Die Schweiz ist eine Radball-Macht. Sie stellt mit Dominik Planzer und Roman Schneider die aktuellen Weltmeister. Das Altdorfer-Duo setzte an den letztjährigen Titelkämpfen in Deutschland die lange Tradition von Erfolgen fort. 18 Mal standen die Radgenossen bisher zuoberst auf dem Podest. An der WM, die am Wochenende in der Basler St. Jakobshalle stattfindet, gehören die Schweizer nicht nur zu Medaillenkandidaten, sie stellen als einzige Nation – streng genommen – zwei Teams.

Renato Bianco und Andry Accola sind hier aufgewachsen, sie gehören dem VCR Möhlin bzw. VMC Liestal an, sie spielen aber unter italienischer Flagge. Die Doppelbürger erfüllen sich damit einen Traum. «An einer WM teilnehmen und erst noch vor der eigenen Haustüre ist eine unglaubliche Geschichte», sagt Renato Bianco, der in Wallbach wohnt. Andry Accola, sein Teamkollege, fiebert dem Startspiel am Freitag gegen Ungarn ebenfalls entgegen.

Das lange Warten auf das Ok

Um die Vergabe der Medaillen werden die beiden Fricktaler indes nicht eingreifen. Bianco/Accola gehen in der Gruppe B, bei den 2. Divison-Teams an den Start. Sie haben sich den Aufstieg zum Ziel gesetzt. «Von der Papierform her ist das machbar», glaubt der 23-jährige Accola, der Grosscousin des ehemaligen Skirennfahreres Paul Accola.

«Fast wichtiger ist, dass wir dabei sind.» Damit er und Bianco sich in Basel präsentieren dürfen, mussten im fernen Rom einige Hebel in Bewegung gesetzt werden. Der italienische Verband verfügte über keine eigene Radball- und Kunstrad-Abteilung. Die Voraussetzung für eine Teilnahme. «Ende letzten Jahres richteten wir die Anfrage und hörten danach lange nichts mehr», erinnert sich Bianco. Vor zwei Monaten erhielten sie dann die Zusage.

Die italienische Delegation, die morgen an der Eröffnungsfeier einmarschiert, ist überschaubar. Sie besteht aus je einem Betreuer des VCR Möhlin und VMC Liestal sowie der Verbandsperson, mit der bisher nur ein schriftlicher Kontakt bestand. Bis gestern: Das erste persönliche Treffen fand am Abend zu Hause bei Renato Bianco statt. «Es ist genau jene familiäre Atmosphäre, die wir schätzen und die den Radballsport ausmacht», sagt Bianco. Der 28-Jährige weiss, wovon er spricht. Er betreibt den Sport seit über zwanzig Jahren. Der VCR Möhlin ist für ihn in dieser Zeit zu einer zweiten Familie geworden.

Künftig auch in der Nationalliga A

Apropos: Renato Bianco wurde vor zwei Wochen zum zweiten Mal Vater. Und auch mit Andry Accola wird er künftig noch näher zusammenrücken. Aus dem WM-Abenteuer haben die beiden ein Meisterschaftsprojekt geschmiedet. Als VMC Liestal bestreiten sie die kommende Nationalliga-A-Saison.