Massagno hat quantitativ das grösste Kader aller A-Ligisten und führt 17 Kaderspieler auf. Die Luganesi verfügen über vier starke Profispieler – und leisten sich den Luxus, in Jules Aw über einen ex-senegalesischen Nationalspieler zu verfügen, der – erstaunlicherweise – als naturalisierter Schweizer spielt.

Und Aw stellte beide Amerikaner (Justin Roberson und den schwachen Keon Moore), Tylor Ongwae (gilt als bester kenianischer Akteur aller Zei­ten) und den serbischen Center Milos Jankovic in den Schatten. Und konnte als 6. Mann in die Partie eingreifen. Angeführt werden die Tessiner vom italienischen Routinier Marco Magnani (32), der als Grenzgänger, und irgendwie darum als Basket-Schweizer, gilt. Und auch (ex-)Nationalspieler Daniel Andjelkovic ist wieder fit, aber noch nicht ganz so spiel­stark wie einst.

Ohne Tutonda...

Bei den „Wings“ stellte man im zweiten „Heimspiel“ in Muttenz fest, dass Brunelle Tutonda fehlte. Die Trouvaille, stets in der Stammfünf und ein sicherer Wert, ist nun richtig verletzt. Und dürfte mindestens einen Monat ausfallen, nachdem er seit Wochen angeschlagen ge­spielt hatte. Sein Ersatz war Robert Devcic; ein Basket-Büezer, der hart arbeitet, aufsässig verteidigt, aber in der Offensive seine Limiten hat. Nur konnte der Zürcher mit kroatischen Wurzeln ganze drei Minuten und zwölf Sekunden mitwirken – dann erlitt er eine Bänder­verletzung. Und wird einige Wochen ausfallen.

… und Ausfälle von Babic und Devcic

Die „Wings“ führten von Beginn an. Sie spielten gut, geordnet, strukturiert. Der Grund hat­te primär einen Namen: Petar Babic (32). Bis zur 17. Minute war er seiner Mannschaft ein grosser Leader, ein umsichter Spielmacher, der gewünschte Denker und Lenker. Der Aufbauer und Spielmacher gab gescheite Pässe und er hatte acht Punkte (bei ener Wurfquote von 100 Prozent!) erzielt.

Und dann kam das Mal­heur: Babic verletzte sich schwer – an den Bändern, wohl am Knöchel und am Knie. Damit war der Match für den Kroaten beendet; vielleicht sogar die Saison 2017/18. Der Höhepunkt einer Saison, die bisher von Unbill und Verletzungen begleitet ist.

Damit standen Starwings-Trainer Roland Pavloski noch sechs Akteure zur Verfügung – darunter der rekonvaleszente Alexis Herrmann, der seit Monaten nicht mehr gespielt (und trainiert) hat. Und Alessandro Verga war, milde ausgedrückt, mehr als indisponiert. So mussten Branislav Kostic (in der Babic-Rolle), die „Oldies“ Nemanja Calasan (34) und Björn Schoo (37) sowie Allyn Hess die Partie schaukeln.

Sie taten es grandios – mit einem riesigen Löwenherzen, mit dem Mute der Verzweiflung und der Wut (oder Frust), dass sich in dieser verflixten 13. Spielzeit alles gegen die Starwings verschworen hat. Der Blitzein­schlag, der Hallenbrand, das „Herumtingeln“ nach Liestal, Muttenz und ins Kleinbasel (ohne geregelten Trainingsbetrieb notabene) – sowie eine Equipe, die ein einziges Laza­rett ist.

Charakter und Solidarität

Nach 34 Minuten stand es nur noch 55:53; man musste befürchten, dass die „Wings“ nun einbrechen würden, denn das Quintett Kostic, Herrmann, Hess, Calasan und Schoo lief auf dem Zahnfleisch. Es gab Phasen mit vielen (ärgerlichen) Ballverlusten. Einige Freiwürf­e wurden verworfen, aber irgendwie, mit Charakter, Herz, Stolz und Willen, schaff­ten es die Unterbaselbieter, den auf dem Papier übermächtigen Rivalen auf Distanz zu halten.

Das Bild war eigentlich grotesk; auf der Ersatzbank der Gastgeber befand sich Trainer Pavloski und die verletzten Akteure; beim Gast nahmen gleich sieben Ersatzspie­ler, zwei Profi-Trainer und einige Funktionäre Platz.

Die personelle Situation bei den Unterbaselbietern ist dramatisch. Mehr verletzte als ge­sunde Spieler; ein Zuzug, der davongelaufen ist (Guillaume Grédy) und der ex-Captain, der zwar mittrainiert, aber nicht mehr mitspielen will (ausser in Liestal beim Sieg gegen Winterthur). Stand Silvestertag, 31. Dezember 2017, verfügt der A-Ligist noch über sechs Akteure… in einer Sportart, wo man im besten Falle mit zehn bis zwölf Akteuren spielen und rotieren sowie mit 14 Mann trainieren sollte.

Wenn sich der ganze Unbill und das Ver­letzungspech in Glück verwandeln würden, müssten die Starwings bei Vollbestand eigent­lich um die Spitze kämpfen können. Denn Mas­sagno gehört heuer, mit diesem Kader und den finanziellen Möglichkeiten, zur erweiterten Landeselite. Und verliert gegen „die letzten Mohikaner von der Birs“ - eine Parforceleis­tung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.