Rollhockey
Die Stars lassen Basel noch weiter hoffen

Der RHC Basel verliert das Europacup-Hinspiel gegen Sporting Lissabon mit 3:4. Wegen dem knappen Resultat, hoffen die Basler auf eine Rachemöglichkeit im Rückspiel.

Georges Küng
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Basels Tiago Ferreira (rechts) versucht es mit einem Angriff von hinter dem Tor.

Basels Tiago Ferreira (rechts) versucht es mit einem Angriff von hinter dem Tor.

Kenneth Nars

Selbst zur Blütezeit des RS Basel, Ende der 70er- und 80er-Jahre, war die damals offene Rollsportbahn an der Nidwaldnerstrasse nie so gut besucht wie gestern Samstag. Nicht einmal damals, als die legendären Claudio Calò, Marcel Grether, Christian Kern, Sascha Seglias oder Guido Weizenegger Jahr für Jahr im Europacup spielten und Weltklubs wie der FC Barcelona in Basel gastierten.

Der Traditionsverein Sporting Lissabon war es diesmal, der gegen den vor zwei Jahren neu gegründeten RHC Basel antrat und rund 400 Zuschauer in die Rollsporthalle lockte. Rund 80 Prozent davon waren Portugiesen, welche in der Schweiz wohnen; dazu kam ein 50-köpfige Fangruppe aus Lissabon. Und dieses Publikum veranstaltete während der ganzen 50-minütigen Spieldauer einen ohrenbetäubenden Lärm.

Der zweite Nationalsport nach Fussball

Dass in Basel «portugiesisches Ambiente» herrschte, war nicht Zufall. Im Basler Quintett standen vier Portugiesen sowie Neuzuzug Mariano Velázquez (37) aus Argentinien, der aber zu seiner Blütezeit bei Benfica Lissabon ebenfalls eine portugiesische Vergangenheit hat. Und bei Sporting war der Chilene Nicolas Fernández Nadales der «Exot» – alle anderen neun Kaderspieler sind Portugiesen.

Und die Matchbesucher kamen in den Genuss einer Partie, die allerbeste Werbung für das Rollhockey ist. Eine Sportart, welche in der Schweiz nur von Insidern verfolgt wird, in Portugal aber – nach Fussball – der Nationalsport ist. Und täglich in der grössten Sportzeitung «A Bola» (der Ball) mindestens auf zwei bis vier Seiten thematisiert wird.

Die Rollen waren im Vorfeld dieser Europacup-Partie klar verteilt. Hier ein Verein (Basel), der auf der Rollhockey-Weltkarte noch keine Spuren hinterlassen hat. Auf der anderen Seite ein Klub, der ein grosses Palmarès hat. Auch wenn zu sagen ist, dass Sporting in der Heimat klar im Schatten der Liga-Dominatoren Benfica Lissabon und FC Porto steht. Vor einer Woche verlor Sporting das Erzrivalen-Duell gegen Benfica zuhause gleich mit 0:7.

Sporting mit B-Team am Werk

Die Gastgeber von Spielertrainer Tobias Mohr gingen durch «Manu» Velázquez, eine Grösse im argentinischen Rollhockey, in Führung. Und der Südamerikaner hätte kurz vor Halbzeit mit einem Strafstoss auf 2:0 erhöhen können. Doch er scheiterte am Ersatzkeeper José Macedo, wobei zu sagen ist, dass ein Penalty im Rollhockey keine sichere Chance ist. In der Regel werden knapp 30 Prozent der Strafstösse verwertet.

Dass die Gäste nach der Pause innert 14 Minuten gleich viermal skorten, hatte auch damit zu tun, dass im Anfangsquintett von Sporting nur gerade zwei Stammspieler standen. Sozusagen eine «B-Elf». Ricardo Figueira (34), eine Ikone des lusitanischen Rollhockeys und Sporting-Captain, kam als 9. Akteur aufs Feld. Vize-Captain André Pimenta (21), dem eine Weltklasse-Karriere prophezeit wird, war 10. Mann. Basel hingegen musste mit dem Quintett durchspielen, der Deutsche Mohr und der Spanier Alberto Garcia hatten einen marginalen Einsatz.

«Unsere Doublette kurz vor Matchende lässt das Resultat gut aussehen. Ich würde sagen, dass das Rückspiel somit halbwegs offen ist. Aber wir müssen bedenken, dass Sporting nie sein gewohntes Quintett aus der Meisterschaft spielen liess», so Basel-Hüter Carlos Silva. Was der Ex-Nationalgoalie damit sagen wollte: Sporting ist sich sicher, dass sie den Einzug in die Viertelfinals schaffen werden. Der RHC Basel, so portugiesisch er auch ist, bleibt gegen die Sporting-Grössen krasser Aussenseiter.