Nach 24 von 27 Meisterschaftsrunden darf Starwings-Cheftrainer Roland Pavloski aufatmen. Sein Birstaler Kombinat kann vom neuntplatzierten Swiss Central Luzern nicht mehr überholt werden und wird damit ab April die Playoffs um den Meistertitel bestreiten.

Dass die «Wings» die mathematisch fehlenden zwei Zähler mit einem Sieg in Lugano schafften, ist die bis dato grösste Sensation dieser Basket-Saison 2015/16. Nur 40 Stunden nach dem ordentlichen Heimauftritt gegen Co-Leader Monthey (88:98) zeigte das Deutschschweizer Aushängeschild eine Leistung, die man mit Worten nicht beschreiben kann. Es war eine Parforceleistung, die in einem Husarenstück, verbunden mit einem epischen Triumph, endete. Bei einem Verein, der das dritte Basket-Jahrtausend geprägt, teils dominiert hat. Bei einem noch immer «Grande Lugano», das auf diese Partie hin einen Mann namens Terrance Henry (USA, 26, 207cm) verpflichtete, der bärenstark ist und viel kostet.

Nervenflattern und Händezittern

Der Gast von der Birs musste de facto mit dem Quintett Lorenza Ross (lieferte seine beste Saisondarbietung ab), Branislav Kostic (aus einem Reservisten beim letztjährigen B-Ligisten BC Alte Kanti Aarau ist ein 40-Minuten-Mann für die Nationalliga A geworden), Joël Fuchs (dieser ist viel mehr als nur Teamcaptain), Murphy Burnatowski (der talentierteste Skorer der obersten Schweizer Spielklasse ohne Wenn und Aber) und Devonte Upson (in drei Jahren kann er in einer ganz grossen Liga spielen) durchspielen.

Und hätte Burnatowski – nach 39 Minuten und 46 Sekunden - beim Stand von 71:72 nicht seine beiden Freiwürfe verworfen, dem «Underdog» aus dem Unterbaselbiet wäre wohl die Verlängerung erspart geblieben. Noch dramatischer war es jedoch zwei Sekunden vor der Endsirene geworden, denn beim Skore von 73:72 für Lugano stand Kostic an der Freiwurflinie. Den ersten Wurf verwertete dieser – doch anstatt mit dem zweiten für Siegesjubel zu sorgen, blieb es beim 73:73, was zu einer fünfminütigen Verlängerung führen geführt hat.

Surreal… und doch real

Die Starwings gerieten in den ersten zwei Minuten der «Overtime» zwar in Rückstand, doch Lugano verlor mit Zuzug Henry sein «Monster unter den Brettern». Und weil in den letzten 180 Sekunden das Baselbieter Quintett traumhaft aufspielte, immer die richtigen Entscheidungen traf und alle Freiwürfe, nebst den Feldwürfen, verwertete, leuchte kurz vor Matchende ein «surreales» 91:81 für die Starwings auf. Ungläubiges Staunen in Tessiner Reihen, die im dritten Vergleich bereits das zweite Mal als Verlierer vom Feld gehen mussten.

Lugano bleibt «Grande» und die Starwings verbleiben der Exot und krasse Aussenseiter in der Schweizer Basket-Elite der Top Acht. Aber am Sonntagabend haben sie eine weitere, eindrückliche Durftmarke gesetzt und aufgezeigt, dass elf Jahre Nationalliga A in Folge eben doch ein Leistungsausweis sind, den in der Basket-Schweiz nicht sehr viele Klubs vorweisen können.