Sm'Aesch Pfeffingen
Die Spielerinnen bezahlen jeden Smash teuer

Die Volleyballerinnen von Sm’Aesch Pfeffingen haben es sensationell bis in den Achtelfinal des Europacups geschafft. Nach dem Ausscheiden in der Türkei wartet nun die happige Rechnung.

Paul Ulli, Trabzon
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Maja Storck musste für den CEV-Cup viel Freizeit opfern.

Maja Storck musste für den CEV-Cup viel Freizeit opfern.

Uwe Zinke

Logrono (Spanien), Hämeenlinna (Finnland), Kfar Saba (Israel) und Trabzon (Türkei) hiessen die Stationen in der vor Wochenfrist zu Ende gegangenen Volleyball-Europacup-Kampagne von Sm’Aesch Pfeffingen. Für einen Dorfklub war es, nebst den sportlichen Aspekten, ein nur schwer zu stemmender finanzieller Kraftakt.

Warum? Im Normalfall kommt jeweils das Heimteam für die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Transporte, Trainingshalle des Gästeteams auf. Auch für die Schiedsrichter und den mitreisenden Supervisor muss der Gastgeber die Kosten übernehmen. In Zahlen ausgedrückt heisst das gemäss Sm’Aesch-Geschäftsführer Bernhard Eichenberger: «Pro Spiel kostete uns das gegen 25 000 Franken. Mit den vier Heimspielen im CEV-Europacup summierten sich so 100 000 Franken an Extraausgaben.» Selbst bei einer sehr gut gefüllten Halle wie im Heimspiel gegen die starken Türkinnen von Trabzon Idman Ocagi hätten die 1200 Eintritte und die zusätzlichen Gelder aus dem Swisslos-Fond niemals ausgereicht, um die anfallenden Kosten zu decken.

Den Humor nicht verloren

Sinnbildlich, wenn auch nur ironisch gemeint, war die Aussage von Sm’Aesch-Pressechef und Vorstandsmitglied Jürg Müller nach dem im Golden Set gewonnen Auswärtsspiel in Hämeenlinna, als er in der Schweiz via Handy das sportlich erfreuliche Resultat erfuhr: «Mein Gott, wenn die Mädels weiter so gewinnen, sprengt das unser Budget.» Eines ist aber sicher. Mit einem Vorstoss bis in die Viertelfinals hat niemand im Verein gerechnet. Headcoach Timo Lippuner war mit den Leistungen seiner Spielerinnen im internationalen Geschäft mehr als zufrieden und blickte danach in die nahe Zukunft: «Für unsere junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 21,4 Jahren und praktisch null Erfahrung und Routine waren diese Europacupspiele in jeder Beziehung sehr lehrreich. Abgerechnet wird am Ende der Finalrunde und in den Playoffs. Dort können wir die gemachten Erfahrungen in positive Resultate ummünzen.»

Der finanzielle Kraftakt des Vereins ist aber nur die eine Seite. Eine andere waren die persönlich erbrachten Opfer, vor allem der jungen Schweizer Spielerinnen. Da ist zum Beispiel die erst 17-jährige Maja Storck, welche in der Sportklasse des Gymnasium Bäumlihof ihre Schulstunden absolviert: «Neben meinen Einsätzen in der Nationalmannschaft, welche auch mit Ausfallstunden verbunden sind, fehlte ich wegen der Europacup-Kampagne an total 13 Tagen, sodass ich abends und während den Reisen den Stoff nacharbeiten musste.»

Aber auch Mittelblockerin und Pharmastudentin Madlaina Matter (19) musste einiges an Mehraufwand erbringen: «In Israel konnte ich nicht mit dem Team zurückreisen, da ich am Donnerstagnachmittag zu einer Semester-Matheprüfung antreten musste. Mein Flugzeug startete deshalb bereits um 5.00 Uhr, sodass ich um 2.00 Uhr am Flugplatz sein musste, ohne zuvor geschlafen zu haben.» Dass sie diese Prüfung schliesslich mit Bravour bestand, darf auch noch erwähnt werden.

Etwas besser erging es in Sachen Arbeitszeitverlust Libera Lisa Leu. Sie arbeitet zu 30 Prozent bei Vereinspräsident Werner Schmid im Büro seiner Garage und musste deshalb nicht extra frei nehmen.

Champions League ist teurer

Ganz anders läuft diese Geschichte bei Ligakrösus Volero Zürich. Dort belaufen sich die Kosten für ein europäisches Spiel auf fast 60 000 Franken – bei gleichen Zuschauerzahlen wie bei den Baselbieterinnen. Doch mit Stav Jacobi verfügt der Verein über einen Präsidenten, der über ganz andere finanzielle Mittel verfügt als das «kleine» Sm’Aesch Pfeffingen. Bei den Zürcherinnen wird zu Beginn der Champions League-Phase mit der Fluggesellschaft Turkish Airlines ein Vertrag für ein Flugzeug ausgehandelt, welches das Team samt Staff überall hinfliegt. Zudem muss keine Spielerin Freizeit opfern, da dort alle Teammitglieder hundertprozentige Profis sind. Darum heisst für diesen Club das Ziel auch ganz klar: der Gewinn der Champions League.

In den Playoffs Die NLA-Volleballerinnen bestreiten heute Abend das dritte Spiel der NLA-Playoff-Runde auswärts gegen Volley Köniz. Das nächste Heimspiel folgt am kommenden Mittwoch um 20 Uhr gegen Hôtel Cristal.