Basketball NLA

Die Starwings gewinnen das emotionale Verbands-Derby bei Boncourt mit 82:73

Rückkehrer Alexis Herrmann (r.) wurde zum besten Spieler der Partie gewählt.

Rückkehrer Alexis Herrmann (r.) wurde zum besten Spieler der Partie gewählt.

In einer Tollhaus-Atmosphäre vor 1122 sehr lauten Zuschauern gelingt dem Birstaler Basket-Kombinat ein veritabler Exploit. Topskorer der Partie war der unter der Woche noch so arg gescholtene Octavius Brown, der diesmal eine starke Darbietung zeigte.

Am Mittwochabend, bei der 70:75-Heimniederlage im Achtelfinal des Schweizer Cups ge­gen den BBC Lausanne, hatten die Starwings eine matte, teils lethargische Darbietung ge­boten. Aus dem Ensemble fiel US-Profi Octavis Brown ab, dem nichts geglückt war.

Nur 72 Stunden später mussten die Unterbaselbieter in Boncourt antreten. Im äussersten Zipfel der Nordwestschweiz, wo die legendäre «Salle sportive» steht, im Volksmund «Le Chaudron» (der Dampfkessel). Dies, weil zu den grössten (Meister-)Zeiten in diesem Tollhaus alle Rivalen förmlich abgekocht wurden. Auch internationale Widersacher, die sich mit der engen Halle, dem kleinen Spielfeld und den Anhängern, die sich «Rote Teufel» nennen, nie anfreunden konnten.

Auf diese Saison hin brennt der Dampfkessel wieder. Beweis hiefür ist, dass sich praktisch so viele Zuschauer in die Halle drängten, wie Boncourt Einwohner hat. Und nach dem grandiosen Auswärtssieg der Jurassier beim Titelkandidaten Union Neuchâtel war die Fra­ge nicht, ob der BCB gewinnen wird, sondern einzig über die Höhe des Erfolges wurde philosophiert.

Aber wer hättes geglaubt: Die herbe Kritik nach dem Ausscheiden gegen Lausanne dürfte einige Akteure in ihrem Stolz verletzt haben. Und auch Cheftrainer Roland Pavloski hatte zum Team Klar­text gesprochen, auch wenn er dieses gegen aussen zurecht in Schutz genommen hatte.

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Die Literatur kennt den Klassiker «Dr. Jekyll und Mr. Hyde» des schottischen Schriftsteller Robert Louis Stevenson aus dem Jahre 1886. Diese Novelle ist eine der berühmtesten Ausformungen des Doppelgängermotives in der Weltliteratur. Wir wissen nicht, ob Octavi­us Brown dieses Werk kennt oder gar gelesen hat. Aber sein Auftritt in der Ajoie war wie ein «umgekehrter Handschuh».

Der 206 Zentimeter grosse Mann brachte sechs von neun Dreiern in den Korb, war beim Rebound präsenter, in seinen Aktionen entschlossener und spielte mit einer gesunden Portion Aggressivität. In dieser Verfassung wünscht man sich diesen Mann, der in seinem College in Mississippi mit guten Quoten und Statistiken brilliert hatte, sodass der Weg zum Profispieler in Europa weit offen schien.

Das Kollektiv überzeugte

Während der ganzen Partie lagen die Starwings in Führung. Nach 30 Minuten sogar mit 14 Punkten, doch dieser Vorsprung drohte im letzten Viertel einige Male bedrohlich zu schmelzen. Aber just in jenen Momenten, wo das Momentum kippen konnte (und die Zu­schauer förmlich die Gastgeber zum Sieg brüllen wollten), behielten die Gäste aus Birsfel­den kühlen Kopf und brachten den Erfolg stilsicher über die Zeit. «Alle haben exzellent ge­spielt und ihre Aufgabe vollauf erfüllt», so Starwings-Trainer Roland Pavloski.

Team-Captain Joël Fuchs spielt konstant, im Angriff wie in der Defense, auf höchstem Ni­veau. Boncourt-Eigengewächs Alexis Herrmann, der mit Willkommens-Spruchbändern be­grüsst wurde, spielte in seinem «Wohnzimmer» grandios auf – und wurde als bester Star­wings-Spieler ausgezeichnet.

Man hätte ebenso gut Topskorer Brown, Fuchs oder Darell Vinson, der wieder einmal der «Mister Double-Double» war (zehn Punkte, elf Rebounds), wählen können. Oder Routinier Björn Schoo, der ein perfekter «Back-up» für Vinson war – und mit seiner Erfahrung und Effizienz dafür sorgte, dass im Starwings-Spiel kein Bruch entstand. Gut war auf der Gegenseite auch Branislav Kostic; das Eigengewächs des CVJM Birsfelden hat sich im Jura bestens eingelebt und ist eine fixe Grösse im Bon­court-Ensemble.

Erste Minuten für Patric Hauri

Und ebenso viel zum Erfolg trug der Ex-U21-Nationalspieler Patrik Hauri bei. Es wa­ren seine allerersten Minuten in der Nationalliga A - «und seine Athletik, Energie, Kampf­kraft und Wille waren ein starkes Zeichen, dass wir nur mit diesen Attributen in Boncourt bestehen konnten», so Pavloski.

Und da war Philippe Sager, der Nationalspieler Vincent Gaillard «völlig aus dem Spiel nahm, so dass sich dieser entnervt auswechseln liess», wie Pavloski zufrieden konstatierte.

Mit diesem Erfolg, wider jeglichen Prognosen, rücken die Starwings in der Tabelle auf Platz fünf vor. Und empfangen am nächsten Sonntag in der Sporthalle Birsfelden den punk­telosen Tabellenletzten Winterthur. Zur Euphorie besteht noch kein Grund - «Dr. Jekyll und Mr. Hyde» schien in dieser noch jungen Saison 2016/16 die Lieblingslektüre einiger Spieler zu sein. Können die Starwings-Basketballer aber ihre Leistungen stabilisieren und den samstäglichen Auftritt als Norm festsetzen, dann darf man sich auf die Fortsetzung der Basket-Saison sehr freuen.

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