bis Ende Jahr. Die amtierende Königin steigt dann aus dem Sägemehl und beendet ihre Karriere. Ohne Gelächter, sondern mit dem entsprechenden Respekt. Das Blatt hat sich nicht nur in Sotschi gewendet.